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Auch die Siegerin ist unglücklich

"Fellbach und Rems-Murr-Kreis", vom 05.01.2012 02:38 Uhr
Sportgymnastik Jana Berezko-Marggrander lächelt nach dem Erfolg gegen die Trainingsgefährtin Laura Jung nur gequält, obwohl sie nunmehrin wenigen Tagen am vorolympischen Qualifikationsturnier in London teilnehmen darf. Von Thomas Rennet

Selten wohl hat man in dieser Sportart, in der auch die Verliererinnen zu lächeln haben, eine Siegerin unglücklicher gesehen. Erleichtert war Jana Berezko-Marggrander schon. Die 16-Jährige atmetete nach dem denkwürdigen Geschehen gestern Nachmittag in der Sporthalle in Schmiden tief durch und rang sich zuweilen sogar ein gequältes Lächeln ab. Vor allem aber nahm sie die Gratulationen mit ernster Miene entgegen. Ja, sie darf jetzt vom 16. bis 18. Januar am vorolympischen Qualifikationsturnier in London teilnehmen. Sie hat im Vorfeld die finale Ausscheidung gewonnen. Einen Wettkampf, der trotz Beteiligung der armenischen Nachwuchskraft Anja Guguljan ein Zweikampf war. Laura Jung, die Freundin und Trainingsgefährtin am Schmidener Bundesstützpunkt der Rhythmischen Sportgymnastik, hatte diesen Zweikampf nicht gewinnen können. Doch auch Jana Berezko-Marggrander sah nicht aus wie eine Sportlerin, die gerade einen Schritt gemacht hat auf dem Weg zu den Olympischen Spielen im Sommer in der englischen Hauptstadt. "Dieser Wettkampf konnte gar nicht anders als traurig enden", sagte Thomas Schütte.

Der Presse- und Hallensprecher hatte mit Karl-Heinz Striegel den Teppich ausgelegt zwischen Tribünen und Jurytisch. Striegel, Volleyball-Stratege mit Bundesliga-Vergangenheit und Ehemann der Stützpunktmanagerin Brigitte Striegel, unterzog die Bodenfläche noch mit altersmüdem Staubsauger einer Reinigung. Die Cheftrainerin Galina Krilenko sammelte höchstselbst die Fussel auf, die hinter ihm liegen blieben. Sie alle hatten das Terrain vorzubereiten für einen Wettbewerb, dem sie trotz der hohen Bedeutung ganz ohne Begeisterung entgegensahen. "Wir haben gemacht, was wir machen mussten", sagte Galina Krilenko, Trainerin der beiden besten deutschen Einzelgymnastinnen, hinterher und fügte mit Tränen in den Augen hinzu: "Aber aus menschlicher Sicht ist das hier sehr schwierig." Für alle Beteiligten. Und vor allem natürlich für Laura Jung, die nun auf eine Belohnung für ihre starken Vorstellungen des Vorjahrs verzichten muss.

Die 16-Jährige hatte im September mit ihrem 19. Rang bei den Weltmeisterschaften in Montpellier den deutschen Startplatz für das olympische Testturnier in London ergattert. Jana Berezko-Marggrander hatte im Süden Frankreichs verletzungsbedingt nicht mitmischen können. So hatte die Mitbewerberin Laura Jung - mit Bravour - die Spitze in Deutschland übernommen. Doch Jana Berezko-Marggrander, bei den Olympischen Jugendspielen 2010 in Singapur mit der Bronzemedaille ausgezeichnet, ist vermutlich die größte Begabung, die es in der Sportgymnastik in dieser Republik jemals gegeben hat. Deshalb haben die Verantwortlichen des Deutschen Turner-Bundes die Tür auch für - die genesene - Jana Berezko-Marggrander wieder geöffnet. Die Turniere im Dezember in Udine/Italien und gestern in Schmiden sollten Klarheit bringen über die Nominierung. Jana Berezko-Marggrander hat sich in der internen Qualifikation zweimal klar durchgesetzt. Gestern hat sie 107,025 Punkte erhalten, Laura Jung 104,150 Zähler. "Die beste Gymnastin reist nach London - alles ist korrekt", sagt Galina Krilenko. "Aber beide haben gekämpft wie verrückt und müssen dabei mit ihren 16 Jahren schon solche psychischen Belastungen aushalten."

Bei der Siegerehrung schlossen sich Jana Berezko-Marggrander und Laura Jung in die Arme. Es war nicht wirklich zu erkennen, wer diesen seltsamen Zweikampf gerade gewonnen hatte. Und Galina Krilenko sagte: "Ich bin froh, dass es vorbei ist."

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