Berlin - Die Chartermaschine steht bereit, auf den Linienflug will er nicht warten. Die Zeit drängt. Stefan Mappus sitzt im Berliner Kanzleramt in einer Reihe mit Kanzlerin Merkel und seinen CDU-Ministerpräsidentenkollegen, die wie er Atommeiler in ihren Ländern stehen haben - und ist durstig. Als Angela Merkel ihm Gelegenheit gibt, die Haltung der baden-württembergischen Landesregierung zum sogenannten Atom-Moratorium zu erklären, stellt er das Wasserglas schnell ab. Doch Mappus sagt nicht viel. Vier Sätze in etwa: "Ja, ich halte diesen Weg für explizit richtig. Das Wochenende von Japan war eine Zäsur; das ist eine emotionale Ausnahmesituation. Die Leute erwarten das jetzt von uns. Wir werden maximale Sicherheitsanforderungen demonstrieren."
Während seine Kollegen David McAllister (Niedersachsen), Peter Harry Carstensen (Schleswig-Holstein), Horst Seehofer (Bayern) und Volker Bouffier (Hessen) betonen, "nicht nur innehalten, sondern konkret handeln" zu wollen, setzt Mappus hier in Berlin noch auf Defensive. Bevor er zwei Stunden später im Stuttgarter Landtag verkündet, Neckarwestheim I vom Netz zu nehmen, muss der Atomkraftverfechter am Tisch mit Merkel den Eindruck widerlegen, umgefallen zu sein. "Das ist keine Kehrtwende", sagt er - und: "Das hat auch nichts mit der Landtagswahl zu tun." Schließlich: "Ich glaube, es ist die einzige Möglichkeit, es so zu machen, wie wir's machen." Inmitten des Atom-Schocks. So kurz vor der Wahl am 27.
Die Kanzlerin und Kollege Seehofer nehmen den Schwaben in Schutz: "Nach dem Atomdesaster von Japan geht es darum, die richtigen Konsequenzen für die deutschen Altmeiler zu ziehen", sagt sie. "Es ist angesichts der Opfer dort wurscht, was wer bei uns vor der Katastrophe gesagt hat", sagt der Bayer. Also: drei Monate Moratorium. Warum sich Bundes- und Landesregierungen nicht mehr Zeit nehmen, um umfassende Sicherheitsprüfungen der AKW durchzuführen, die Finanzierung der möglichen Nachrüstung zu klären, die Entsorgung von Kernmaterial in Deutschland zu sichern oder Folgen für Betreiber, Angestellte und Verbraucher zu klären? "Ob zwei oder drei Monate, wir wollten einen Zeitraum nennen", wiegelt Carstensen ab. "Es geht auch um aktienrechtliche Fragen", deutet Merkel an.