Atommeiler Leibstadt Schweizer Pannen-Reaktor soll ans Netz

Von Christoph Link 

Blick auf die Kirche von Dogern (Kreis Waldshut-Tiengen) und den Akw-Kühlturm Leibstadt Foto: dapd
Blick auf die Kirche von Dogern (Kreis Waldshut-Tiengen) und den Akw-Kühlturm LeibstadtFoto: dapd

Direkt an der deutschen Grenze wird das nach einer Panne abgeschaltete Atomkraftwerk Leibstadt in zwei Wochen wieder hochgefahren. Greenpeace ist besorgt: die Ursachenerforschung sei nicht abgeschlossen.

Stuttgart - Nur vier Kilometer von der Stadt Waldshut entfernt liegt jenseits der Grenze in der Schweiz das 1984 eröffnete Atomkraftwerk Leibstadt. Wie das Schweizer Fernsehen unter Berufung auf die Atomaufsichtsbehörde ENSI berichtete, soll das nach einer Panne vor einem halben Jahr abgeschaltete Atomkraftwerk in zwei Wochen wieder hochgefahren werden.

Im Jahr 2015 war es zu einer Oxidation – vergleichbar mit Rost – an den Hüllen von fast 50 Brennelementen im Kernkraftwerk gekommen. Dieser Befund weist daraufhin, dass die Kühlung dieser Brennelemente zeitweise außer Kraft gewesen sein muss und es zu einem sogenannten „dry out“ – einer Trockenlegung kam. In der Tat ist in einem Bericht des Kraftwerkbetreibers davon die Rede, dass „systemisch-kritische Siedezustände aufgefunden“ worden seien. Wie hoch die Temperaturen an den Hüllenrohren in diesen kritischen Phasen gewesen sind, das ist umstritten. Der kritische Nuklearexperte Klaus F. Stärk aus Baden sagte im Schweizer Fernsehen (SRF), er gehe von 900 Grad aus. Möglich sei, dass es zu einem Hüllenrohrleck gekommen sei. Der Betreiber des Akw Leibstadt geht bei den „Siedezuständen“ von allenfalls 600 Grad Maximaltemperatur aus, im Normalzustand sind es 400 Grad. Tritt ein GAU – ein „größter anzunehmender Unfall“ in einem Atommeiler auf – ist von 1200 Grad die Rede.

Betrieb künftig mit zehn Prozent weniger Leistung

Wie der Kraftwerksdirektor Andreas Pfeiffer dem SFR bestätigte, werde die Anlage mit zehn Prozent verminderter Leistung wieder hochgefahren. Die Ursachenanalyse für die Oxidation und Verfärbung der Brennelementehüllen sei noch nicht abgeschlossen, sie könne noch Monate oder ein Jahr dauern. Es gebe im übrigen keine Anlage, die ähnliche Befunde habe. Bei der Ursachenklärung ist auch die amerikanische Firma Westinghouse, die die Brennelementehüllen herstellte, eingeschaltet. Pfeiffer sagte, dass die Aufsichtsbehörden laufend über die Vorgänge im Kraftwerk informiert worden seien. An die Öffentlichkeit gehe man aber erst, wenn alle Untersuchungen abgeschlossen seien.

Die Umweltorganisation Greenpeace Schweiz hat vor dem Wiederhochfahren des Akw Leibstadt gewarnt. „Solange man im Dunkeln tappt, sollte eine Wiederinbetriebnahme nicht in Frage kommen“, sagt Florian Kasser von Greenpeace Schweiz. Das ENSI handele „sehr unvorsichtig“, denn das Problem von Leibstadt sei „weltweit einzigartig.“

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