Artikel weiterempfehlen Artikel drucken Artikel kommentieren

Assange Haftbefehl gegen Wikileaks-Gründer

Von André Anwar , vom 19.11.2010 07:55 Uhr

Stockholm - Es wird eng für den weltweit gefeierten und gehassten Kämpfer für Transparenz und Gerechtigkeit im Internet. Wikileaks-Gründer Julian Assange, der in seinem Internet-Forum unter anderem geheime US-Militärdokumente über den Irakkrieg der Weltöffentlichkeit zugänglich machte, könnte ein kurzer Besuch in Schweden zum großen Verhängnis werden.

Die Staatsanwaltschaft beschuldigt Assange der Vergewaltigung, sexuellen Belästigung und Nötigung. Ein Gericht in Stockholm hat am Donnerstag zum zweiten Mal Haftbefehl gegen den Australier erlassen. Die leitende Staatsanwältin Marianne Ny erklärte, der Beschuldigte habe bislang nicht zu den Ermittlungen ausgesagt. Er scheint spurlos verschwunden. Nun wolle man ihn zur internationalen Fahndung ausschreiben.

Die Polizei hatte die Ermittlungen gegen Assange Anfang August aufgenommen. Die Anschuldigungen zweier Frauen aus Stockholm und der rund 20000-Einwohner-Gemeinde Enköping kamen vier Wochen nach der Veröffentlichung von brisanten Geheimdokumenten über den Afghanistankrieg auf der Plattform Wikileaks.

Assange weist Vorwürfe zurück

Assange wies die Vorwürfe umgehend zurück und erklärte, dass sie gerade jetzt erhoben würden, sei "zutiefst beunruhigend". Er deutete an, dass sie aus Reihen des Pentagons kommen könnten. Sein Internet-Forum ist eine Art toter Briefkasten, über den geheime Informationen aus Regierungen und Organisationen anonym veröffentlicht werden können.

Assanges Anwalt, Mark Stephen, sagte, beide Frauen hätten zunächst erklärt, einvernehmlichen Geschlechtsverkehr mit Assange gehabt zu haben, und erst später ihre Aussage geändert. Tatsächlich wurde der erste Haftbefehl innerhalb eines Tages zurückgezogen. Seitdem wechselte die Zuständigkeit zwischen drei Staatsanwältinnen, die die Verdachtsmomente gegen Assange jeweils unterschiedlich bewerteten.

Sein Anwalt gibt an, sein Mandant habe mehrfach signalisiert, für Befragungen zur Verfügung zu stehen, bevor er Schweden verlassen habe. Später habe er das Angebot von Großbritannien aus wiederholt. Der 39-Jährige habe angeboten, seine Aussagen persönlich oder per Telefon, Videokonferenzschaltung, E-Mail oder eidesstattlicher Erklärung zu machen. Doch sein Angebot sei von der schwedischen Staatsanwältin abgelehnt worden.

Drakonische Gesetzgebung

Gerade im überdurchschnittlich emanzipierten und durch breite Teile der Gesellschaft feministisch geprägten Schweden gilt die Gesetzgebung bei Vergewaltigungen als besonders drakonisch. Die Grenzen werden deutlich feiner angesetzt als in anderen EU-Ländern.

Den mutmaßlichen Opfern wird häufig viel rechtsstaatliches Entgegenkommen bei der Beweislage geschenkt. Ein bekannter Verteidiger beklagte vor einigen Jahren in einem Leitartikel der überregionalen Zeitung "Svenska Dagbladet" die Rechtsunsicherheit für junge Männer. Tatsächlich gibt es auch dokumentierte Fälle, in denen Männer in Schweden zu Unrecht wegen Vergewaltigung zu mehreren Jahren Haft verurteilt wurden.

Kommentare (2)
» Kommentarregeln
  • Kommentare anzeigen
Anzeigen
NOV
19
13:42 Uhr, geschrieben von M.Gambert
CIA lässt grüßen
Das ist für mich eine ziemlich abgekartete Geschichte das wäre nicht das erste Mal das sich der amerik, Geheimdienst hier wieder unrühmlich hervortut. Das hat ein Geschäckle wenn ihnen nichts mehr einfällt dann so was. Habe ich schon mal gehört. So kann man sich auch seiner Gegner entledigen. Ist noch humaner als Fenstersturz vom Hochhaus oder Flugzeugabsturz oder Verkehrsunfall oder Polonium. Warunm ausgerechnet jetzt der Vorfall ist bestimmt eine alte Geschichte und war etwas anders als in den Medien dargestellt.
NOV
19
12:58 Uhr, geschrieben von Luchs
Haftbefehl gegen Wikileaks-Gründer
Wieder eunmal ein Fall, in dem man eine unbequeme Stimme zum Schweigen bringen will. Für die nötigen Beweismittel wird die CIA schon sorgen.
Magere Zeiten für Hungerhaken
[Kommentare 1] Die „Vogue“ will auf Magermodels verzichten, doch Designer setzen weiter auf Kleidergröße null.
Neue Mängel: An den Kontrollen droht das große Chaos
[Kommentare 5] Schlampige Planung beim Hauptstadtflughafen: Im Check-in-Bereich ist zu wenig Platz.

 

Anzeige
Nachrichtenticker
06:12   17-Jähriger verursacht betrunken Unfall - 52-Jähriger stirbt
06:04   Einspruch beim DFB - Hertha will Wiederholungsspiel
04:58   Interimsregierung in Athen wird vereidigt
04:46   Katholikentag nimmt inhaltliche Arbeit auf
04:28   In CDU rührt sich Kritik an Entlassung Röttgens
1   2   3   4   5   6   7   weiter
» aktualisieren
Video
Interaktiv
  • Umfrage
Fortuna Düsseldorf - Hertha BSC

Fans randalierten nach dem Abstieg des KSC, in Düsseldorf brach kurz vor Abpfiff das Chaos aus. Was sollte man dagegen tun?  

 
Die Einsatzkräfte sollten härter durchgreifen
Platzsperren und Geldstrafen für die Vereine
Nichts! Relegation ist emotionaler Ausnahmezustand
 
(Ergebnis anzeigen)
 
  • Facebook
  • Foren
  • Twitter
Anzeige
Eine große Auswahl edler und günstiger Partnerringe aus Edelstahl finden Sie bei 123traumringe
 
 
Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.
ePaper
 
Für Abonnenten
Für Kaufinteressenten
» Abonnement
» StN Digital
» Einzelexemplar
» Infos
» Preise