Asbest-Krise bei der AVL Das Vertrauen ist verloren

Von Markus Klohr 

Rundgang mit Folgen: wie viele solche beschädigten Plastikpäckchen (mutmaßlich mit Asbest gefüllt) hat die AVL übersehen? Foto: factum/Archiv
Rundgang mit Folgen: wie viele solche beschädigten Plastikpäckchen (mutmaßlich mit Asbest gefüllt) hat die AVL übersehen? Foto: factum/Archiv

Die Kreis-Tochter AVL steckt in ihrer größten Krise seit dem Müllskandal in den 90ern. Wie es dem Landrat gelingen soll, die Scherben zu kitten, steht noch in den Sternen.

Deponie-Krise - Wie gefährlich sind eigentlich die Reststoffe aus Atomanlagen, wenn sie auf Mülldeponien landen? Diese ganz elementare Frage gerät in der hitzigen Debatte, die zurzeit in Schwieberdingen tobt, zusehends in den Hintergrund. Schon vor zehn Jahren bot die Kreis-Abfallentsorgung AVL ihre Deponnien als Versuchsobjekte für die Ablagerung von Bauschutt solcher Anlagen an. Dass die AVL-Spitze es versäumt hat, die Öffentlichkeit zu informieren und dass niemand es für nötig erachtete, wenigstens den Landrat darüber aufzuklären, ist eigentlich schon problematisch genug.

Doch das Desaster ist bereits viel größer. Die Nachricht, dass der Rückbau des Kernkraftwerks in Neckarwestheim den Kreisdeponien weitere 3300 Tonnen dieser Reststoffe bescheren wird, ist noch nicht alt, da tauchen die nächsten Vorwürfe auf: Allem Anschein nach hat es die AVL zumindest auf der Schwieberdinger Deponie nicht immer so genau genommen mit der Ablagerung von Asbest. Dass dies von einer Bürgerinitiative aufgedeckt wurde, zeigt, wie wichtig so ein bürgerschaftliches Engagement sein kann, wenn es sachlich und konstruktiv ist.

Gesundheitsgefahren? Längst kein Thema mehr!

Sowohl bei den atomaren Reststoffen als auch beim Asbest geht es nur noch in zweiter Linie um das Thema Gesundheitsgefährdung. Es geht schlicht um ein Fiasko in Sachen Öffentlichkeitsarbeit. Man muss nicht übertreiben, um zu sagen: die AVL steckt in ihrer größten Krise seit dem Müllskandal in den 90er Jahren. Entsprechend hektisch erscheinen die ersten Konsequenzen, die der Landrat Haas als Aufsichtsratschef zieht. Die Versetzung des Schwieberdinger Deponieleiters klingt zunächst logisch, wirkt bei näherer Betrachtung aber wie ein simples Bauernopfer. Die Asbest-Anlieferung soll gestoppt werden – das ist den Schwieberdingern Recht, dürfte bei manchem aber auch als eine Art Schuldeingeständnis gewertet werden.

Geht es auch um persönliche Animositäten?

Und wie verfährt Haas mit seinem Stellvertreter? Formal ist der Vizelandrat Utz Remlinger unkündbar, faktisch dürfte sich für Haas ein Weg finden, ihn loszuwerden. Tatsächlich hat Remlinger bei den atomaren Reststoffen höchst ungeschickt agiert. Es ist schlicht unklug, solche Ablagerungen zu verschweigen. Allein: sein Vorgänger, der heutige Landrat im Kreis Karlsruhe, Christoph Schnaudigel, ist genauso verfahren. Für Außenstehende ist zudem schwer verständlich, warum Remlinger an diesen Dingen angeblich so große Schuld trifft. Müsste der Technische Leiter der AVL, Albrecht Tschackert, nicht mindestens genauso tief in der Materie stecken und in Sachen Asbest sogar wesentlich näher am Problem sein als der reine Verwaltungsmann Remlinger? Es scheint auch um persönliche Animositäten zu gehen.

Haas macht das Kitten der Schwieberdinger Scherben zur Chefsache. Man kann ihm dabei nur viel Glück wünschen – und dass auf der Deponie in Vaihingen nicht auch noch Probleme auftauchen . . .

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