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Region Quartett pokert um den Möbelmarkt

Sascha Schmierer und Dirk Herrmann, vom 08.02.2010 19:30 Uhr
Der Möbelmarkt Rieger Foto: Piechowski
Der Möbelmarkt Rieger Foto: Piechowski

Stuttgart - Der Konkurrenzkampf im Möbelhandel hat eine neue Stufe erreicht: Regionale Anbieter wie die Hofmeister-Brüder aus Bietigheim oder der Göppinger Möbel-Rieger machen mit millionenschweren Bauplänen von sich reden, Traditionshäuser wie Gamerdinger in Böblingen werden von Wettbewerbern geschluckt.

Wachsen oder weichen - wenn man so will, teilt derzeit ein Quartett von großen Einrichtungshäusern den Möbelmarkt in der Region unter sich auf. Unter blau-gelber Flagge lockt der schwedische Ikea-Konzern längst nicht mehr nur Kundschaft mit schmalem Geldbeutel in seine beiden Einrichtungshäuser in Ludwigsburg und Sindelfingen, die für 35 Millionen Euro erweiterte Ludwigsburger Niederlassung gehört zu den bundesweit umsatzstärksten der international tätigen Möbelhaus-Kette.

Der Göppinger Franz Rieger hat bereits vor zwei Jahren mehr als 50 Millionen Euro in die Hand genommen, um sein Stammhaus im Filstal mit einer 36500 Quadratmeter großen Filiale bei Esslingen zu ergänzen. Mit ihrer futuristisch anmutenden Fassade zielt die Wohnwelt an der B 10 bewusst aufs Stuttgarter Publikum ab - ebenso wie der Einkaufskomplex, den die Bietigheimer Hofmeister-Brüder in Sindelfingen aus dem Boden stampfen wollen. Bis zum Jahr 2013 sollen auf dem früheren Sütex-Areal in unmittelbarer Nähe zum Breuningerland rund 50000 Quadratmeter Verkaufsfläche entstehen, etwa 400 Arbeitsplätze will das Familienunternehmen mit dem 50-Millionen-Euro-Projekt schaffen.

Ohnehin befindet sich Hofmeister in der Region auf Expansionskurs: Um die eigene Position zu festigen, haben die Bietigheimer vor zwei Jahren das Leonberger Möbelhaus Höffner übernommen, das neue Hochregallager in Bietigheim ließ Frank Hofmeister mit Blick auf die Wachstumsstrategie gleich ein wenig großzügiger errichten. Sindelfingen wäre der bereits dritte Stützpfeiler des regionalen Möbel-Giganten, Hofmeister hätte mit dem neuen Standort fast 130000 Quadratmeter Verkaufsfläche zu bieten.

Für den jüngsten Paukenschlag auf dem Möbelmarkt sorgte freilich die aus Österreich stammende Lutz-Gruppe. Der mit einem roten Stuhl im XXXL-Format für sich werbende Konzern betreibt vor allem im süddeutschen Raum bereits 26 große Einrichtungshäuser und nimmt nun auch den Böblinger Familienbetrieb Gamerdinger unter seine Fittiche. Erst vor fünf Jahren hatte das aus einer kleinen Schreinerei entwachsene Traditionshaus massiv investiert und das Möbelhaus von 20000 auf 42 000 Quadratmeter Verkaufsfläche erweitert.

Durch den gemeinsamen Einkauf mit 190 anderen Möbelhändlern rühmte sich Gamerdinger für besonders günstige Preise. Doch durch den steigenden Konkurrenzdruck in der Branche reichte das offensichtlich nicht mehr. "Der Möbelmarkt befindet sich bundesweit im Prozess der Umstrukturierung. Es bilden sich große Ketten, die dem Einzelunternehmer durch einen stärkeren Werbeauftritt und bessere Preiskonditionen überlegen sind", erklärt Helmuth Götz, der Sprecher der XXXL-Gruppe, die den Erhalt der 300 Arbeitsplätze versprochen hat. Von Möbel-Gamerdinger selbst war am Montag keine Stellungnahme zu erhalten.

Der österreichische Möbelkonzern sieht in der Übernahme des Böblinger Betriebs eine "sinnvolle Ergänzung zu den bereits vorhandenen Möbelhäusern" in der Region. In Ludwigsburg ist Lutz bereits seit Jahren mit Mann Mobilia vertreten, in Fellbach erweitert der Konzern das Einrichtungshaus Siegle auf fast die doppelte Verkaufsfläche. Statt der bestehenden 15950 Quadratmeter sollen die Kunden von Frühjahr 2011 an 28300 Quadratmeter zum Einkaufsbummel haben. Um den Bau zu realisieren hat Lutz zwei leer stehende Firmengebäude gekauft, nämlich Sony und den Axa-Komplex. Derzeit sind Bagger am Werk, die Zahl der Parkplätze wird von 250 auf 600 aufgestockt.

Nur die Landeshauptstadt selbst glänzt als weißer Fleck auf der Möbelhaus-Landkarte - seit Möbel Mammut Beck dicht gemacht hat, fehlt in Stuttgart großflächiger Möbelhandel. "Das wird zumindest mittelfristig auch so bleiben", vermutet Martin Eisenmann von der IHK. Weil die Distanzen nicht groß seien, würden Stuttgarter zum Möbelkauf eben ins Umland fahren - und dort weitere Wachstumswünsche wecken.

 

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