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Baukosten Ominöses Gutachten zu Stuttgart 21

Konstantin Schwarz, vom 04.03.2010 10:15 Uhr
 Foto: AP
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Stuttgart - Die Bahn-Projekte Stuttgart21 und Neubaustrecke Wendlingen-Ulm könnten zusammen nicht nur 6,2, sondern 11,5 Milliarden Euro kosten. Diese Zahl nennt angeblich ein Gutachten Schweizer Tunnelbau-Ingenieure.

"Kollegen von uns durften in das Gutachten von Spezialisten blicken", berichtet der Internet-Dienst Ferpress. Der Dienst, der ansonsten hauptsächlich über Entwicklungen auf dem Modelleisenbahn-Markt berichtet, setzt sich kritisch mit dem Neubau der Bahn-Infrastruktur in Stuttgart auseinander. Für den neuen Tiefbahnhof samt Strecke Feuerbach-Wendlingen wurden von der Bahn im Dezember 4,1 und für die weitere Strecke bis Ulm 2,1 Milliarden Euro Baukosten genannt. Letztere werden allerdings noch aktualisiert.

Er habe in einem Schweizer Anwaltsbüro einen Blick in die 160 Seiten starke Expertise werfen dürfen, sagte ein Mitglied des Ferpress-Vorstands am Mittwoch auf Anfrage. Die Ersteller, "honorige Leute", verlangten für das noch unveröffentlichte Papier eine erhebliche Aufwandsentschädigung. Das ominöse Gutachten solle "noch zur rechten Zeit der Allgemeinheit zur Kenntnis gebracht werden", heißt es bei Ferpress.

Bahn kritisiert "Frontal 21"-Bericht

Zahlen, die lange bekannt sind und ebenfalls weit über den von der Bahn genannten Kostenannahmen liegen, verbreitete am Dienstag das ZDF-Magazin "Frontal 21". Die Reporter konfrontierten unter dem Titel "Milliardenloch im Schwabenland" Bahn-Chef Rüdiger Grube und OB Wolfgang Schuster mit Aussagen des Bundesrechnungshofes von 2008. Die Behörde sieht Stuttgart 21 bei 5,3, die Strecke bei 3,2 Milliarden Euro. Grube und Schuster reagierten vor der Kamera ungelenk. Der Bahn-Chef, seit Mitte 2009 im Amt, kannte die Zahlen nicht. Sein Unternehmen hatte aber 2008 dazu Stellung bezogen. Schuster wiegelt ab und riet, den Bund zu befragen.

Am Mittwoch reagierte die Bahn mit einer Pressemitteilung auf "Frontal". Im ZDF waren auch Verschwörungstheorien der Stuttgart-21-Gegner referiert worden. "Offenbar liegen der Redaktion die populistischen Positionen näher als der sorgfältige Umgang mit aktuellen Informationen", so der Bahn-Konzern. Viele Aussagen seien schlicht falsch, öffentlich zugängliches Zahlenmaterial sei ignoriert worden. Zum Bericht des Rechnungshofes, der an den Haushaltsausschuss des Bundestages ging, nehme man keine Stellung.

Korrigiert hat die Bahn die Behauptung, der Nordflügel des alten Bonatz-Bahnhofs werde am 11. Mai abgerissen. Den Termin hatte die Grünen-Kreisvorsitzende Irmela Neipp-Gereke bei einer Demo am Montag genannt. Der Abriss werde im zweiten Halbjahr 2010 erfolgen, hieß es im Stuttgart-21-Sprecherbüro von Wolfgang Drexler.

Kommentare (22)
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MRZ
22
20:17 Uhr, geschrieben von Thomas M.
Ominös
Ominos finde ich, wie mit einem Großprojekt begonnen werden kann, * wenn noch immer unklar ist, wie die ganze Streckenführung im Filderbereich aussehen soll und noch immer keine Ausnahmeausnahmegenehmigung für die Nutzung der S-Bahn-Tunnels für die Fernzüge erteilt wurde, und dies sogar sehr unwahrscheinlich ist * wenn noch immer keine Genehmigung für die Halbierung der Tunnelwandstärken vorliegt * wenn noch immer unklar ist, ob bzw. wann die Neubaustrecke gebaut wird, von der S21 ja zu 100 % angängig ist, weil die NBS ja gerade neu berechnet und auch bezüglich ihrer Dringlichkeit und Notwendigkeit vom Bund neu bewertet wird.
MRZ
22
20:12 Uhr, geschrieben von Stuttgarter
Gewollt irreführende Visualisierungen und Modelle
Mich stört es auch ganz erheblich, dass die StN noch immer völlig irreführende und schlichtweg falsche Darstellungen zum Tiefbahnhof publiziert. Das Fehlen der Verteilerebenen und von Rolltreppen und Bänken suggeriert ein hinreichendes Platzangebot in dieser Röhre. Lustig auch, dass auf dem Dach entweder stets grüne Bäume, oder wie hier, gleich ganze Menschenmassen zu finden sind. Was tun die dort auf dem Dach? Picknicken? Die absolute Irreführung in dem hier abgebildeten Modell wurde jedoch noch gar nicht erwähnt: Die Tunnels scheinen die dreifache Höhe der Züge zu haben. Das ist einfach unseriös und entbehrt jeglicher realen Grundlage. @ StN Online Redaktion, bitte achten Sie darauf und verwenden Sie originalgetreuere Darstellungen, oder, wenn es keine von Seiten der Bahn gibt, eben einfach gar keine. Kleiner Tipp: Das Fraunhofer Institut hat ebenfalls Visualisierungen erstellt.
MRZ
18
11:53 Uhr, geschrieben von M.Braun
Peinliches Bild!
Ich kann meinem Vorredner nur zustimmen, es ist peinlich und symptomatisch zugleich dass eine Stuttgarter Zeitung Bilder veröffentlicht die in ein vorzeitliches Projekt-Stadium gehören. Durch die fehlende Zubringer-Ebene ist es auch völlig unrealistisch. In Anbetracht der vielen Mythen die sich innerhalb der immer noch schlecht informierten Mehrheit der Stuttgarter Bürger um Stuttgart 21 ranken kann man da nur mit dem Kopf schütteln. Ist das bis Heute nicht aufgefallen oder warum korrigieren Sie das Bild nicht? Auf der anderen Seite ist es auch ein Zeichen dafür wie unausgegoren dieses Projekt ist. Der heutige Artikel bzgl. der Tunnel am Filder-Bahnhof ist ein weiteres Puzzle-Stück im bröckelnden Ölgemälde der Stuttgart 21 - Hardliner. Das Projekt wird für diese Personen ein persönliches und politisches Fiasko. Wer bewegt sich zuerst?
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