Fünf von 20 Bienenvölkern hat Jürgen Kranich über den Winter verloren. Das sei zu verkraften, findet der Vorsitzende des Bezirksbienenzüchter-Vereins Marbach. Schließlich hätten andere Kollegen im Bottwartal weit größere Verluste zu verschmerzen: "Bei einigen Imkern gab es regelrechte Komplettausfälle", erzählt er. Allerdings sei das nicht nur auf den harten Winter zurückzuführen, so Kranich. Sondern vor allem die gefürchtete Varroa-Milbe, die die Bienen schwächt und Viren überträgt, habe den Tieren zugesetzt. Indirekt sei der lange Winter insbesondere deshalb ein Problem für die Insekten, weil die Bienen erst jetzt damit beginnen können, ihre Populationen aufzubauen. Er hofft deshalb, dass vorerst zumindest die Nächte noch kühl bleiben, damit nicht alles auf einmal blüht. "Es wäre gut, wenn die Bienen noch ein bis zwei Wochen Zeit hätten, um sich zu vermehren und kräftiger zu werden", sagt der Bienenzüchter. Schließlich reduziert sich die Population von bis zu 50 000 Bienen im Sommer auf etwa 5000 Tiere, die gemeinsam überwintern. Zwar lege eine Königin etwa 2000 Eier am Tag, aber bis die Insekten schlüpfen, dauere es 21 Tage.
Auch wenn der Verlust der Bienenvölker laut Jürgen Kranich auf die Bestäubung der Pflanzen im Bottwartal wohl keinen Einfluss haben wird, treibt er den Vereinsvorsitzenden um. Denn wer seinen gesamten Bestand verloren hat, muss nun Bienenvölker zukaufen. Weil die Ausfälle aber bundesweit mit 20 bis 30 Prozent doppelt so hoch waren wie sonst, sind die Tiere derzeit teuer. "Für ein Bienenvolk muss man etwa 100 bis 150 Euro rechnen", berichtet der Imker - 2009 habe man dafür lediglich etwa 80 Euro gezahlt. Kranich befürchtet, dass nur wenige Bienenzüchter bereit sind, viel in die Imkerei zu investieren. Denn die Bienenhaltung sei für die meisten nur ein Hobby. Und die Zahl der Imker sei beispielsweise in Großbottwar von früher zehn auf nur noch drei gesunken.
Der Rückgang der Zahl der Imker ist für den Großbottwarer durchaus besorgniserregend. Zumal sich nur wenige junge Leute dafür interessierten, wie Jürgen Kranich bedauert. Derzeit hat der Bezirksbienenzüchter-Verein Marbach 60 Mitglieder, die insgesamt 328 Bienenvölker besitzen, der Altersdurchschnitt liegt bei 60 Jahren. "Und den haben wir schon gedrückt", berichtet der Vereinsvorsitzende. Vor zehn Jahren seien die Mitglieder noch durchschnittlich 70 Jahre alt gewesen. "Mein Wunsch wäre, noch mehr Jüngere für die Imkerei begeistern zu können", sagt der Bienenzüchter. Allerdings ist ihm auch bewusst, dass das ein relativ kostspieliges Hobby ist: Eine Honigschleuder koste allein schon bis zu 3000 Euro.
Dabei interessierten sich auch immer mehr Landwirte für die Imker. "Ich kenne einige Bauern, die wollen, dass ich meine Bienen auf ihr Feld oder in die Obstwiese stelle", berichtet Kranich. Denn durch die stärkere Bestäubung der Pflanzen steige der Ertrag teilweise um bis zu 25 Prozent. Allerdings müsse man sich gut absprechen. Schließlich dürften beispielsweise keine Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, wenn aus den Blütenpollen später Honig hergestellt wird.
Nun hofft Jürgen Kranich aber erstmal, dass seine eigene Ernte ein wenig üppiger ausfällt als im vergangenen Jahr - zumal der Honigpreis wegen des geringen Angebots angezogen hat. "Ich bin so gut wie ausverkauft", berichtet der Imker. Er ist jedoch optimistisch: "Es sieht bisher ganz gut aus", findet er. Allerdings könne auch noch einiges schief gehen. Ein schwülwarmer Sommer mit nicht allzu kräftigen Gewittern wäre am besten für die Honigproduktion, erklärt der Bienenexperte. "Das ist nur für uns Menschen etwas unangenehm", räumt er ein. Siehe Nachgefragt