Die Bauzäune stehen schon und die ersten Container für den Schutt ebenfalls, die Vorarbeiten sind gemacht - am Montag kommt die Abrissbirne. In den kommenden fünf Wochen werden große Teile der Tagungs- und Bildungsstätte Bernhäuser Forst dem Erdboden gleich gemacht, um Platz für Neues zu schaffen: ein Gebäude mit zwei Veranstaltungssälen, Foyer, mehreren Tagungsräumen und einer neuen Küche.
7,7 Millionen Euro investiert die Evangelische Landeskirche, der die Grundstücke gehören, in das Großprojekt. Ende 2010 soll der Rohbau fertig sein, im September 2011 schließlich das gesamte Areal. "Es ist der letzte Abschnitt eines sehr langen Prozesses", sagt Marcus Witzke, Geschäftsführer des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg (EJW), das die Anlage betreibt. Die anderen Gebäude wurden bereits saniert, zuletzt im Jahr 2002 der Übernachtungsbereich.
Der Bernhäuser Forst ist die zentrale Tagungs- und Bildungsstätte des Evangelischen Jugendwerks - mit 15 000 Übernachtungen und mehr als 6000 Tagesgästen pro Jahr. Das Spektrum der Bildungsangebote ist breit gefächert, neben der evangelischen Kirche greifen auch Firmen oder Verbände häufig auf die Veranstaltungsräume zurück. Haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter in der evangelischen Jugendarbeit werden hier ausgebildet, Journalisten nutzen die Räume für Seminare, ebenso Hebammen oder etwa der Verband der Lactoseberater. "Wir haben uns eine gute Marktposition erarbeitet", sagt Hausleiterin Esther Bobinger. "Und wir schreiben seit Jahren schwarze Zahlen, was nicht selbstverständlich ist", fügt Witzke hinzu.
Der Neubau soll ein Baustein zur weiteren "Auslastungsoptimierung" sein. Bislang fehlte vor allem ein Foyer, was große Tagungen mit mehr als 400 Teilnehmern erheblich erschwerte. In Zukunft soll die Anordnung der Säle mehr Flexibilität bei der Planung von Tagesveranstaltungen ermöglichen.
Grundsteinlegung für das Ensemble im Bernhäuser Forst war im Jahr 1967. Seither haben sich zahlreiche gesetzliche Vorschriften geändert, die Anforderungen an den Brandschutz etwa, an die Hygiene in der Küche oder den Schall- und Wärmeschutz. Zudem wurden damals Baumaterialien verwendet, die inzwischen nicht mehr zugelassen sind. Vor diesem Hintergrund entschied sich die Landeskirche gegen eine aufwendige Sanierung und für den kompletten Neubau.
Auffälligstes Merkmal des Entwurfs: Das Gebäude erhält ein geschwungenes Dach und ähnelt damit in seiner Form einem Fisch, dem Urzeichen aller Christen. Die Außenfassade wird mit Holz vertäfelt und die Dachfläche begrünt, darunter befinden sich der große und kleine Veranstaltungssaal mit einer Kapazität von bis zu 500 Plätzen, vier Tagungsräume, Atrium und Foyer.
Der Tagungsbetrieb soll in der Bauphase eingeschränkt weitergehen, es wird eine Interimsküche und ein provisorischer Speisesaal eingerichtet. Die Bauarbeiten haben zudem Auswirkungen auf die Ferienfreizeit im Waldheim. Wegen der Baustelle können weniger Kinder teilnehmen als früher, zudem muss eine Cateringfirma das Mittagessen liefern. Die dadurch anfallenden zusätzlichen Kosten geben die Veranstalter zum Teil an die Eltern weiter.