Von ewiger Jugend haben schon die alten Griechen geträumt. Der Wunsch nach einem langen und gesunden Leben ist also nicht neu. Relativ neu hingegen ist die Vermutung, dass bestimmte menschliche Gene etwas damit zu tun haben, ob man gesund altert.
Genau dieser Frage geht die Marbacherin Melanie Glocke gerade nach. Seit vier Jahren studiert sie in Tübingen Medizin. Ihre Doktorarbeit dreht sich um das Thema Langlebigkeit. Seit eineinhalb Jahren besucht die Studentin deshalb rüstige Senioren, die schon mehr als 90 Jahre alt sind. Melanie Glocke befragt sie zu ihrer Krankengeschichte, misst ihren Blutdruck und die Handkraft, macht einen Hörtest und nimmt etwas Blut ab.
Aus dem Blut werden im Labor die Gene der einzelnen Probanden ermittelt. "Ich schaue dann, ob sich die Gene zu denen der Personen unterscheiden, die nicht so alt werden", erklärt die Studentin. "Der Sinn meiner Arbeit ist, dass man im idealsten Falle einen Zusammenhang zwischen den Genen und einem gesunden Altern sieht." Heißt: "So könnte man eventuell bei denjenigen besser vorsorgen, die diesen Vorteil nicht haben."
Der 24-Jährigen ist bewusst, dass viele Menschen gerade das Untersuchen der Gene mit Skepsis betrachten. Deshalb betont sie auch gleich, dass "nichts verändert" wird und alles anonym bleibt. 70 Freiwillige hat sie bereits getestet. 100 sollen es im Rahmen ihrer Doktorarbeit letztlich sein. Um ihre Probanden zu finden, hat Melanie Glocke viele Briefe geschrieben, Telefonate geführt und Altenheime besucht. Ihr Vorhaben bezeichnet sie deshalb als "ganz schön aufwändig". Aber: "Es ist toll diese Leute zu treffen", erzählt sie. "Man bekommt ein ganz neues Bild vom Alter." Zwischen manchen Senioren und der Studentin sind durch ihre Doktorarbeit sogar Freundschaften entstanden. "Erst vor ein paar Tagen hat mich eine Probandin wieder angerufen. Sie ist 101 Jahre alt und lebt noch selbstständig zuhause." Melanie Glockes Augen leuchten, wenn sie von den Begegnungen berichtet. "Ich bin begeistert von den Menschen", sagt sie. "Sie sind älter als 90 und noch so fit." Einmal dachte sie, es handele sich bei einer Seniorin nicht um die Probandin, sondern um deren Tochter.
Eine Beobachtung hat die Studentin, die in Marbach aufgewachsen ist und am Friedrich-Schiller-Gymnasium ihr Abitur bestanden hat, bereits gemacht: Die rüstigen Senioren, mit denen sie arbeitet, haben meist ein Hobby, in dem sie aufgehen. Es sind also nicht nur die Gene dafür verantwortlich, dass ein Mensch lange gesund bleibt.
Melanie Glocke sucht noch Freiwillige, die sich im Rahmen ihrer Doktorarbeit untersuchen lassen. Die Probanden müssen älter als 90 Jahre alt sein. Die Studentin besucht die Senioren zuhause. Wer Interesse hat, kann sich unter der Telefonnummer 01 77 / 5 72 36 07 bei ihr melden.