Stuttgart - Den Schornsteinfegern winken lukrative Zusatzverdienste: Der Energiekonzern EnBW zahlt den Kontrolleuren für jeden neuen Vertrag mit einem Erdgaskunden 60 Euro Netto-Provision. Verbraucherschützer kritisieren das Modell scharf; die Staatsanwaltschaft will den "Anfangsverdacht" auf Korruption prüfen.
Bei Bezirksschornsteinfeger Hans Schwarz (Name geändert) steckte vor kurzem ein dicker Umschlag im Briefkasten. Absender ist die EnBW Gas GmbH. Sie schlägt Schwarz ein lukratives Geschäft vor: "Empfehlen Sie ihren Kunden die attraktiven Erdgas-Produkte der EnBW und sichern sich für jeden neuen Vertragsabschluss 60 Euro (netto) Provision", heißt es in dem Marketingmaterial. Der Kunde müsse nur erstmalig Erdgas beziehen und im Gasversorgungsgebiet der Energie Baden-Würrtemberg (EnBW) zwischen Nordschwarzwald, Region Stuttgart und Hohenlohe leben.
"Ich halte das Angebot für sehr anrüchig", sagt Schwarz. Im Rahmen seiner "hoheitlichen Aufgaben" als Schornsteinfeger müssten ihm schließlich 3000 Haushalte für die Überwachung von Heizung, Schornstein und Lüftung freien Zugang gewähren. "Ich bin wie eine Amtsperson", sagt Schwarz. "Wenn ich da nebenher als Werber für die EnBW aktiv bin und damit Geld verdiene, ist das sehr kritisch." Der Schornsteinfeger hat das EnBW-Angebot abgelehnt und unserer Zeitung zur Recherche übergeben.
"Aus Sicht des Verbraucherschutzes gibt es nur zwei Möglichkeiten", stellt Peter Hauk (CDU) fest: "Solange das Schornsteinfegerwesen nicht privatisiert ist, sind derartige Beratungen nicht tolerierbar." Die Privatisierung ist gesetzlich festgelegt für den 1.Januar 2013. Erst dann könnten Schornsteinfeger "private Beratungen in anderen Bereichen übernehmen", meint der baden-württembergische Verbraucherschutzminister und neue Fraktionschef im Landtag.
"Die Schornsteinfeger lassen sich instrumentalisieren und stellen ihre Unabhängigkeit infrage", urteilt Eckhard Benner von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg: "Für 60 Euro Provision werden aus Beratungs- rasch Verkaufsgespräche." In dem EnBW-Material für die Schornsteinfeger heißt es wörtlich: "Kunden überzeugen zahlt sich aus!" Das liest sich in der Imagebroschüre des Bundesverbands des Schornsteinfegerhandwerks ganz anders: Da wird der Schornsteinfeger als "neutraler, unabhängiger Berater" vorgestellt, der die Bürger unter anderem "unvoreingenommen und umfassend" zu Energiekosten berät.
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