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Der Maschinenbau setzt auf Ökostrom

"Stuttgarter Nachrichten", vom 06.04.2010 04:32 Uhr
Der Ausbau der erneuerbaren Energien spaltet Deutschland. Befürworter glauben, bald das ganze Land mit Strom aus Sonne, Wind und Wasser versorgen zu können. Kritiker rechnen enorme Kosten dagegen. Mit einer neuen Studie mischt sich jetzt der Maschinenbauverband VDMA in die Debatte ein.

Von Walther Rosenberger

STUTTGART/FRANKFURT. Wenn es derzeit so etwas wie Licht und Schatten innerhalb einer Branche in Deutschland gibt, dann im Maschinenbau. Einerseits sind da die klassischen Hersteller von Werkzeugen und Maschinen. Sie traf die Krise knüppeldick. Fast eineinhalb Jahre lang sind die Bestellungen bei den stark exportorientierten Firmen Monat für Monat gesunken. Um 25 Prozent brachen die Umsätze allein im Krisenjahr 2009 im Durchschnitt ein. 34 000 Jobs fielen dem bisher zum Opfer. Erst jetzt ziehen die Aufträge wieder langsam an.

Auf der anderen Seite sind all jene Unternehmen, die im Energiebereich tätig sind. Dazu gehören klassische Kraftwerkbauer, besonders aber Firmen, die sich ein grünes Label anheften könnten. Sie produzieren etwa Wasserkraftanlagen und Windräder oder beschäftigen sich mit Themen wie ressourcenschonender Produktion oder Energieeffizienz. Trotz der Krise stehen sie gut da. Hersteller von Wasserkraftwerken konnten etwa - diametral zum Trend in der Gesamtbranche - auch während der vergangenen zwölf Monate ein Umsatzplus von rund 30 Prozent verzeichnen. Windanlagenbauer, die aufgrund der sinkenden Nachfrage aus den USA kurzzeitig ebenfalls von der Auftragsflaute erwischt wurden, rechnen für dieses Jahr schon wieder mit zweistelligen Umsatzzuwächsen.

Ohne Zweifel: Der Energiesektor und insbesondere die erneuerbaren Energien sind zu einem Anker geworden, ohne den das rund 920 000 Mitarbeiter zählende Dickschiff Maschinenbau noch viel weiter vom Kurs abgetrieben worden wäre.

Wie wichtig die Ökoenergien mittlerweile für die Branche sind, verdeutlicht auch eine Untersuchung, die der Zweigverband VDMA Power Systems gerade zum Stellenwert der Ökoenergie in Deutschland herausgegeben hat. Demnach wird der Anteil von Strom aus regenerativen Quellen in Europa bis 2030 auf 48 Prozent steigen - eine glatte Verdreifachung verglichen mit dem Stand heute. Zwei von drei neu installierten Kilowatt Kraftwerksleistung werden nach der VDMA-Prognose nicht aus Kohle-, Gas- oder Atomkraft kommen, sondern aus Bioenergie. Rund 660 Milliarden Euro an grünen Investitionen seien dafür in den nächsten 20 Jahren nötig, so der Verband.

Damit reihen sich die nicht selten als konservativ gebrandmarkten Maschinenbauer unter all jene ein, die den erneuerbaren Energien eine blühende Zukunft vorhersagen. Für die Zukunft erwartet Thorsten Herdan, Geschäftsführer des VDMA-Power- Systems-Verbands, "ein deutliches Zusatzgeschäft" durch die Technologien. Innerhalb weniger Jahre sind die grünen Umsätze im Maschinenbau auf deutlich über zehn Prozent des Branchengesamtumsatzes geklettert. Aktuell machen sie jährlich zwischen 15 und 18 Milliarden Euro gemessen an 152 Milliarden Euro Branchenumsatz aus. Rund 60 000 Menschen hält der grüne Maschinenbau nach Angaben Herdans im Bundesgebiet zurzeit in Lohn und Brot. Dazu kommen Tausende, die indirekt vom Boom bei Wind, Fotovoltaik und Biomasse profitieren.

Anders als kompromisslose Verfechter von Ökoenergie setzt der VDMA allerdings auf "einen intelligenten Mix aller Energieträger". Angesicht einer "drohenden Überalterung" des Kraftwerkparks seien neue regenerative Anlagen, aber auch Kohlekraftwerke nötig. Atomkraft sieht der VDMA dagegen auf dem absteigenden Ast. Der Anteil von Atomstrom am europäischen Strommix werde abnehmen, so der Verband.

Anders schätzt man Deutschlands Energiezukunft im Berliner Bundeswirtschaftsministerium. Eine immer noch aktuelle Studie vom Oktober 2008 sieht konventionelle Energie auch in Jahrzehnten noch vorne. Demnach soll 2030 ein Drittel des Stroms aus umweltoptimierten Kohle- und Gaskraftwerken stammen. Ein weiteres Drittel aus erneuerbaren Energien und das letzte Drittel aus Atomstrom - das wären rund zehn Prozent mehr als die 17 verbliebenen Kernmeiler derzeit produzieren.

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