Thomas Migge, Rom
ROM. Michele Santoro ist ärgerlich, sehr ärgerlich. Der Talkmaster von "Anno zero", einer der beliebtesten, aber auch kritischsten Sendungen der öffentlich-rechtlichen Rai, protestiert zusammen mit Kollegen und Hunderten von Bürgern gegen eine umstrittene Entscheidung der Regierung von Silvio Berlusconi. Sie entschied, dass das Staatsfernsehen bis Ende März, bis zu den mit Spannung erwarteten Regionalwahlen, nur noch politische Talkshows ausstrahlen darf, deren Gästelisten genau kontrolliert wurden.
Die Tageszeitung "la Repubblica" spricht offen von einem Maulkorb, den Berlusconi den Talkshows anlegen will, in denen seiner Meinung nach kommunistische Journalisten den Ton angeben, die es nur auf ihn und seine Regierung abgesehen hätten. Die Talkmaster müssen nicht nur Listen mit jenen Politikern, die eingeladen werden sollen, einer RAI-internen Kommission vorlegen, deren Entscheidungen das Plazet der Regierung haben müssen, sondern auch dafür sorgen, dass ihre Sendungen politisch ausgewogen und rein informierend sind.
Die politischen Diskussionssendungen der drei Privatsender von Silvio Berlusconi müssen sich übrigens nicht an das Regierungsdekret halten. Begründet wird das damit, dass sie ja auch keinen Staatsauftrag erfüllen müssen und auch nicht von Steuergeldern finanziert werden.