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Rebell zurück im Rampenlicht

"Stuttgarter Nachrichten", vom 20.02.2010 04:30 Uhr
Eigentlich ist es nur eine Oberbürgermeisterwahl, aber sie strahlt über Ravensburg hinaus. Die Kandidatenriege, die am 14. März um den Chefsessel im Rathaus kämpft, ist prominent besetzt. Und die CDU hat ein Problem.

Von Frank Krause

STUTTGART. Es war vor wenigen Wochen im Kloster Schöntal. Die Südwest-CDU traf sich zu ihrer traditionellen Winterklausur, und der neue Parteichef Stefan Mappus machte klar, dass er die Machtbasis der Partei ausbauen will. Deshalb werde man bei der Landespartei eine Stelle schaffen, mit der ein erklärtes Ziel verbunden ist: landauf, landab nach Kandidaten für Bürgermeister- und Oberbürgermeisterwahlen zu suchen. "Wir müssen das professionalisieren, wenn wir noch mehr Erfolg haben wollen als bisher", begründete Mappus die Idee.

Aber ergibt das wirklich noch Sinn? Immer öfter verzichten Kandidaten darauf, auf ihr Partei-Ticket anzutreten. Stattdessen betonen sie ihre Unabhängigkeit, um nicht die Quittung der Wähler für landes- oder bundespolitische Entscheidungen zu bekommen. Wozu das Hin und Her führen kann, sieht man nun in Ravensburg. Dort bewerben sich bei der OB-Wahl am 14. März sieben Kandidaten - drei davon mit CDU-Parteibuch: der Sigmaringer Bürgermeister Daniel Rapp, der örtliche Rechtsanwalt Klaus Guggenberger, der bereits 1990 in Freiburg als OB-Kandidat gegen den damaligen Amtsinhaber Rolf Böhme antrat, und seit Freitag nun auch noch Oswald Metzger.

Und siehe da: Es wird tunlichst vermieden, die parteiinterne Konkurrenz auf- oder abzuwerten. "Ich freue mich, dass die Ravensburger so eine Vielfalt an Auswahlmöglichkeiten haben", sagt Rapp salomonisch. Der 37-Jährige, der seine Kindheit in der Oberschwaben-Metropole verbrachte, fühlt sich "unabhängig" und wolle nicht nach der Wahl "irgendjemand für die Unterstützung dankbar sein müssen". Das betont auch der 55-jährige Metzger. Der hatte bekanntlich 2008 vergeblich versucht, erst im Wahlkreis Biberach, dann im Bodenseewahlkreis für die CDU zur Bundestagswahl nominiert zu werden. Danach wurde es um den früheren SPD-Mann und späteren Grünen-Politiker still. Der Politrebell und Finanzexperte aus Bad Schussenried, wo er einst Bürgermeister werden wollte, pflegte seinen Ruf als Publizist, tauchte in Talkshows wie "Hart, aber fair" auf. Als er vor einigen Tagen plötzlich bei einer Gemeinderatssitzung in Ravensburg auf den Zuhörerbänken saß, ahnte mancher das Comeback. Am Freitag nun gab er seine Bewerbung ab. "Ich will zu den kommunalpolitischen Wurzeln zurückkehren", begründete Metzger auf Anfrage unserer Zeitung seine Kandidatur: "In einer Kommune kann man was bewegen, auch in Zeiten knapper Kassen." Seine CDU-Mitgliedschaft ließ er bei der Bewerbung außen vor. "Ich habe keine Gespräche mit der Partei geführt." Denn er wolle auch "Bürger überzeugen, die bisher nicht CDU wählen".

Womit klar ist, dass die Partei nun ein Problem hat. "Unser Ziel ist es natürlich, dass ein CDU-Bewerber der neue Oberbürgermeister wird", sagt Stadtverbandschef August Schuler. Nur, wen unterstützen? Man sei von Metzgers Kandidatur "überrascht worden", räumt Schuler ein und sagt: "Die Bürger müssen entscheiden, ob sie einen OB mit 37 oder einen mit 55 Jahren wollen." Eine Wahlempfehlung will er nicht abgeben. Der Chef der Kreis-CDU, Staatssekretär Rudi Köberle, ist da etwas mutiger. OB-Wahlen seien "Persönlichkeitswahlen", die Leute in Oberschwaben wollen ein Stadtoberhaupt, "das bodenständig ist", und Rapp habe in Sigmaringen gezeigt, "dass er sein Handwerk versteht". Andererseits hat Metzger in der Region viele Unterstützer, ging in Ravensburg zur Schule, und seine Frau betreibt in der Stadt ein Modegeschäft.

Wohin das alles führt? Köberle vermutet, "dass nach dem ersten Wahlgang der richtige Zeitpunkt sein wird, um über die Bündelung von Stimmen nachzudenken". Soll heißen: Dann könnten einer oder mehrere CDU-Kandidaten aus dem Rennen aussteigen. Andere Insider vermuten, Rapp und Metzger seien so ehrgeizig, dass sie durchziehen. Spätestens das könnte Brigitte Lösch zugutekommen. Die Grünen-Landtagsabgeordnete aus Stuttgart ließ sich vor Ort zwar von Ober-Realo Fritz Kuhn als Kandidatin für den OB-Stuhl präsentieren, bemühte sich aber, ihre Unabhängigkeit zu betonen. Nun, da Fastnacht vorbei ist und das Interesse der Bürger für die OB-Wahl wächst, verspreche es "ein spannender Wahlkampf zu werden". Dass die CDU gleich mit drei Kandidaten ins Rennen geht, kommentiert die 47-Jährige spitzbübisch: "Ich glaube nicht, dass mir das schadet."

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