Von Josef Schunder
STUTTGART. Vier Pressesprecher in acht Jahren, drei in knapp anderthalb Jahren - die zunehmende Fluktuation auf dem Stuhl des Pressesprechers im Stuttgarter Rathaus ist atemberaubend. Der erste Amtsinhaber in dieser Reihe, Stephan Schorn, hat es immerhin rund sechs Jahre ausgehalten. Am 1. August 2002 war der gebürtige Koblenzer angetreten und zunächst noch als persönlicher Sprecher von OB Schuster bezeichnet worden, weil die damalige Presseamtsleiterin Susanne Wetterich als Sprecherin der Stadt eingeführt war. Schorn war vorher Sprecher von Dagmar Schipanski, der damaligen Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Thüringen gearbeitet. Am 1. Mai 2008 wechselte er auf einen neuen Posten in der Stabsstelle des Sparkassenverbands Baden-Württemberg. Fortan gaben sich im Rathaus immer schneller abgedankte und neu berufene Sprecher die Türklinke in die Hand.
Beate Rzadtki (53), die im Juni 2008 aus der Wirtschaft ins Rathaus gekommen war und das tiefere Verständnis für die kommunalpolitischen Themen und Rituale vermissen ließ, warf nach einem halben Jahr das Handtuch. Auf sie folgte am 1. März 2009 Markus Schubert, der genügend Erfahrung aus der parlamentarischen Zuarbeit für die CDU im Landtag und aus dem Radiojournalismus mitbrachte. Bereits Anfang Dezember 2009 leitete er jedoch seine Rückkehr nach Hamburg und zum Norddeutschen Rundfunk ein. Am 20. Januar gab die Stadtverwaltung bekannt, künftig werde Katrin Lebherz (32) Pressesprecherin sein. Nur sechs Wochen später hat sich die gelernte Journalistin nun aber eines anderen besonnen. Am Freitag wurde bekannt, dass sie künftig lieber freiberuflich im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit tätig sein möchte. Über die Gründe spricht sie nicht.
Andrea Klett-Eininger, Büroleiterin des Oberbürgermeisters, bestätigt auf Anfrage die Kündigung "mit einer Frist von drei Monaten". Frau Lebherz wolle zu neuen Ufern aufbrechen. Sie wird also längstens bis Ende Juni an Bord sein. "Ich hätte sie gern länger als Pressesprecherin gehalten", sagt Klett-Eininger. Lebherz habe gut, fleißig, schnell und trotzdem zuverlässig gearbeitet und sei eine gute Schreiberin von Texten.
Klett-Eininger weist darauf hin, dass Lebherz nicht nur die sechs Wochen bei der Stadt tätig gewesen sei. Insgesamt arbeitete sie etwas mehr als sechs Jahre in der Pressestelle, als deren Leiterin sie fungierte, und als stellvertretende Sprecherin. Pressesprecher waren andere: Schorn, Rzadtki und Schubert. Das lag an der Besonderheit der Organisation. Als Pressesprecher fungierte der Leiter der Stabsabteilung Kommunikation; eine Abteilung, die Schusters Büroleiterin untersteht. Folge: Die Sprecher hatten auch noch andere Bereiche der Öffentlichkeitsarbeit wie das Amtsblatt, den Internetauftritt und die Betreuung von Broschüren zu verantworten. Einen Bauchladen, so war immer öfter zu hören, der zu groß und zeitaufwendig sei. Das kollidierte mit der Aufgabe, viel Zeit für den OB und die Anfragen von Journalisten zu haben.
Als Schubert ging, leiteten Schuster und Klett-Eininger Änderungen ein. Die Leitung der Stabsabteilung und die Sprecherrolle wurden getrennt. Ein Schritt, den sogar Stadträte von Schusters CDU für falsch halten. Lebherz, so wurde schon länger in mehreren Gemeinderatsfraktionen spekuliert, sei zum Opfer dieser Veränderungen geworden - und eines neuen Machtanspruchs der OB-Büroleiterin. Sie, heißt es im Rathaus, habe Lebherz geschwächt. Klett-Eininger sagt, solche Stimmen gegen die Büroleiterin werde es im Rathaus immer geben. Mit den organisatorischen Änderungen habe der Weggang von Lebherz nichts zu tun. Diese Personalie führt sie auf private Gründe zurück - wie auch den Abschied von Markus Schubert. Die Büroleiterin: "Man kann nicht sagen, dass es hier keine Wohlfühlatmosphäre geben würde."