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"No Sex, no Drugs, no Rock"n"Roll"

"Stuttgarter Nachrichten", vom 11.03.2010 04:32 Uhr
Von Sabine Marquard

STUTTGART. Die Kölner Vermögensverwaltung Meridio tut es, die Sparkassen-Organisation tut es, türkische Banken tun es: Sie rechnen sich gute Geschäfte mit muslimischen Anlegern in Deutschland aus. Meridio legt jetzt den ersten Islam-konformen Investmentfonds auf. Er könnte auch Nichtmuslime interessieren.

Die Finanzkrise hat vieles verändert. Geld verdienen wollen Anleger zwar immer noch, doch mehr noch wollen sie mit gutem Gewissen anlegen. Zahlreiche Fonds, die grüne, ethische oder soziale Kriterien berücksichtigen, belegen das.

Diesem Zeitgeist entspricht auch der Meridio Global Islamic Multi Asset - der erste aktiv gemanagte Fonds in Deutschland, der nach islamischen Grundsätzen investiert. Konkret heißt das: Bestimmte Branchen und Segmente sind von der Geldanlage ausgeschlossen. Zum Beispiel die Alkohol- und Tabakbranche, Glücksspiel und Wetten, Erotik und Musikindustrie, Unternehmen, die Schweinefleisch verarbeiten, sowie konventionelle Banken, Versicherungen und Waffenhandel. Meridio-Vorstandschef Uwe Zimmer sagt treffend: "Erlaubt ist alles, aber . . . no Sex, no Drugs, no Rock"n"Roll."

Zu den Besonderheiten des islamischen Bankwesens gehört das Verbot von Zinseinnahmen und Zinszahlungen. Dahinter steckt der Gedanke, dass Geld für sich allein genommen keinen Mehrwert schafft und deshalb in die Realwirtschaft investiert werden muss. Der neue Meridio-Fonds investiert in internationale Aktien und in Islam-konforme Anleihen, sogenannte Sukuks. Letztere umgehen das Zinsverbot durch eine speziell entwickelte Beteiligungsstruktur, die Zinszahlungen durch Beteiligungsausschüttungen ersetzt.

Die Anleger wollen trotz der Beschränkungen gutes Geld verdienen. So wirbt die Kölner Vermögensverwaltung in ihrem Prospekt, dass sich Geldanlagen nach den Vorgaben des islamischen Bankwesens gerade in Zeiten schwieriger Kapitalmärkte gut entwickelt haben und ein geringeres Risiko aufweisen.

Für Zimmer ist der Global Islamic Multi Asset ein "ethisches Investment, das es so hierzulande nicht gibt". Der 48-Jährige hat seit 1990 enge Kontakte in die arabische Welt. Seinerzeit lernte er einen der Söhne des Emirs von Kuwait kennen und pflegt seither intensive Kontakte in die arabischen Länder. Zimmer ist darüber hinaus Finanzvorstand der deutsch-arabischen Gesellschaft in Berlin.

Islam-konforme Produkte sind in Kontinentaleuropa und speziell im deutschsprachigen Raum noch weitgehend unbekannt. Dennoch setzt Meridio-Chef Zimmer auf dieses Geschäftsfeld. Immerhin leben die meisten Muslime in der Europäischen Union nach Frankreich in Deutschland. Von diesen 4,3 Millionen Muslimen ist der überwiegende Teil türkischer Herkunft.

Bisher allerdings hat das Islamic Banking in Deutschland bis auf wenige Ausnahmen nicht Fuß fassen können. Seit der ersten islamischen Staatsanleihe von Sachsen-Anhalt im Jahr 2004 gibt es keine nennenswerten weiteren Entwicklungen, heißt es in einer Stellungsnahme des baden-württembergischen Wirtschaftsministeriums von Dezember 2009 auf eine Anfrage zum Markt islamischer Finanzprodukte.

Doch das Interesse wächst. Schließlich sparen die Muslime in Deutschland nach Schätzung von Meridio jedes Jahr zwischen 2,2 und 6 Milliarden Euro. Ihr Sparvolumen bei deutschen Banken beträgt insgesamt zwischen 22 und 38 Milliarden Euro. Nach einer Studie der Unternehmensberatung Booz & Company liegt das Marktpotenzial für islamische Anlageprodukte in Deutschland bei rund 1,2 Milliarden Euro.

Die deutsche Sparkassen-Organisation hat deshalb die Universitäten in Leipzig und Chemnitz mit einem umfassenden Forschungsprojekt zum islamischen Bankwesen beauftragt. Untersucht werden dabei die Zielgruppen und konkrete Produkte, die angeboten werden könnten. "Wir beobachten den Markt aufmerksam", sagt ein Sprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands. Im Frühsommer soll der Abschlussbericht vorgelegt werden.

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