Er hat es zu etwas gebracht, dieser Georges Cuvier. Als er im August 1796 als Georg Küfer geboren worden ist, hätten seine Eltern kaum vermutet, dass der Name ihres Sohnes einmal an der Fassade des Eiffelturms verewigt werden würde. Zumal sie das französische Wahrzeichen überhaupt nicht mehr kennengelernt haben. Es wurde erst knapp hundert Jahre nach Cuviers Geburt erbaut. Wie dem auch sei, an der Norwestseite des Eiffelturms steht jedenfalls "Cuvier". Damit zählt er zu den 72 Berühmtheiten der französischen Wissenschaft, wie Jean Bernard Léon Foucault oder André-Marie Ampère. Auch sie sind am Rande des bekannten Turms aufgeführt.
Georges Cuvier, der ein begabter und charismatischer Redner gewesen sein soll, ist so etwas wie der Vater der Paläontologie. Das ist die Lehre über Lebewesen vergangener Zeitalter. Er war es, der dem - vor allem aus Schulbüchern bekannten - Jean Baptiste Lamarck die Theorie vermasselte. Während Lamarck nämlich überzeugt gewesen ist, dass sich die Lebewesen Stück für Stück entwickelt haben, gleichsam von Stufe zu Stufe, erklärte Georges Cuvier die Vielfalt fossiler Funde in den Erdschichten mit einem anderen wissenschaftlichen Ansatz. Jener Ansatz heißt Katastrophentheorie und besagt: Die Erde wurde immer wieder von Naturkatastrophen heimgesucht. Schreckliche Ereignisse, die Tiere und Pfanzen auf großen Landstrichen dahingerafft, ja teils sogar ausgerottet haben. Die ausgelöschten Lebenwesen sind daraufhin von anderen ersetzt worden. So neumodisch diese Theorie damals war, heutzutage ist sie umstritten.
Der Franzose verstand sich mehr als Praktiker denn als Theoretiker. Er stand selbst am Tisch und zerlegte Tierkörper in ihre anatomischen Einzelteile. Der Naturforscher Carl Friedrich Kielmeyer hatte ihn die Kunst des Sezierens gelehrt. Das, was Georges Cuvier bei seiner Arbeit erkannte, ließ ihn die Tierwelt in vier Sparten einteilen. Und zwar in Wirbeltiere, Weichtiere, Strahlentiere und Gliedertiere. Seine Lehre ermöglichte es fortan, anhand von nur wenigen Knochenfunden oder Versteinerungen festzustellen, um welches Tier es sich einst gehandelt hatte.
Bereits im Alter von zwölf Jahren hatte Georges Cuvier begonnen, Naturkundliches zu sammeln. Er hätte höchstwahrscheinlich Paläontologie studiert, wäre ihm einer zuvorgekommen und hätte diese Disziplin begründet. Der junge Franzose hat von 1784 bis 1788 in Stuttgart gelebt. Damals hat er an der Hohen Carlsschule studiert. Seine Kurse, vor allem Juristerei und Ökonomisches, hatten mit seiner Vorliebe für die Erdzeitalter und die wissenschaftliche Interpretation von Versteinerungen nichts zu tun. Diesen Forschungen widmete er sich nebenher.
Als die deutsch-französische Vorschule in Stuttgart gegründet worden ist, haben die Mitglieder des Trägervereins nach einem Franzosen gesucht, dessen Name um die Welt gegangen ist, und der etwas mit Stuttgart zu tun hatte. Seither trägt die Schule, die 2007 an die Riedenberger Eichenparkstraße gezogen ist, den Namen von Georges Cuvier. Sie ist benannt nach einem der 72 renommiertesten Franzosen. Zumindest dann, wenn der Eiffelturm als Messlatte dient. Oder aber die Tatsache, dass Napoleon großen Respekt vor Cuvier gehabt hatte. So ist es nämlich überliefert.