WASHINGTON. Die Vorwürfe sind haarsträubend: Mit Hilfe von in Schul-Laptops eingebauten Web-Kameras sollen Lehrer im US-Staat Pennsylvania Schüler bespitzelt haben. Eltern eines 15-Jährigen reichten bereits Klage ein. Jetzt haben Bundesstaatsanwälte vom Lower Merion School District die Herausgabe von Dokumenten verlangt, die Licht in die Sache bringen sollen, berichtete "The Philadelphia Inquirer" am Wochenende. Auch die lokale Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen auf.
Grund der Klage von Holly und Michael Robbins: Die stellvertretende Direktorin der Harriton High School habe ihrem Sohn Blake "unangemessenes Verhalten" in seinem eigenen Zuhause vorgeworfen. Laut Klageschrift legte sie als Beweis ein Foto vor, das mit der Web-Cam eines von der Schulbehörde zur Verfügung gestellten Computers aufgenommen worden sei. Der Lower Merion School District hatte der Zeitung zufolge insgesamt 2300 der Apple-Geräte an seine Schüler verteilt, damit sie den Umgang mit der Technologie üben.
Blake Robbins ist fassungslos. "Ich hätte niemals gedacht, dass man so etwas bei mir daheim machen könnte", sagte der 15-Jährige dem US-Fernsehsender CBS. Die Vize-Schulleiterin "hat gedacht, ich verkaufe Drogen, was überhaupt nicht stimmt". "Ich glaube nicht, dass die Schule das Recht hat, Kameras in das Zuhause der Kinder, in ihre Schlafzimmer zu platzieren und sie auszuspionieren", empört sich Mutter Holly.
Bezirks-Sprecher Douglas Young räumte ein, dass die eingebauten Kameras der Computer ferngesteuert angeschaltet werden könnten - und auch wurden. Allerdings nur, um verschwundene oder gestohlene Geräte ausfindig zu machen. In den vergangenen 14 Monaten seien aus diesen Gründen die Web-Cams 42-mal aktiviert worden. Die "Sicherheitsfunktion" sei seit einigen Tagen ausgeschaltet. Die Familie Robbins sagte dagegen zu CBS, sie hätten den Laptop nie als vermisst oder gestohlen gemeldet - also habe es auch keinen Grund gegeben, die Kamera zu aktivieren.
Die Staatsanwaltschaft untersucht jetzt auch, ob die Schule möglicherweise gegen Abhör-Gesetze verstoßen hat. "Das wäre dann einer der unerhörtesten Fälle von Verletzung der Privatsphäre, von denen ich je gehört habe", so der Direktor des Datenschutz-Instituts Electronic Privacy Information Center, Marc Rotenberg.