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Die Wachhunde im Internet

"Stuttgarter Nachrichten", vom 20.02.2010 04:34 Uhr
Medienblogs, die sogenannten Watchblogs, sollen Lügengeschichten aufdecken, schamlos abgekupferte PR-Berichte öffentlich machen und Geschichten erzählen, die der Leser sonst nie zu sehen bekommt.

Von Andreas Sträter

Die Menschen mögen David-gegen-Goliath-Kämpfe. Auch im Internet wehrt sich so mancher Kleiner gegen die Großen. Oft mit Hilfe von Blogs. Unter den gut 200 000 Blogs allein in Deutschland gibt es auch einige, die sich nur mit Medienunternehmen beschäftigen. Sie heißen Watchblogs, weil sie ganz genau hinschauen - und somit die beobachten, die eigentlich die Beobachter des Zeitgeschehens sein sollten: die Medien.

Eines der ersten und bekanntesten Watchblogs in Deutschland ist Bildblog. Es überwacht die Springer-Publikationen - und listet deren Fehler auf, zum Teil bissig und ironisch. 2005 wurde Bildblog dafür mit dem Grimme-Online-Award ausgezeichnet: "Es demonstriert, wie das Internet für eine unabhängige, kontinuierliche und professionelle Medienkritik genutzt werden kann", hieß es in der Begründung der Jury. Inzwischen sind viele andere Wachhunde im Internet dazugekommen.

"Watchblogs sind ein Beispiel dafür, wie Medienkontrolle und -selbstkontrolle im 21. Jahrhundert funktionieren kann", sagt Susanne Fengler, Journalistikprofessorin an der Uni Dortmund. Welche Chancen derart innovative Instrumente haben, das erforscht Fengler mit einem internationalen Team. Das Projekt heißt Media Act und wird von der Europäischen Union mit 1,5 Millionen Euro gefördert.

Zum Thema Wildwest im World Wide Web sagt Matthias Karmasin, Professor für Medien- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Klagenfurt: "Im Internet herrscht ein Urzustand." Das Media-Act-Team will sich diesem Thema zunächst theoretisch annähern, um daraus Neues für die Praxis zu gewinnen. "Vielleicht steht am Ende ein Netzwerk von europäischen Medienbloggern", sagt Fengler. Traditionelle Instrumente der Medienselbstkontrolle - wie etwa der Deutsche Presserat - seien jedenfalls nicht mehr in der Lage, den ethischen Herausforderungen durch das Internet zu begegnen.

Beteiligt sind am Media-Act-Projekt neben den Dortmunder Forschern zehn Partner aus Europa sowie Partner aus Tunesien und Jordanien. Vor dem Hintergrund der eigenen journalistischen Kultur wollen sie herausfinden, welche etablierten und welche völlig neuen Formen der Medienselbstregulierung in den Ländern wirken. Ein Ziel des Projekts ist es, politische Empfehlungen für EU-Gesetzgeber zu entwickeln.

Darüber hinaus sollen Workshops und Online-Trainings für Medienblogger und Journalistikstudenten entstehen. "Wir wollen Anreize für Medienmacher und Mediennutzer schaffen, sich stärker einzusetzen. Für unabhängige und verantwortliche Medien", sagt Fengler. Media Act solle Signalwirkung haben - in ganz Europa.

Das Projekt: www.mediaact.eu

Watchblogs: http://rebellmarkt.blogger.de; www.bildblog.de; http://spiegelkritik.de

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