Artikel weiterempfehlen Artikel drucken Artikel kommentieren
Artikel bewerten [0.00/0]

Hartz IV Urteil kostet Staat 10 Milliarden

Markus Grabitz, Berlin, vom 09.02.2010 20:20 Uhr
 Foto: dpa
Foto: dpa
Siehe auch

Berlin - Die Karlsruher Richter haben die Koalition dazu verpflichtet, bis spätestens Anfang 2011 eine neue Methode für die Ermittlung der Hartz-IV-Sätze zu erarbeiten. Betroffen sind die Regelsätze von Kindern und Erwachsenen.

 

Das Grundsatzurteil zu den Hartz-IV-Sätzen könnte den klammen Staat viel Geld kosten. Die Karlsruher Richter haben zwar ausdrücklich keine Erhöhung der Regelsätze angeordnet, sondern nur eine nachvollziehbare Berechnung verlangt. Doch viele Experten und die Sozialverbände gehen davon aus, dass eine Neuberechnung zwangsläufig eine Anhebung der Sätze nach sich ziehen wird. Die zuständige Ministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat erklärt, ab sofort arbeite eine Expertengruppe im Arbeitsministerium an der geforderten neuen Berechnungsmethode.

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat ausrechnen lassen, dass allein eine Anhebung des monatlichen Regelsatzes im Arbeitslosengeld II von derzeit 359 Euro für einen Erwachsenen auf 420 Euro Mehrkosten von zehn Milliarden Euro und eine Ausweitung der Empfängerzahl um etwa zwei Millionen bedeuten würde.

Schon jetzt ist der Etat des Ministeriums für Arbeit, Renten und Soziales mit Abstand der größte: Für 2010 sind hier Ausgaben in Höhe von 146,8 Milliarden Euro eingeplant. Dies sind knapp die Hälfte der Mittel des gesamten Bundeshaushalts. Speziell für die Grundsicherung Arbeitsuchender und ihrer Familien sollen im laufenden Jahr 38,7 Milliarden Euro ausgegeben werden, davon 24,3 Milliarden Euro für das Arbeitslosengeld II.

Die scharfe Rezession bedingt es, dass bei der BA die Einnahmen in erheblichem Maße wegbrechen. Außerdem steigen die Ausgaben für die Kurzarbeit und das Arbeitslosengeld I: Die Rücklage der BA ist zum Jahreswechsel auf rund 1,8 Milliarden Euro geschrumpft. Dieses Jahr schlägt die Wirtschaftskrise mit voller Wucht auf dem Arbeitsmarkt durch: Experten rechnen damit, dass das Defizit am Ende 16 Milliarden Euro betragen wird. Der Bund hat aber bereits einen zusätzlichen "krisenbedingten Zuschuss" in gleicher Höhe angekündigt.

Kommentare (4)
» Kommentarregeln
  • Kommentare anzeigen
  • Kommentare schreiben
Anzeigen
FEB
12
14:19 Uhr, geschrieben von Dieter Machmüller
Schöne Klatsche für die Politik...
Das Urteil ist ein vernichtendes Urteil über die Qualität der Gesetzgebung/Politik in Deutschland! Alle sind betroffen: von Rot-Grün, über Schwarz-Rot bis hin zu unserer Mövenpick-Koalition! Oft genug erhärtet sich der Eindruck zur Gewissheit das anstatt verlässlicher Zahlen als Basis für so einschneidende Gesetze gewürfelt wird! Aber, machen wir uns nichts vor: das Gericht hat das zustandekommen des Gesetzes be/verurteilt, nicht die Existenzberechtigung des Gesetzes! Die steht nicht zur Disposition! Es war richtig die verschiedenen Sozialtransfersysteme zusammen zu fassen! Das nebeneinander von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe gehörte schon lange abgeschafft! Auch die Höhe der Regelsätze ist wie das BVG ausführte nicht von vornherein als zu niedrig angesehen worden! Kritik gab es bei den Regelleistungen für Kinder (wurden offensichtlich ausgewürfelt) und berücksichtigten nicht annähernd die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen (schnelleres Wachstum=Mehrbedarf an Kleidung, Teilhabe an Nachhilfen, Schulfahrten, andere, bessere Ernährung usw.) Dieser Abmangel kann durch ein Gutscheinsystem abgedeckt werden! Eine Anhebung der Regelsätze ist somit nicht erforderlich! Ein Ausbau der Gesamtschulangebote und anderer Bildungseinrichtungen ist durch das Urteil des BVG zwingend geboten (Schulspeisung, Nachhilfe, Verbesserung der Sozialisierung und andere hinlänglich gesicherte [andere Länder!] Synergien durch längeres verbleiben in gemeinsammen Klassenverbänden usw.) Finanziert werden kann/muss das ganze durch wegfall/nichteinführung der "Herdprämie" von Frau Aigner! Und oder auch durch Kürzungen beim Kindergeld Zahlbetrag! Die Aufwendungen in Bildung wären somit Aufkomensneutral!
Kommentar postiv bewerten
Kommentar negativ bewerten
0
Kommentar bewerten
FEB
11
01:59 Uhr, geschrieben von Constantin Crais
Hartz IV System
Weshalb wird das Thema bedingungsloses Grundeinkommen/ Bürgergeld nicht endlich öffentlich diskutiert und nicht weiter wie ein Tabuthema behandelt?! Wann gestehen wir uns endlich ein, dass das Ziel Vollbeschäftigung eine Utopie ist. Der Fortschritt hat es mit sich gebracht, dass nicht mehr Arbeitskräftebedarf entstanden, sondern genau das Gegenteil eingetreten ist. Hat Hartz IV seit seiner Einführung, einhergehend mit regelmäßigen Verbesserungsversuchen mehr "Arbeit" gebracht, sind die Beteiligten am Arbeitsmarkt dadurch zu besseren Menschen geworden?! Gibt es seither immer weniger Menschen, die sich um "Arbeit" drücken und gleichzeitig immer weniger Menschen, die aufrichtig und ernsthaft Arbeit suchen müssen (weil sie eine tolle Stelle gefunden haben)? Ist das Arbeitsleben menschlicher geworden, die Situation für die Betroffenen (Hilfsempfänger) insgesamt erträglicher? Hat der Staat seine Ausgaben für diese Transferleistungen im Griff? Wenn es zutrifft, dass die öffentliche Hand insgesamt weniger Mittel zur Finanzierung eines solchen Grundeinkommens aufbringen muss als für die jetzigen Entgeltersatz-/ Transferleistungen insgesamt, ist es doch um jede Minute schade, die dazu verschwendet wird, mit Hartz IV gesellschaftlich letztlich immer mehr gegen die Wand zu fahren.
Kommentar postiv bewerten
Kommentar negativ bewerten
1
Kommentar bewerten
FEB
10
16:05 Uhr, geschrieben von Günther Sandner
Hartz-IV
Hartz-IV Bezieher sollen "menschenwürdig" leben können. Was "menschenwürdig" ist aber abstrakt definieren zu wollen ist absurd. Es darf nicht mehr dafür ausgegeben werden, als die Gesamtgesellschaft erwirschaftet. Es kann doch nicht sein, dass künftige Generationen, auch solche, die noch gar nicht geboren sind, dafür bezahlen müssen. Wahrscheinlich müssen sie sowieso in hohem Umfang auf einem niedrigeren Niveau leben, als die heutigen Hartz-IVer. Meine Enkel sind heute noch nicht alt genug, aber irgendwann müsste ich Ihnen den Rat geben, lernt etwas, mit dem ihr euer Leben interessant gestalten könnt - aber arbeitet nicht, sondern bezieht Hatz-IV - mehr könnt ihr durch Arbeit gar nicht verdienen.
Kommentar postiv bewerten
Kommentar negativ bewerten
0
Kommentar bewerten
Kommentar-Seite
vorherige
1  von  2
nächste
Santorum mischt die Vorwahlen auf
Mit Siegen in Minnesota, Missouri und Colorado bringt Rick Santorum wieder Spannung in die Vorwahlen.
Westerwelle gibt härtere Gangart vor
[Kommentare 1] Nach der Festnahme mutmaßlicher syrischer Spione geht Deutschland mit Assad hart ins Gericht.
Anzeige
Nachrichtenticker
10:12   Kälte lässt etwas nach - Frost bleibt
10:01   Neonazi-Aufarbeitung - Kabinett beschließt Bund-Länder-Kommission
09:53   Arabische Liga zieht Beobachter aus Syrien ab
09:51   Opel-Betriebsrat dementiert: GM plant keine Werksschließung
09:48   Öffentlicher Dienst - Gewerkschaften für deutlich mehr Geld
1   2   3   4   5   6   7   weiter
» aktualisieren
Video
Interaktiv
  • Umfrage
Fussball 1. Bundesliga VfB Stuttgart vs. FC Bayern München:

Im Pokal-Viertelfinale empfängt der VfB Stuttgart am Mittwochabend den FC Bayern München.  Die Partie in der Mercedes-Benz-Arena wird ...

 
... der VfB gewinnen. Das wird ein toller Abend!
... durch die besseren Elfmeter-Nerven entschieden
... mit einem Favoritensieg der Bayern enden
 
(Ergebnis anzeigen)
 
  • Facebook
  • Foren
  • Twitter
 
Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.
ePaper
 
Für Abonnenten
Für Kaufinteressenten
» Abonnement
» StN Digital
» Einzelexemplar
» Infos
» Preise