Von Bettina Hartmann
Frau Immanuel, viele Leute haben Sonntagabendrituale, sie schauen zum Beispiel immer "Tatort". Was machen Sie am liebsten?
Das ist eine lustige Frage, die ich so gar nicht beantworten kann. Ich mache nämlich ganz unterschiedliche Dinge. Auf eine Lesung oder ins Kino gehen, Freunde einladen, gemeinsam kochen.
Und wenn Sie fernsehen?
Schaue ich mir gern Dinge an, die mich geistig befruchten. Man findet mich also eher auf Arte oder 3 Sat. Aber wenn ich mal Urlaub machen möchte, mal 90 Minuten lang ausspannen will, schalte ich auch gern eine Katie-Fforde-Verfilmung ein.
Was schätzen Sie an solchen Formaten?
Die Autorin Frau Fforde hat vor kurzem gesagt: Wenn wir in eine Konditorei gehen, wissen wir, was wir wollen - eine Torte. Mit ihren Romanen und den Verfilmungen verhält es sich ähnlich. Da weiß man, was einen erwartet: im übertragenen Sinn eine zuckersüße Kirsche. Da möchte ich nicht über ein Stück scharfen Ingwer stolpern.
Was hat Sie in "Festtagsstimmung" an der Rolle der Grace gereizt? Wie ist diese Frau?
Sehr schüchtern, fast schon ängstlich. Sie lebt zurückgezogen. Dass sich ihr Mann von ihr getrennt hat, hat ihr Selbstbewusstsein noch mehr erschüttert. Doch dann trifft sie auf Ellie, freundet sich mit ihr an. Und nach und nach findet eine Befreiung statt. Sie wird eine selbstbestimmte, moderne Frau.
Die Figur entwickelt sich also.
Genau. Und diesen Prozess aufzuzeigen fand ich superspannend. Überhaupt interessiert es mich, wie Menschen mit Problemen oder gar mit Schicksalsschlägen umgehen.
Wie gehen Sie denn selbst mit Problemen um? Neigen Sie dazu, zu resignieren?
Resignieren? Wie bitte? (lacht) Ich sage: Los, Probleme, kommt her! Dann putzen wir euch, schauen, wo die Goldklumpen verborgen sind. Dann denken wir nach, lernen - und hinterher sind wir klüger. Im Ernst: Ich finde Probleme und Rückschläge gehören zum Leben. Ich kenne keinen Menschen, der dadurch nicht reifer geworden wäre.
Wonach suchen Sie sich Ihre Rollen aus?
Ganz einfach: Danach, ob ich sie mit meinen Werten vereinbaren kann. Wenn es meiner Meinung nach unter die Gürtellinie geht, wenn die Würde verletzt wird, mache ich nicht mit. Mag aber sein, dass sich meine Ansichten in den nächsten Jahren verschieben, dass ich dann etwas spiele, was für mich heute undenkbar ist oder umgekehrt.
Was vermitteln Katie-Fforde-Verfilmungen?
Werte wie Fürsorge, Geduld, Ausdauer, Güte, Vergebung. In unserer schnelllebigen Zeit, in der alle unter Druck stehen, bleiben solch wichtigen Dinge oft auf der Strecke. Dabei macht ein daran orientiertes Leben das Miteinander viel erträglicher.
Würden Sie sich als Idealistin bezeichnen? Aber nein. Wir müssen einfach als Erwachsene Wege finden, Brücken zu bauen. Früher ist man davon ausgegangen, dass Gefühle angeboren sind. Doch Dinge wie Kooperation, Mitgefühl, Dankbarkeit kann man erlernen. Man muss sie aber kultivieren, sprich vorleben. Jeder kann also sich selbst und somit die Welt verändern.
Und so etwas schaffen auch Fforde-Filme?
Ich weiß, dass sie manchen zu trivial und zu kitschig sind. Aber ich finde es schön, dass diese Art von Filmen lebensbejahend ist, dass sie Hoffnung geben können.
ZDF, Sonntag, 20.15 Uhr