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Gleiche Arbeit, weniger Geld

"Stuttgarter Nachrichten", vom 26.03.2010 04:34 Uhr
Von Maria Wetzel

STUTTGART. Frauen in Deutschland verdienen im Durchschnitt 23 Prozent weniger als Männer. Umgerechnet heißt das, dass Männer erst am 26. März mit der Arbeit beginnen müssten, um am Ende des Jahres genauso viel in der Tasche zu haben wie die Frauen, die seit Jahresbeginn arbeiten. Seit 2008 rufen deshalb Frauenorganisationen, Gewerkschaften und Parteien diesen Tag zum Tag der gleichen Bezahlung aus. In den USA gibt es den "Equal Pay Day" bereits seit Mitte der neunziger Jahre.

Die Gründe für die großen Einkommensunterschiede sind vielfältig: Frauen wählen schlechter bezahlte Berufe, haben längere Erwerbspausen, arbeiten öfter Teilzeit und erreichen seltener Führungspositionen. Doch selbst wenn Frauen und Männer in vergleichbaren Positionen arbeiten, liegt das Einkommen der Männer im Durchschnitt noch um 12 Prozent über dem der Frauen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes erhalten Männer schon beim Berufseinstieg im Schnitt acht Prozent mehr Geld als ihre Kolleginnen.

In Baden-Württemberg sind die Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern mit 28,5 Prozent sogar noch höher als im Bundesdurchschnitt. Diese Unterschiede könnten nicht allein mit unterschiedlichen Verdiensten in den verschiedenen Hierarchiestufen erklärt werden, sagte Baden-Württembergs Arbeitsministerin Monika Stolz am Donnerstag in Stuttgart. "Unterschiedliche Löhne für Frauen und Männer bei gleicher Arbeit ist eine gravierende Diskriminierung". Es sei notwendig, "den weit verbreiteten Stereotypen in der Bildung, in der Arbeitswelt und in den Medien wirksam entgegenzuwirken" und über die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen offen zu sprechen. Familienpolitische Initiativen wie der Ausbau der Kinderbetreuung seien ein Schritt, um die Lohnunterschiede zu verringern.

Den Südwest-Grünen reicht das nicht. Zum einen müssten die Aufstiegschancen für Frauen durch eine Frauenquote für den öffentlichen Dienst und die Privatwirtschaft verbessert werden, fordert die Landesvorsitzende Silke Krebs. "Es ist höchste Zeit für die 40-Prozent-Quote für beide Geschlechter in den Aufsichtsräten." Zudem seien Mindestlöhne notwendig.

Der Landesfrauenrat hat die Landesregierung aufgefordert, die Verdienstunterschieden bis zum Jahr 2020 auf höchstens 10 Prozent zu reduzieren. "Wir hoffen, dass die Landesregierung sich mit Wirtschaft und Arbeitnehmervertretung sowie weiteren gesellschaftlichen Akteuren auf konkrete Schritte einigt", so die Landesvorsitzende Angelika Klingel.

Die ungleichen Einkommen haben für die Frauen auch langfristig negative Folgen. Ihre Renten sind deutlich niedriger als die ihrer Kollegen. Das Bundesfamilienministerium bietet Unternehmen an, an einem Lohntestverfahren teilzunehmen.

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