Stuttgart - Heute erscheint das neue Album des kanadischen Indierockkollektivs Arcade Fire. Es ist sensationell gut. "The Suburbs" erklärt mal empfindlich impressionistisch, mal expressiv um sich schlagend das trostlose Leben in den Vorstädten zur Metapher des Modernen.
Die Tristesse der Vorstadt frisst sich durch die Landschaft. Sie verstellt den Blick mit ihren nach den immergleichen Bauplan entworfenen Gartenzäunen, Einfamilienhäusern und Straßenkreuzungen Wer versucht, wie die Kinder, die vor dem Blaulicht der Polizeiautos wegrennen ohne genau zu wissen warum, dieser Ödnis zu entkommen, dem versperren schließlich monströse Einkaufszentren den Weg - Kolosse, die sich wie Berge jenseits der Berge auftürmen.
Arcade Fire ist eine der wichtigsten Bands des 21. Jahrhunderts
Als Archäologen des Urbanen erkunden Arcade Fire auf ihrem dritten Album "The Suburbs" das Leben in den Vorstädten und lassen das Album verzweifelt mit dem Titelsong beginnen, der von zwei Menschen erzählt, die dem Krieg entkommen wollen, der in Suburbia herrscht. "I want a daughter while I'm still young / I want to hold her hand, and show her some beauty / Before all this damage is done", singt Win Butler: Ich möchte eine Tochter haben, solange ich noch jung bin. Ich möchte sie an der Hand nehmen und ihr all die Schönheit zeigen, bevor nichts mehr davon übrig ist. Und dieses Lamento wird von einem unermüdlichen voranstapfenden Beat begleitet, der den Song zu einem traurig-schönen Meisterwerk des Indierock macht.
Auch wenn Musikhörer, die ihre Anregungen vornehmlich aus dem privaten und öffentlich-rechtlichen Formatradio holen, von einer Band namens Arcade Fire noch nie gehört haben dürften, ist dieses Kollektiv aus Montreal, in der neben Win Butler auch seine Frau Régine Chassagne und seine William Butler spielen, eine der wichtigsten Bands des 21. Jahrhunderts. Im Jahr 2004 erschien keine Platte, die einen mehr erschüttern konnte, als das Arcade-Fire-Debüt "The Funeral". Im Jahr 2007 erwies sich "Neon Bible" als noch eindringlicher. Und das Album "The Suburbs", das eines der besten des Jahres 2010 sein wird, ist in seiner empfindlichen Vielschichtigkeit, seiner euphorischen Trostlosigkeit so unerträglich schön, das man weinen möchte vor Glück.
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