Wer Arcade Fire nicht sowieso schon liebt - und das sind neben den Musikkritikern noch viel zu wenige Menschen-, der wird sich erst noch ein wenig hineinhören müssen in diese manchmal spröde Ästhetik der Songs der Band um Win Butler, der einst aus einem Vorort im texanischen Houston erst an die US-amerikanische Ostküste und schließlich ins kanadische Montreal geflohen ist.
Wie auf den Alben davor verschwimmen auch auf "The Suburbs" die Grenzen zwischen den Songs. Eigentlich sind alle Arcade-Fire-Platten Konzeptalben. Die 16 Songs ergänzen sich zu einer tragisch-wehmütigen Suite. "Please, come out with us tonight", fordert Butler zum polternden Rhythmus des altersmüden Garagenrockers "Ready To Start", "Let's go downtown and watch the modern kids", schlagen Arcade Fire in "Rococo" vor, durch das einmal mehr die wunderbar schrägen Streicherarrangements Owen Pallets streunen. Und zum knurrigen Pop von "Modern Man" beobachten sie einen Mann der nichts anderes tut, als sich irgendwo in einer Schlange anzustellen und zu warten, bis er endlich einmal an der Reihe ist.
Arcade Fire weiten die Kampfzone aus
Der Tonfall ist dabei oft schärfer und drängender als auf den Vorgänger- alben. "City With No Children" hangelt sich an einem mürrischen Bassriff entlang. "Month of May" ist ein kruder Punkrockkracher. Und im paranoiden "Suburban Wars" wird der Verdacht geäußert, das nachts die Topografie der Vorstädte immer wieder heimlich umgeplant wird.
Arcade Fire weiten in "The Suburbs" die Kampfzone aus, die man aus den Liedern Bruce Springsteens kennt. "Sprawl" könnte die illusionslose Neuinterpretation von Springsteens "The River" sein: Längst ist aber kein Fluss mehr da, in dem man eintauchen kann, sondern nur noch die zersiedelte Landschaft, die Stadt, die in alle Richtungen wuchert. Vom einsamsten Tag seinen Lebens erzählt Butler, bevor der zähe Walzer sich in ein Elektropop-Drama verwandelt: Und der Arcade-Fire-Chor wünscht sich nur noch, dass die Lichter der Großstadt endlich erlöschen und nur Dunkelheit übrig bleibt.