Antarktis-Abenteurer stirbt kurz vor dem Ziel Zu Fuß alleine durch die Antarktis

Von Markus Brauer 

Er trotzte Schneestürmen, eisigen Temperaturen und der Einsamkeit, um Geld für verwundete Soldaten zu sammeln. Der Brite Henry Worsley wollte die Antarktis durchqueren, doch das Abenteuer endete tragisch.

Stuttgart - Henry Worsley wollte das Unmögliche: Als erster Mensch alleine zu Fuß und ohne fremde Hilfe die Antarktis durchqueren. Den Schlitten, auf dem er seine Habseligkeiten verstaute hatte, zog er selbst. Der britische Abenteurer hat seine waghalsige Reise nicht überlebt. Der 55-Jährige starb in einem Krankenhaus in Punta Arenas (einer Stadt im äußersten Süden Chiles, direkt an der Magellanstraße gegenüber der Insel Feuerland) an Organversagen, wie seine Frau an diesem Montag mitteilte. Schirmherr der Reise, mit der Worsley Geld für Veteranen sammeln wollte, war Prinz William (33).

„Wir haben einen Freund verloren“

Er und sein Bruder Harry (31) hätten in Worsley einen Freund verloren, teilte der Zweite der britischen Thronfolge mit. „Harry und ich sind sehr traurig über den Verlust von Henry Worsley. Er war ein Mann, der großen Mut und Entschlossenheit gezeigt hat, und wir sind unglaublich stolz, dass wir mit ihm in Verbindung standen. Wir haben einen Freund verloren, aber er wird eine Quelle der Inspiration für uns alle bleiben“, schrieb der Herzog von Cambridge.

Worsley starb an Organversagen

Am Freitag hatte Worsley, ein früherer Oberstleutnant der britischen Armee, nach 71 Tagen und mehr als 1400 Kilometern allein in der Antarktis um Hilfe bitten müssen und war in ein Krankenhaus nach Punta Arenas geflogen worden, wo er an akutem Organversagen starb. Er hatte bereits den Südpol passiert und wollte vollenden, was sein großes Vorbild, der legendäre Polarforscher Sir Ernest Shackleton, nicht geschafft hatte.

Shackletons Antarktis-Misson scheiterte 1917, weil sein Schiff, die Endurance, im ewigen Eis sank. Henry Worsley war ein entfernter Cousin von Frank Worsley (1872-1943), einem neuseeländischen Polarforscher, der von 1914 bis 1917 als Kapitän der Endurance an der „Imperial Transantarctic Expedition“ (besser bekannt als Endurance-Expedition) von Shakelton teilgenommen hatte.

1800 Kilometer in 80 Tagen bei minus 44 Grad Celsius

Im vergangenen November hatte der Abenteurer, der seine erste Tour zum Südpol 2007 unternommen hatte, seine Reise begonnen. In 80 Tagen wollte er knapp 1800 Kilometer durch die Antarktis zurücklegen - ohne jegliche Hilfe. Der britischen Zeitung „Guardian“ zufolge hatte der 55-Jährige bereits 913 Meilen hinter sich gebracht, umgerechnet etwa 1469 Kilometer. Seine Route führte ihn durch eisige Stürme bei Temperaturen um minus 44 Grad Celcius.

Nur noch 48 Kilometer trennten ihn von seinem Ziel, als Worsley vollends die Kräfte verließen. Aus seinem Zelt schrieb er ein letztes Lebsenszeichen: „71 Tage allein in der Antarktis, über 900 Meilen gelaufen, meine körperliche Ausdauer neigt sich dem Ende. Mit Trauer muss ich nun das Ende meiner Expedition verkünden - so kurz vor meinem Ziel.“

Zwei Tage soll er völlig dehydriert in seinem Zelt verbracht haben. Erst danach setzte er den Rettungsruf ab. Es war zu spät. In der Klinik stellten die Ärzte fest, dass sich sein Bauchfell stark entzündet hatte. Trotz Notoperation versagten seine Organe. Ihr Herz sei „gebrochen“, schreibt seine Ehefrau Joanna.

Worsleys Ziel war es, 100 000 Pfund (131 520 Euro) für die Wohltätigkeitsorganisation Endeavour Fund zu sammeln, die verletzte oder kranke Soldaten unterstützt. „Nach 36 Jahren Berufsleben als Soldat und jetzt als Rentner will ich nun Soldaten helfen, die weniger Glück hatten.“, sagte Worsley in einem seiner letzten Interviews. Das Spendenkonto zeigt einen Kontostand von 106 773 Pfund (140 428 Euro) an, wie seine Frau Joanna mitteilte.

Auch David Beckham trauert

Auch der frühere Fußballstar David Beckham (40) trauert um den Abenteurer. Auf Facebook postete er ein Foto von sich mit Worsley. „Ich hatte das Glück, Henry auf meinem Weg in die Antarktis zu treffen“, schrieb der frühere England-Kapitän, der dort vergangenes Jahr für einen guten Zweck Fußball gespielt hatte. „Ein Mann, der unserem Land so viele Jahre gedient hat und ein Mann, der mit so viel Stolz über seine Familie gesprochen hat . . . Wir sind in dieser Zeit in Gedanken bei Henrys Familie.“

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