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Amerika Arizona: Einmal Cowboy sein

Christian Ignatzi aus Tucson, vom 22.01.2012 05:00 Uhr
Ein Blick auf die endlos scheinende Prärie. Foto: Ignatzi
Ein Blick auf die endlos scheinende Prärie. Foto: Ignatzi

Arizona - Die Abendsonne lässt den Wüstensand noch rötlicher erscheinen, als er ohnehin ist. Die Pferde, die einem festgetrampelten Pfad folgen, hinterlassen ihre Hufabdrücke im Sand. Sie wirbeln den staubtrockenen Boden in der Wüste von Arizona auf. Staub fliegt in die Höhe, setzt sich an den Jeanshosen der Reiter ab und bedeckt die Stacheln der dicht über dem Boden gewachsenen Kakteen.
Es fühlt sich nach Freiheit an. So muss es gewesen sein, im Wilden Westen. Scheinbar unendliche Weiten, nur begrenzt von den Catalina Mountains, nahe der Grenze zwischen den USA und Mexiko. Ein Profireiter muss man nicht sein, um auf der Pusch Ridge Stables Ranch vor den Toren von Tucson den Sonnenuntergang bei einem Ausritt zu genießen. Reitlehrerin Vicky, ein Cowgirl mit grauen Haaren und großem Cowboyhut, ist immer mit dabei. Bevor es losgeht, gibt sie Anweisungen. In den Südweststaaten reitet man nach Westernart.

Die Pferde lassen sich in der Wüste durch nichts aus der Ruhe bringen

Das ist einfacher, als es klingt. Weil die Cowboys beim Reiten mit dem Lasso schwingen, muss eine Hand frei sein. Deshalb hält man die Zügel nur mit einer Hand. Die andere hält sich am Sattelknauf fest, der beim Westernsattel Standard ist. „Zum Lenken einfach die Hand mit den Zügeln nach links oder nach rechts führen“, erklärt Vicky.

In der Theorie klingt das einfach. Ob es wirklich klappt, erfährt man beim Gruppenreiten aber nicht. Vicky reitet voraus, und die anderen Pferde trotten brav hinterher. Keine Chance, auch nur auszuprobieren, mit einem geschickten Schwenk aus der Reihe zu reiten. Selbst Hengst Fury (zu Deutsch: Wildheit) bleibt für seinen Namen erstaunlich ruhig. Im Schritt geht es durch die Wüste. „Zieht euch lange Hosen an, und steckt die Enden in die Schuhe“, hatte die Reitlehrerin noch vor dem Start der Tour geraten. Dicker Stoff ist ein guter Schutz vor den Stacheln der Kakteen. Vor Klapperschlangen braucht man keine Angst zu haben. Von denen ist nichts zu sehen, weil sie sich lieber von Menschen fernhalten. „Sie haben mehr Angst vor euch als ihr vor ihnen“, sagt Vicky. Wer eine echte Schlange sehen will, sollte im westlich vor den Toren Tucsons gelegenen ArizonaSonora Desert Museum vorbeischauen. Es wurde von einer deutschen Einwanderin gegründet. Viele Tiere sind dort zu sehen, die in der Wüste vorkommen. Neben Klapperschlangen sind das vor allem Skorpione, Schneeeulen und Eidechsen. Streifenhörnchen und Kolibris sieht man eher auf Hügeln in größeren Städten. Berglöwen und Bären jagen in den Bergen.

Kakteen sind die einzigen Wüstenbewohner

In der Wüste herrscht dagegen unendliche Stille. Die Pferde stören sich nicht an den Kakteen, die als einzige sichtbare Wüstenbewohner den Weg säumen. Sie bleiben alle zehn Meter stehen und rupfen Blätter von trockenen Bäumen. An manchen Stellen bilden diese Sträucher kleine Hecken, in denen sich die Reiter mit ihren Füßen verfangen können. Mit einem „Hoo!“ und einem beherzten Zug an den Zügeln geht es weiter. Manchmal. Viele Pferde sind störrisch und wissen genau, wer da auf ihrem Rücken sitzt und ob er Erfahrung mit dem Reiten hat oder nicht. Falls nicht, machen sie, was sie wollen. Schließlich geht es um leckere Blätter. Da hilft dann nur noch eines: Vicky spricht ein Machtwort. Die Tiere haben Respekt vor ihr. Langsam geht beim Abendritt die Sonne unter. Sie taucht die Catalina Mountains in ein tiefrotes Licht. Das Gefühl von Weite tut gut. Nur der Highway am Horizont holt die Reiter dann und wann in die Realität zurück.

Den Abend lassen die Reiter am Lagerfeuer ausklingen. Bei einem tellergroßen Steak, wie es in den Südweststaaten üblich ist, beobachten sie die Sterne, die in der Wüste so hell leuchten wie nirgends sonst und lassen sich erklären, woher eigentlich der Name des Staates kommt. Wissenschaftler sind sich nicht ganz einig. Möglicherweise kommt er von den spanischen Wörtern árida und zona, was für „wüstenhaftes Gebiet“ steht. Auch die Einwanderer von einst müssen sich so gefühlt haben wie die Urlauber, die heute auf ihren Spuren wandeln. Die Grenzenlosigkeit fühlt sich nach Freiheit an.

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