Am Uralgebirge Viele Verletzte nach Meteoriten-Absturz

dpa, 16.02.2013 11:12 Uhr

Moskau - Nach dem Einschlag eines Meteoriten in Russland werden in der betroffenen Region Tscheljabinsk am Uralgebirge weiter Dutzende der rund 1200 Verletzten in Krankenhäusern behandelt. Eine an der Wirbelsäule schwer verletzte Frau wurde am Morgen mit einer Sondermaschine vom Typ Iljuschin-76 nach Moskau geflogen, wie das Zivilschutzministerium mitteilte. Bei dem folgenreichsten Meteoriteneinschlag seit Jahrhunderten trugen die Verletzten vor allem Schnittwunden davon.

Durch die enorme Druckwelle waren Tausende Fensterscheiben zu Bruch gegangen. Der Gouverneur des Gebiets Tscheljabinsk, Michail Jurewitsch, sagte, dass die Lage unter Kontrolle sei. Insgesamt seien nach der Katastrophe vom Freitag durch Schäden an den Gebäuden rund 100.000 Menschen betroffen. Der Gesamtschaden liege bei etwa einer Milliarde Rubel (25 Millionen Euro).

 

Meteorit hatte wohl einen Durchmesser von bis zu vier Metern

Das Unglück hat nach Angaben von Weltraumexperten nichts mit dem Asteroiden „2012 DA14“ zu tun, der am Freitagabend nur knapp an der Erde vorbeirasen sollte. Der Meteorit hatte nach Expertenschätzung einen Durchmesser von bis zu vier Metern und war etliche Tonnen schwer. Er raste vermutlich mit extrem hoher Geschwindigkeit Richtung Erde. Nach Eintritt in die Atmosphäre dürfte das kosmische Geschoss mit einer gewaltigen Druckwelle explodiert sein. Atomanlagen in der Gegend seien aber nicht betroffen, hieß es. „Das war ein großer Feuerball, der dann runterfiel. Das Ganze dauerte ein paar Sekunden“, sagte ein Bewohner der Region der Agentur Itar-Tass. Augenzeugen berichteten von Lichtblitzen, Explosionen und Rauchwolken am Himmel. Viele dachten demnach, ein Flugzeug sei explodiert. Das Staatsfernsehen zeigte Bilder von Menschen, die panikartig ihre Häuser verließen und aus Schnittwunden bluteten.

Behörden entdeckten an der möglichen Absturzstelle einen zirka sechs Meter breiten Krater

An der möglichen Absturzstelle am Ufer des Tschebarkul-Sees rund 80 Kilometer westlich von Tscheljabinsk entdeckten die Behörden einen etwa sechs Meter breiten Krater. Soldaten hätten den Bereich an dem zugefrorenen Gewässer abgesperrt, sagte Oberst Jaroslaw Roschtschupkin vom Zentralen Wehrbezirk. Es sei keine erhöhte Strahlung gemessen worden. Einsatzkräfte berichteten von zahlreichen etwa einen Zentimeter großen Splittern in der Nähe des Kraters. „Der Meteorit zerfiel in Dutzende Bruchstücke“, sagte Katastrophenschutzminister Wladimir Putschkow. „Die meisten Splitter sind verdampft, einige schafften es aber bis zur Erdoberfläche“, erklärte Valeri Schuwalow von der Wissenschaftsakademie. Er vermutet, dass es sich um einen Nickel-Eisen-Meteoriten handelt. Nur ein solcher Körper sei fest genug, um die unteren Schichten der Atmosphäre zu erreichen. Der Astronom Sergej Smirnow meinte, dass der Meteorit vor dem teilweisen Verglühen mehrere Tonnen schwer gewesen sei. Splitter könnten demnach jeweils bis zu einem Kilogramm wiegen.

Russische Taucher suchten in dem See Tscherbakul etwa 80 Kilometer von Tscheljabinsk entfernt nach Teilen des Meteoriten, sagte die Sprecherin des Zivilschutzministeriums, Irina Rossius, Moskauer Agenturen zufolge. Das Ministerium habe bisher keine Informationen über irgendeinen Fund, betonte sie.

Putin ordnet schnelle Hilfe für die betroffene Region an

Präsident Wladimir Putin ordnete rasche Hilfe für die Verletzten in der Region an. „Bei Temperaturen von minus 18 Grad in Tscheljabinsk ist jetzt am wichtigsten, dass die zertrümmerten Fensterscheiben ersetzt werden“, sagte Verwaltungschef Michail Jurewitsch. Nach Behördenangaben waren sieben Flugzeuge und 20.000 Angehörige des Zivilschutzes in der Region im Einsatz. „Nach allem, was wir wissen, ging ein Meteorit mit einem Durchmesser von zwei bis vielleicht vier Metern nieder“, sagte der Astronom Sergej Jasew. „Wegen seiner gigantischen Geschwindigkeit explodierte er in den oberen Schichten der Atmosphäre.“

Für Deutschland besteht laut Experten keine Gefahr

Nach Angaben der Bundesregierung gibt es in Deutschland keine konkrete Gefährdung durch solche Himmelskörper. Dass der Meteorit am selben Tag einschlug, an dem ein Asteroid der Erde so nahe kommen sollte, wie kein anderer zuvor, ist Zufall. „Aber die beiden Objekte haben definitiv nichts miteinander zu tun, weil sie aus ganz unterschiedlichen Ecken des Sonnensystems kommen“, sagte Nasa-Experte Dante Lauretta. Für etwa 20.25 Uhr war der Vorbeiflug des Brockens „2012 DA14“ in 27.800 Kilometern Entfernung von der Erde vorhergesagt - der Mond ist rund 15 Mal weiter entfernt. Lauretta sprach von einer großen Chance für die Wissenschaft. „So nah ist noch nie ein Himmelskörper an der Erde vorbeigeflogen, seit die Wissenschaft zurückdenken kann. Natürlich sind heute alle Augen auf den Asteroiden gerichtet - inklusive unserer Radarteleskope.“ Eine Gefahr bestünde jedoch nicht: „Er wird nicht die Erde treffen, nicht die Raumstation ISS und auch keinen wichtigen Satelliten. Also: Kein Grund zur Sorge.“

 
 
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