Artikel weiterempfehlen Artikel drucken Artikel kommentieren

Alternative Energien Warnung an grün-rote Windkraftfans

Arnold Rieger, vom 09.11.2011 08:50 Uhr
 Foto: dpa
Foto: dpa

Stuttgart - Klimaschutz oder Naturschutz? Vor dieser Güterabwägung stehen zurzeit die großen Umweltverbände mit Blick auf die Ausbaupläne für Windkraftanlagen. Sie wollen letztlich beides, und das gelingt ihrer Ansicht nach, wenn sich das Land an gewisse Grenzen hält.

Dass Windkraft nicht automatisch umweltfreundlich ist, weiß keiner besser als André Baumann. Der Landeschef des Naturschutzbunds Deutschlands (Nabu) ist Biologe und kennt die Gefahren, die von den Rotorblättern für Vögel und Fledermäuse ausgeht. Dabei sind nicht nur die Schläge der Flügel ein Problem, sondern auch die bloße Existenz der Windräder: "Rast- und Brutvögel können sich gestört fühlen", sagt Baumann.

Im Nabu, aber auch im Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) verfolgt man deshalb die Ausbaupläne der grün-roten Landesregierung mit Skepsis. "Die Bereitschaft in den Ortsverbänden, den Naturschutz zu Gunsten des Klimaschutzes zurückzunehmen, ist unterschiedlich ausgeprägt", sagt BUND-Landesgeschäftsführer Berthold Frieß. Er ist sich jedoch sicher, dass es eine "hohe Sensibilität" gibt, die beiden Ziele auszutarieren.

Keine Windkraft im Naturschutzgebiet

Wie dies auch der Landesregierung gelingen kann, dazu machen die beiden Verbände jetzt detaillierte Vorschläge. In einem achtseitigen Konzept, das unserer Zeitung vorliegt, bekennen sie sich zwar nachdrücklich zum Ausbau der Windkraft. Sie setzen der grün-roten Landesregierung jedoch auch unmissverständliche Grenzen.

"Folgende Gebiete sollten vollständig von Windkraftanlagen freigehalten werden", heißt es dort. Ganz oben stehen Naturschutzgebiete, es folgen Bann- und Schonwälder sowie die Kernzonen von Biosphärengebieten und die (noch zu schaffenden) Nationalparke. Aber auch naturnahe Waldbestände, bedeutende Lebens-, Nahrungs- und Fortpflanzungsstätten von streng geschützten Vogel- und Fledermausarten sollen tabu sein. Ebenso bedeutende Vogelzugkorridore, die man - nebenbei gesagt - noch gar nicht so genau kennt. BUND und Nabu fordern die Landesregierung deshalb auf, "diese Wissenslücke schnellstmöglich zu schließen". Neben den Tabuzonen werden sogenannte Vorranggebiete vorgeschlagen, in denen der Schutz von Vögeln und Fledermäusen im Zweifel Priorität hat.

Auch die Nähe von Gewässern sollten die Planer meiden, "da in zahlreichen Untersuchungen festgestellt werden konnte, dass die Zahlen der Schlagopfer mit der Gewässernähe zunehmen". Aber auch den Landschaftsschutz wollen die Umweltverbände nicht außer Acht lassen und empfehlen, neue Anlagen "bevorzugt auf Flächen mit bestehenden Vorbelastungen" wie Türmen und anderen Windräder zu errichten.

Verbleibende Fläche sei ausreichend

Auf bis zu 40 Prozent der Landesfläche schätzt Frieß das geschützte Areal - der Rest sei für den Windkraftausbau noch immer ausreichend. Dass die Landesregierung dabei die sogenannte Schwarz-Weiß-Lösung gekippt hat, halten sie nicht nur für richtig, sondern für notwendig. Die alte Regelung habe nämlich zu einer "Verhinderungsplanung in den Regionen" geführt, schreiben Baumann und seine BUND-Kollegin Brigitte Dahlbender an Infrastrukturminister Winfried Hermann. Die Regionalverbände hatten früher nämlich den Großteil des Landes als Ausschlussgebiete (schwarz) festgelegt, und Windräder nur auf einem kleinen Teil ("weiß") zugelassen. Unter Grün-Rot soll es künftig nur noch Vorrang- und Vorbehaltsgebiete geben.

Dem stimmen letztlich auch die Umweltverbände zu. "Nur so kommt richtig Schwung in den Ausbau", sagt Baumann. Denn nun seien die Kommunen frei beim Ausweisen von Standorten. Im Grunde aber hätten sich die Naturschützer sehr wohl eine Weiß-Grau-Schwarz-Regelung gewünscht. Soll heißen: dass die Regionalverbände auch künftig Tabuzonen ausweisen können. Das will Grün-Rot nicht. Nun setzten Nabu und BUND darauf, dass die Landesregierung diese Tabuzonen auf anderem Weg festschreibt: im sogenannten Windkrafterlass - eine Vorgabe, in der die Details des Ausbaus festgelegt sind. "Wie das gemacht wird, ist eigentlich zweitrangig", sagt Baumann. Hauptsache, der Naturschutz werde strikt beachtet.

Nur so, da sind BUND und Nabu überzeugt, wird der Ausbau auch von der Bevölkerung akzeptiert. Die Planer von Anlagen hätten außerdem den Vorteil von geringenen rechtlichen Konflikten. Für ihr Entgegenkommen hätten die Verbände aber noch gern ein Bonbon: Sie schlagen einen Windkraftfonds vor, in den jeder, der ein Windrad baut, einen Obolus entrichten muss.

Kommentare (11)
» Kommentarregeln
  • Kommentare anzeigen
Anzeigen
NOV
10
10:16 Uhr, geschrieben von Eulenspiegel
Gegen alles
Ich bin gegen Atomenergie. Ich bin gegen Pumpspeicherkratwerke. Ich bin gegen Windräder. Ich bin gegen die zu teure Photovoltaik. Ich bin gegen Überlandleitungen. Ich will den Juchtenkäfer schützen. Ich will alle Vögel ,Fledermäuse, Felderhamster, Igel ua. schützen. Probleme mit dem Strom? Nicht bei mir! Der kommt aus der Steckdose, bzw. beim illegalen Parkbeschmutzerzeltdorf aus dem Laternenmasten.
NOV
09
19:59 Uhr, geschrieben von fanthomas
Welches Spielchen treibt der BUND ?
Bevor der BUND BaWue über die Windkraft für und wider redet, sollte er sich mal mit seiner Rechtsreferentin, Frau Pilarsky-Grosch unterhalten. Diese Frau ist auch gleichzeitig Vizepräsidentin des Bundesverbands WindEnergie e.V. und hält eifrig Vorträge zur Windkraft. So z.B. Mitte September 2011 in Gomadingen. Titel des Vortrags: Chancen und sinnvolle Nutzung von Windenergie im Biosphärengebiet Schwäbische Alb. Von Risiken war leider nicht die Rede. Da bin ich mal gespannt, wie sich das weiter entwickelt.
NOV
09
19:28 Uhr, geschrieben von Christa Neff
Warnung an Grün-Rote Windkraft-Fans
Zitat: Für ihr Entgegenkommen hätten die Verbände aber noch gern ein Bonbon: Sie schlagen einen Windkraftfonds vor, in den jeder, der ein Windrad baut, einen Obolus entrichten muss. Klar, dem BUND geht wahrscheinlich langsam das Geld aus wegen der endlosen Prozessiererei wegen S21. Und wahrscheinlich braucht der BUND Geld um kommende Prozesse gegen die Windräder zu haben. Es ist schon mehr als arm wenn man sich überall ein Hintertürchen zum prozessieren aufhält. Kann der BUND eigentlich noch irgend etwas anderes? Hat der BUND noch nicht mitgekriegt dass die Natur in der Regel sich relativ schnell alleine regeneriert, auch ohne BUND? Ich weiß keinen Fall wo Tiere ausgestorben sind wegen einem Bahnhof oder einem Pumpspeicherwerk. Offensichtlich haben die Oberen beim Bund, allen voran Frau Dahlbender, eine Profilneurose. Anstatt ständig irgendwelche Statements in den Zeitungen abzugeben sollten diese Herrschaften sich lieber mal bei anderen Projekten schlau machen, wie schnell sich die Natur (Tiere und Pflanzen) erholt hat.
Kommentar-Seite
vorherige
1  von  4
nächste
„Wir müssen uns auf den Weg machen“
Wir brauchen eine Mitmach- statt einer Versorgungs-kirche, sagt Katholikentags-gastgeber Alois Glück.
Wie die Badewanne innen aussieht
Moderne Technik liefert tausendfach höhere Datendichte als bei der letzten Vermessung.

 

Anzeigen

 

Anzeige
Nachrichtenticker
04:58   Interimsregierung in Athen wird vereidigt
04:46   Katholikentag nimmt inhaltliche Arbeit auf
04:28   In CDU rührt sich Kritik an Entlassung Röttgens
03:58   Champions League der Frauen: Frankfurt will Titelpremiere
03:10   Wolfgang Schäuble erhält Karlspreis
1   2   3   4   5   6   7   weiter
» aktualisieren
Video
Interaktiv
  • Umfrage
Fortuna Düsseldorf - Hertha BSC

Fans randalierten nach dem Abstieg des KSC, in Düsseldorf brach kurz vor Abpfiff das Chaos aus. Was sollte man dagegen tun?  

 
Die Einsatzkräfte sollten härter durchgreifen
Platzsperren und Geldstrafen für die Vereine
Nichts! Relegation ist emotionaler Ausnahmezustand
 
(Ergebnis anzeigen)
 
  • Facebook
  • Foren
  • Twitter
 
Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.
ePaper
 
Für Abonnenten
Für Kaufinteressenten
» Abonnement
» StN Digital
» Einzelexemplar
» Infos
» Preise