Sillenbuch - Dem Bürgerhaus mangelt es an Bürgern. Daran hat sich auch vier Jahre nach seiner Einweihung nichts geändert. Die Nachbarn sehen, nach eigenen Angaben, so gut wie nie Besucher in der Alten Schule Riedenberg. Was mutmaßlich daran liegt, dass sich die kleinen Zimmer weder für Konzerte noch für andere Veranstaltungen mit vielen Gästen eignen. „Benutzen Sie es“, hatte der Oberbürgermeister Wolfgang Schuster im Frühjahr 2008 gesagt, als er das Bürgerhaus höchst persönlich an den Stadtbezirk übergeben hat. „Es ist schon bezahlt.“
Was damals als Lacher gedacht war, birgt heute unvorhergesehenen Ernst. Die Stadt Stuttgart hat 200 000 Euro bezahlt, um die Alte Schule neu herzurichten. Viel Geld für das geringe Interesse an dem Haus an der Schemppstraße. Die Summe hat es gebraucht, um das Dach des Gebäudes neu zu decken, eine Zentralheizung zu installieren und mehrere Wände zu versetzen. Im Erdgeschoss ist Platz für Vereine, Gruppen – und Bürger. Im ersten Stock hat sich das Mutter-und-Kind-Café „Muk“ einquartiert.
Das Bezirksamt verwaltet die Alte Schule
Für den zweiten Stock hatten sich vor etwa zwei Jahren Bürger interessiert, die einen Abstellraum für ortshistorisches Material suchten. Weil das Bezirksamt Sillenbuch aber eine symbolische Miete verlangt hätte, haben die Bürger abgewunken. Ausgelöst durch die Berichterstattung des BLICK VOM FERNSEHTURM hat sich das jedoch geändert. Das Bezirksamt will auf die Miete verzichten.
Das Bezirksamt verwaltet das Riedenberger Bürgerhaus. Es koordiniert, wann wer in der Alten Schule ist. Dass in dem Haus nichts los sei, hält der Bezirksvorsteher Peter-Alexander Schreck für ein Gerücht. „Es gibt eine entsprechende Belegung“, sagt er. Als Beispiele nennt der Bezirksvorsteher die Grünen, die SPD, die CDU, die Lokale Agenda, den Handharmonika-Club Flottweg, den Schachclub Sillenbuch, den Chor Viva Voce sowie den Deutsch-Kolumbianischen Freundeskreis.
Es ist richtig, dass sich diese Gruppen und Initiativen in der Alten Schule treffen, allerdings eher selten. Am häufigsten nutzen die örtlichen Grünen das Gebäude an der Schemppstraße: Der Ortsverband trifft sich dort in der Regel einmal im Monat zu seiner Sitzung, wie Ulrich Riegger, der Grünen-Sprecher im Bezirksbeirat, sagt. Alle Termine der genannten Gruppen übers Jahr gesehen, kommen höchstens 50 zusammen. Macht auf die Wochen gerechnet ein Treffen in der Alten Schule.
Keine Gruppe lädt Bürger ein
Was alle Gruppen eint: Sie nutzen das Bürgerhaus nicht, um Bürger zu irgendetwas einzuladen, sie nutzen es für interne Besprechungen. Bleibt das Café Muk als Dauermieter im zweiten Stock. Seine Initiatorin Ingrid Ritter ist im vergangenen Herbst gestorben. Seither ist es ruhig geworden ums Café Muk.
In der Zeit vor Ritters Tod hat das Café Muk in der Alten Schule regelmäßig zur Vorlesestunde geladen, und zum Förderunterricht für Riedenberger Grundschüler. Den Förderunterricht gibt es noch, immer freitagnachmittags. Die Vorlesestunde hingegen, ein Angebot der Stadtbücherei, hat schon vor längerer Zeit den Ort gewechselt.
Wie es anders geht, zeigt zum Beispiel Degerloch. Der Treffpunkt an der Mittleren Straße „ist ein Begegnungs- und Bildungszentrum“, sagt die Bezirksvorsteherin Brigitte Kunath-Scheffold. Die Volkshochschule gibt Kurse, die Musikschule unterrichtet, der Stadtseniorenrat lädt zu seinen Sprechstunden, es gibt Yoga, Chorproben, und so weiter. Im „Treffpunkt Degerloch“ gebe es jeden Tag mehrere Veranstaltungen, sagt Kunath-Scheffold.
Der Bürgertreff müsste zwar dringend saniert werden, er ist nicht behindertengerecht und die Räume sind dunkel. Doch ansonsten hat er gegenüber der Alten Schule in Riedenberg Vorteile. Er liegt günstiger, es gibt zwei Säle und zwei kleine Besprechungszimmer. Das sind Voraussetzungen, die die Leute anlocken.