Alexander Farenholtz bei „Über Kunst“ Der Ermöglicher

Von nbf 

Macher hinter den Kulissen: Alexander Farenholtz, Geschäftsführer  der Kulturstiftung des Bundes in Halle Foto: Falk Wenzel / Kulturstiftung des Bundes
Macher hinter den Kulissen: Alexander Farenholtz, Geschäftsführer der Kulturstiftung des Bundes in Halle Foto: Falk Wenzel / Kulturstiftung des Bundes

Mit den „Stuttgarter Nachrichten“ näher dran an den Entscheidern in der Kulturszene: Alexander Farenholtz ist am 29. Juni um 19.30 Uhr Gast unserer Reihe „Über Kunst“ in der Galerie Parrotta in Stuttgart

Stuttgart - Hier die Inhalte, dort die Abwicklung – das ist eine so grobe wie ungenaue Einteilung ­jeder heute meist üblichen Doppelspitze in Museen und Theatern. Zutreffend ist, dass die Verantwortlichen für die Organisation eines Hauses eher im Hintergrund bleiben. „Und dies“, sagt Alexander Farenholtz, ­Geschäftsführer der Kulturstiftung des Bundes in Halle, „ist im Sinne der Sache auch genau richtig.“ Seit 2002 bildet er als Geschäftsführer mit der Künstlerischen Leiterin Hortensia Völckers die Doppel­spitze der seinerzeit neu gegründeten ­Kulturstiftung des Bundes. Und für ihn ist klar, dass man eine solche Aufgabe nur wahrnehmen kann, „wenn man den eigenen Profilierungsbedarf richtig einschätzt“.

Herausforderung Verwaltung

1954 in Helmstedt geboren, arbeitet Alexander Farenholtz nach dem Studium der Verwaltungswissenschaft an der Universität Konstanz und Tätigkeiten für die Internationale Bauausstellung Berlin sowie die Münchner Gesellschaft für Stadterneuerung von 1982 bis 1986 im Senat der Freien und Hansestadt Hamburg – zuletzt als Leiter der Abteilung Bezirkliche Arbeitsmarktpolitik im Bezirksamt Hamburg-Harburg. 1986 wird Farenholtz Persönlicher Referent des Oberbürgermeisters – seinerzeit Joachim Becker – in Pforzheim. 1989 übernimmt er mit Blick auf die Weltkunstausstellung Documenta IX 1992, die erstmals hauptamtlich organisierte Geschäftsleitung der Documenta und Museum Fridericianum Veranstaltungs-GmbH in Kassel. 1993 geht Farenholtz nach Stuttgart – als Leiter der Zentralstelle des damaligen Ministeriums für Familie, Frauen, Weiterbildung und Kunst Baden-Württemberg in der großen Koalition aus CDU und SPD.

1996 bis 2000 verantwortet Alexander ­Farenholtz gemeinsam mit Tom Stromberg die Leitung des Kulturprogramms der Weltausstellung Expo 2000 in Hannover – um 2001 im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden- Württemberg tätig zu sein. Seit März 2002 agiert Farenholtz als Vorstand und Verwaltungsdirektor der Kulturstiftung des Bundes – und verantwortet im Dialog mit der Künstlerischen Leiterin Hortensia Völckers jährlich eine Fördersumme von 35 Millionen Euro.

Mahnung an die Politik

Und wie sieht Alexander Farenholtz heute die Rollenverteilung der Verantwortlichkeiten im kulturellen Bereich? Sein Blick geht zunächst einmal zurück. „Anlass für die Installation einer hauptamtlichen Geschäftsführung in der Documenta GmbH waren das Ziel eines ganzjährigen Museumsbetriebs im Fridericianum sowie finanzielle Belastungen für die Documenta 8 im Jahr 1987 . Das hat am Anfang auch die Rolle belastet.“ Weil die Erwartungen der Politik zu hoch waren? Farenholtz bleibt zurückhaltend, verweist auf „harte und zahlreiche Verhandlungen mit dem Land Hessen“ – und auf die Möglichkeit des Schwarzer-Peter-Spiels mit entsprechendem Druck auf die Geschäftsführung.

Und er warnt: „Die Kräfte verschieben sich.“ Denn, so Farenholtz, „in dem Maße wie sich die Politik aus dem Kulturbereich zurückzieht und damit auch aus der par­lamentarisch legitimierten öffentlichen Finanzierung von Kunst, scheint es so, als würde die Geschäftsführung für die Politik immer wichtiger, während die künstlerische Verantwortung eher austauschbar ist“.

 

Das Erfolgsmodell

Unter der Leitlinie „neue Wege auszuprobieren und Selbstverständlichkeiten aufs Spiel zu setzen“ avanciert die Kultur­stiftung des Bundes bald nach ihrer ­Gründung zu Zeiten der Koalition aus SPD und Grünen im Jahr 2002 zum zentralen Impulsgeber innovativer Kunstprojekte. „Die ­Politik respektiert“, sagt Farenholtz, „dass wir in der Szene eine gute ­Reputation haben, und vermittelt, dass sie sich auf uns verlassen kann.“ „Uns“ – das ist zuvorderst das Führungsduo, das sind ­Hortensia ­Völckers und Alexander Farenholtz. Nicht anders als Völckers hält sich auch Farenholtz mit einer Einschätzung der ­öffentlichen Bewertung der Kulturstiftung des Bundes zurück. „Ich glaube aber“, sagt er, „dass man den uns unterstellten Einfluss auf eine Ausweitung und Vertiefung innovativer Projekte durchaus positiv verstehen kann.“

Neue Ziele

Und wo sieht Farenholtz künftig thematische Schwergewichte der Kulturstiftung des Bundes? „In der vergangenen Woche“, sagt er, „haben wir ein bis 2022 angelegtes ­Programm zum Thema Migration und Inte­gration verabschiedet. Es geht davon aus, in der Verknüpfung mit kulturellen Einrichtungen ein Volumen von 20 Millionen Euro zu erreichen.“ Eine aus seiner Sicht dringend notwendige Initiative, denn, „die Zuwanderung und die notwendigen Reaktionen in den Stadtgesellschaften werden die kulturelle Landschaft verändern“. „Dabei“, sagt Farenholtz, „verändert sich auch die künstlerische Arbeit – und das ist aufregend.“

Auch Stuttgart profitiert aktuell von der Kulturstiftung des Bundes: Gemeinsam mit dem Theater Rampe initiiert das Künstlerhaus unter dem Titel „Techne“ eine internationale Produktionsplattform, die Theater und Kunst, Technologie und Forschung zusammenbringt. Das mit 140 000 Euro geförderte Projekt „sucht aktuelle künstlerische Positionen, die in Kooperation mit Hightech-Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus der Region dem Themenfeld der Technik neue Aspekte entlocken“. Und ­Alexander Farenholtz ist sich sicher: „Das Ganze wird sehr spannend werden.“

Farenholtz bei „Über Kunst“

Mehr auch dazu gibt es am Mittwoch, 29. Juni, beim „Über Kunst“-Abend mit ­Alexander Farenholtz. „Über Kunst“ findet statt in der Galerie Parrotta in Stuttgart (Augustenstraße 87). Beginn ist um 19.30 Uhr.

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