Albertina in Wien Klimt: Die Welt ist eine Linie

Nikolai B. Forstbauer, 13.04.2012 07:00 Uhr
Im Reigen der Ausstellungen zum 150. Geburtstag von Gustav Klimt ragt die Albertina hervor.

Wien - Es ist ein Klimt-Feuerwerk, das die Wiener Museen in diesen Wochen zünden. Ob die Schätze um den „Kuss“ im Belvedere oder die Friese im Kunsthistorischen Museum und im Museum für Angewandte Kunst oder die biografische Präzision im Leopold-Museum – das Beste ist gerade gut genug. Wie nun würde die Albertina, als grafische Sammlung seit 1920 Hort der Dokumentation und Erforschung des zeichnerischen Werks des Mitbegründers der Wiener Sezession, reagieren?

Mit Rückendeckung von Albertina-Chef Klaus Albrecht Schröder setzt Marian Bisanz-Prakken, mit den Klimt-Zeichnungen seit 1975 vertraut und seit 1991 als Nachfolgerin von Alice Strobl für die 170 Blätter in der Albertina verantwortlich (insgesamt sind für Klimt 4000 Zeichnungen nachgewiesen), auf Zurückhaltung. Es ist eine Zurückhaltung, die auf Konzentration zielt – und sich der kollegialen Einbettung in das Wiener Klimt-Panorama sehr wohl bewusst ist. Völlig fehl gehen so Anmerkungen, die das Fehlen von Klimt-Gemälden bedauern oder gar die eine, die ganz große Klimt-Sause mit Goldglanz und Eros-Gloria vermissen.

Gustav Klimt in vier Kapiteln in der Albertina

Nicht nur zeigt der Ausstellungsreigen zum 150. Geburtstag des am 14. Juli 1862 ­geborenen Malers und Zeichners, auf wie vielen Wegen man sich einem künstlerischen Werk nähern kann, sondern er besticht auch in der thesenhaften Konzentration der Einzelpräsentationen. Für Bisanz-Prakken und deren Assistentin Gunhild Bauer heißt diese knapp: die Welt ist eine Linie. Klimts von ­Alice Strobl dokumentiertes programmatisches Arbeiten in Serien wird für die Besucher der Schau unmittelbar erlebbar. „Gustav Klimt. Die Zeichnungen“ ist die Schau schlicht betitelt – alles andere muss sich aus den Blättern selbst ergeben.

In vier Kapitel (Historismus und früher Symbolismus – 1882 bis 1892, Aufbruch zur „Moderne“ und Secession – 1895 bis 1903, Der Goldene Stil – 1903 bis 1908 und Die Späten Jahre – 1910 bis 1918) haben Marian Bisanz-Prakken und Gunhild Bauer ihre Präsentation aufgeteilt, und von Beginn an zeigt sich ein Widerspruch in Klimts Schaffen. Akademische Präzision und Aufbruch beziehungsweise Ausbruch bilden bis in die knappe Umrisslineatur des allzu frühen Todesjahres 1918 hinein ein ungleiches und sich vielleicht gerade deshalb befeuerndes Dialogpaar.

 
 
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