Agata Madejska in der Galerie Parrotta Die Ängste der Wächter

Von Nikolai B. Forstbauer 

Ihre außergewöhnlichen Blicke auf Orte und Verhältnisse haben Agata Madejska früh bekannt gemacht. Ihr neues Projekt „Technocomplex“ entführt in die Eigenwelt der City of London.

Stuttgart - Stumme Wächter umgeben die Square Mile, schützen die City of London, bewachen die Stadt in der Stadt, die sich ebenso einen eigenen Bürgermeister wie eine eigene Farbe leistet. Man kann all dies als Fundobjekte einer bestimmten Periode und eines geografischen Raums verstehen, die spezifische sie verbindende Merkmale oder Techniken aufweisen. Agata Madejska zumindest nutzt sie entsprechend – und präsentiert ihre künstlerische Forschungsarbeit nun in der Stuttgarter Galerie Parrotta unter dem Titel „Technocomplex“.

Programmatisch wie die Galerie selbst

Da ist es gut, sich noch einmal dem Selbstverständnis der im August nach Köln aufbrechenden Galerie zu nähern: Sie hat Malerei, Fotografie, Video, Skulptur, Installation, Grafik und Performance gezeigt. „Stets“, heißt es da, „haben sich die künstlerischen Arbeiten einer sehr spezifischen Raumsituation zu stellen. Die Galerie Parrotta fokussiert künstlerische Positionen, die einen konzeptuellen Ansatz verfolgen.“

Die Wächter sind ihrer Schrecken beraubt

1979 in Warschau geboren und 1992 mit ihrer Familie nach Deutschland gekommen, schließt Madejska 2007 ihr Studium an der Folkwangschule ab. Der Fotografie bleibt sie treu – besser der Frage nach den skulptu­ralen, nach den plastischen Qualitäten des Fotografischen. „Technocomplex“ verwandelt entsprechend vor allem den Hallenraum in ein konzeptionelles Ganzes, in dem die Wächter der City of London sich bis in die Farbgebung hinein eigentlich in ihrem Element fühlen könnten. Jedoch – sie sind ihrer Schrecken beraubt, sind im eigentlichen Sinn nackt, ausgeliefert. Kulminierend in der Verletzlichkeit des eben noch Dominanz verkündenden männlichen Geschlechts.

„Technocomplex“ zeigt, wo Agata Madejska aktuell steht – und wo eine Galerie ­stehen kann, wenn sie es ernst meint.

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