AfD-Mann Bernd Grimmer Der Stimmenkönig aus Pforzheim

Von Willi Reiners 

AfD-Mann Bernd Grimmer  Foto: dpa
AfD-Mann Bernd Grimmer Foto: dpa

Bernd Grimmer war mal ein Grüner. Jetzt hat er Pforzheim für die AfD erobert. Nach einem harten Wahlkampf hofft er auf einen normalen Umgang zwischen den Parteien.

Pforzheim - Bei Bernd Grimmer, dem 65-jährigen Stimmenkönig der AfD im Südwesten, stehen am Montag die Telefone nicht still. In einer Tour bimmelt es. 24,2 Prozent der Stimmen hat der Sprecher des AfD-Landesvorstands im Wahlkreis Pforzheim geholt. Am Tag nach der Landtagswahl macht das den promovierten Politik- und Wirtschaftswissenschaftler, der lange für eine Berufsgenossenschaft tätig war, zu einem bundesweit begehrten Gesprächspartner.

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Die Freude, eines von zwei Direktmandaten für die AfD errungen zu haben, lässt Grimmer sich am Telefon nicht unbedingt anmerken. Er habe es mit dem Feiern nicht übertrieben, „gegen Mitternacht war Schluss für mich und meine Frau“, berichtet der Ruheständler. Eher schon spürt man im Gespräch die Genugtuung, am Ende eines mit harten Bandagen geführten Wahlkampfs die Nase vorn gehabt zu haben, wenn auch nur knapp – 59 Stimmen machten den Unterschied in Pforzheim.

„Es gab eine heftige Schmutzkampagne gegen uns, in Pforzheim, aber auch landesweit. Wiederholt wurden wir an unseren Informationsständen hasserfüllt angegriffen“, klagt Grimmer. Von den anderen Parteien fühlt er sich unfair behandelt. Vor allem der Spitzenkandidat der FDP, Hans-Ulrich Rülke, mit dem er im Pforzheimer Gemeinderat sitzt, habe keine Gelegenheit ausgelassen, die AfD „niederzumachen“.

Keine Berührungsängste

Am Erfolg seiner Partei habe er gleichwohl nicht gezweifelt, sagt Grimmer. „Es gab eine klare Wechselstimmung, viele Menschen waren und sind der Meinung, dass es so nicht weitergehen kann, insbesondere in der Zuwanderungsfrage.“ Auch die innere Sicherheit sei ein wichtiges Thema gewesen. Viele Frauen, die sich nach den Ereignissen von Köln nicht mehr raustrauten, hätten ihn und seine Parteifreunde angesprochen.

Grimmer setzt darauf, dass sich der Umgang mit den politischen Gegnern nun normalisiert. „Ich hoffe, dass man sich im Gemeinderat wieder mit Handschlag begrüßen und sich in die Augen schauen kann“, sagt er. Berührungsängste scheint er selbst nicht zu haben, was an seiner bunten politischen Biographie liegen könnte. Grimmer startete bei den Grünen, für die er 1984 ins Pforzheimer Stadtparlament einzog, später wechselte zu den Freien Wählern.

Und was erwartet die AfD im Landtag? Grimmer befürchtet, dass die anderen Parteien die 23 AfD-Abgeordneten zunächst zu ignorieren werden. „Das ist kein Stil, das würden wir heftig anprangern“, kündigt er an. Und ist sich zugleich sicher, dass eine Strategie des Ausgrenzens für die übrigen Fraktionen nicht aufgehen würde. „Die haben ja vielleicht schon gemerkt, dass das bei den Wählern nicht verfängt.“

Fraktion trifft sich am Mittwoch

Am Mittwoch kommen die Mitglieder der künftigen AfD-Fraktion erstmals zusammen. Bis auf zwei kenne er alle Kollegen bereits, sagt Grimmer. Es werde noch keine Personalentscheidungen, wohl aber Vorgespräche dazu geben. Auch über künftige Schwerpunkte wolle man sprechen, so Grimmer. Er nennt die innere Sicherheit und die Schulpolitik. Im Wahlkampf hatte er sich wiederholt gegen die „aktuelle Inklusionspolitik“ und für „politische Neutralität“ an Schulen ausgesprochen.

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