AfD-Bundestagskandidat Markus Frohnmaier Ein Shooting-Star mit Widersprüchen

Von Gerlinde Wicke-Naber 

Markus Frohnmaier ist in Weil der Stadt aufgewachsen. Foto: factum/Weise
Markus Frohnmaier ist in Weil der Stadt aufgewachsen. Foto: factum/Weise

Markus Frohnmaier aus Weil der Stadt kandidiert für die AfD im Wahlkreis Böblingen. Seine Aussichten für einen Wechsel nach Berlin sind denkbar gut.

Böblingen - Am Kepler-Denkmal am Marktplatz von Weil der Stadt (Kreis Böblinge) trifft sich Markus Frohnmaier zum Gespräch mit der Journalistin. Gewünscht hatte sich diese den Lieblingsplatz des AfD-Politikers in seinem Wahlkreis Böblingen. Doch das Kepler-Denkmal ist nur der zweitliebste Ort des 26-Jährigen. Sein Lieblingsplatz liegt im Stadtteil Schafhausen. Dort ist Frohnmaier aufgewachsen. „Doch da gibt es nichts, wo wir uns hinsetzen könnten.“

Und schon ist der Jungpolitiker mitten drin im Wahlkampf. Die Infrastruktur im Kreis und im Besonderen in seinem Heimatort Schafhausen sei schlecht. Es fehle im Kreis an Wohnungen, die Schulen müssten dringend saniert werden. Schafhausen brauche einen Anschluss an die S-Bahn und die Schnellstraßen. Dies sind Ziele, die Frohnmaier für seinen Wahlkreis hat, sollte er am 24. September gewählt werden.

Kontakte zu rechten Organisationen in halb Europa

Die Aussichten dafür sind denkbar gut. Frohnmaier hat einen sicheren Platz vier auf der Landesliste. Er gilt als Shooting-Star der AfD, war öfters Thema von Berichterstattungen in überregionalen Medien. Er wird dem rechten Flügel seiner Partei zugerechnet, ist Bundesvorsitzender der Jugendorganisation, war Pressesprecher der Parteichefin Frauke Petry, die den 1.70 Meter großen Mann laut Spiegel mal als „ Kampfzwerg“ bezeichnete. Seit einigen Monaten ist er Sprecher der Spitzenkandidatin Alice Weidel. Für die Junge Alternative knüpft er Kontakte zu rechten Organisationen in halb Europa. Mehrere Male war er bereits in Russland. Enge Kontakte pflegt er auch zur FPÖ-Jugend in Österreich. Sein Ziel ist, ein Netz rechter Jugendorganisationen in Europa zu knüpfen.

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Das Ganze hat auch innenpolitisches Kalkül. „Unter den Russlanddeutschen und Serben gibt es viele Konservative. Die möchten wir natürlich gerne für uns gewinnen“, gibt er unumwunden zu. Seine besondere Begeisterung für Russland erklärt er mit dem „Familiensinn der Russen“. „Das fehlt uns in Deutschland.“ Weniger gut zu sprechen ist der Jura-Student auf andere Zuwanderer. In den Menschen muslimischen Glaubens, vor allem den jungen Männern zwischen 18 und 35, sieht Frohnmaier eine Gefahr für Deutschland. „Es gibt bereits jetzt Gebiete in Deutschland, in die sich viele Bürger nicht mehr trauen. No-Go-Areas für Deutsche. Das ist inakzeptabel.“ Die Kriminalstatistik weise einen signifikanten Anstieg bei den Sexualstraftaten auf. Für Frohnmaier eine klare Folge der Zuwanderung junger Männer aus anderen Kulturen.

Unstimmigkeiten wischt Frohnmaier zur Seite

Er fordert, bei allen Straftätern den Migrationshintergrund „bis in die dritte oder vierte Generation zu ermitteln, damit die Kriminalstatistik die Realität wiedergibt“. Denn: „38 Prozent der Tatverdächtigen in Deutschland sind Ausländer. Nicht einbezogen sind Menschen mit Migrationsgeschichte. Das würde die Statistik noch mal massiv verändern, vermute ich.“ Dass mittlerweile ein Großteil der Bürger in Deutschland Wurzeln im Ausland hat, wenn man vier Generationen zurückgeht – dieses Argument ficht den Politiker nicht an. Auch er selbst ist kein gebürtiger Deutscher. Als Baby wurde er von seinen Adoptiveltern aus einem rumänischen Kinderheim geholt. Und seine Frau stammt aus der koreanischen Minderheit in Russland.

Auch andere Unstimmigkeiten in der AfD wischt Frohnmaier bei Seite. So die Tatsache, dass seine Chefin, die Spitzenkandidatin Alice Weidel, in einer lesbischen Beziehung mit Kindern lebt. Die AfD jedoch wettert ausdauernd gegen die „Ehe für alle“. „Wir erkennen an, dass es andere Lebensmodelle gibt. Aber wir wollen diese nicht zur Norm machen“, versucht Frohnmaier diesen Widerspruch aufzuheben. Auch bei anderen Themen fährt der 26-Jährige eine harte Linie. Man müsse darüber nachdenken, das Jugendstrafrecht bei 16 Jahren enden zu lassen, dann nach Erwachsenenrecht zu verurteilen. „Wenn man das Wahlalter auf 16 senken möchte, muss das auch beim Strafrecht gelten.“ Frohnmaier ist ein talentierter Rhetoriker, der die Kunst der Polemik beherrscht. Der „Gutmenschenfonds“ ist ein Beispiel dafür. In diesen sollten „die Gutmenschen“ zur Finanzierung der Flüchtlinge einzahlen.

Seine Partei gebe der Jugend Chancen, lobt er. Die Junge Alternative präge das Profil der AfD maßgeblich mit. Bei den Anhängern jedoch scheinen die Älteren zu überwiegen. Bei einer der wenigen Wahlkampfveranstaltungen im Kreis, zu der die Frontfrau Beatrix von Storch anreist, sind die Jungen in der Minderheit – als Demonstranten mit Trillerpfeifen. Im Saal sitzen ausschließlich ältere Semester.

4 Fragen, 4 Tweets

Die Bundestagskandidaten wurden aufgefordert, die Fragen im Stil der Internet-Kurznachrichten-Plattform Twitter zu beantworten. Dort sind für eine Nachricht maximal 140 Zeichen erlaubt.

1) Wann kaufen Sie Ihr erstes Elektroauto?

In ferner Zukunft vielleicht. Zurzeit sind Diesel-Autos wegen der Batterieherstellung noch immer umweltfreundlicher als Elektro-Autos.

2)Was tun gegen die explodierenden Miet- und Immobilienpreise?

Die Mietpreisbremse verschärft das Problem und gehört abgeschafft. Wegen ihr bauen Privatunternehmen bevorzugt nur teure Luxuswohnungen.

3) Wie viel Geld geben Sie für Ihren Wahlkampf aus?

Wir verfügen leider nicht über die Mittel der Altparteien. Deshalb zu wenig.

4) Was halten Sie von der Homo-Ehe?

Ehe besteht laut Grundgesetz und Verfassungsgericht aus Mann und Frau. Für andere Verbindungen gibt es die eingetragene Lebenspartnerschaft.

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