Ärger in Tübingen Grapschereien bei Studentenparty

Von Eberhard Wein 

Das bunt besprühte Epplehaus ist nach einem Jugendlichen benannt, der 1972 nach einer Verfolgungsjagd von Polizisten erschossen wurde. Ob man deswegen ungern die Beamten ruft? Foto: Epplehaus
Das bunt besprühte Epplehaus ist nach einem Jugendlichen benannt, der 1972 nach einer Verfolgungsjagd von Polizisten erschossen wurde. Ob man deswegen ungern die Beamten ruft?Foto: Epplehaus

Entschieden zu weit ging, was einer Fachschaftsparty in Tübingen jungen Frauen passiert ist. Jetzt wird auf Facebook diskutiert, und der Oberbürgermeister Boris Palmer mischt kräftig mit.

Tübingen - Bei einer Fachschaftsparty der Tübinger Erziehungswissenschaftler im selbst verwalteten Epplehaus ist es offenbar zu sexuellen Übergriffen gekommen. „Ich wurde einfach angefasst, gezogen, man hat mich trotz mehrfacher Gegenwehr nicht in Ruhe gelassen“, zitiert der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) auf seiner Facebook-Seite den Bericht einer jungen Frau. Dazu teilte er eine Mitteilung der Fachschaft.

Darin ist von „massiven Grenzverletzungen und sexuellen Belästigungen“ die Rede. Auch bei einer Veranstaltung am Folgeabend gab es Klagen. Unter den Tätern hätten sich mehrere Schwarzafrikaner befunden, erklärte die Stadtverwaltung.

Man sei schon länger mit der Problematik sexueller Übergriffe konfrontiert, hieß es in einer Stellungnahme des Epplehauses. Es gebe Gegenkonzepte. Am vergangenen Wochenende habe man die Situation aber falsch eingeschätzt, „so dass wir sie leider nicht in den Griff bekamen“. Offenbar gelang es den Veranstaltern nicht, die Täter des Hauses zu verweisen. Warum die Polizei nicht gerufen wurde, ist unklar. „Uns liegen keine Anzeigen vor“, sagte ein Sprecher des Präsidiums in Reutlingen.

Die Polizei wird nicht gerufen

Dass Palmer den Post der Fachschaft verbreitete, stieß bei den Studenten auf Kritik. Der OB, dessen harte Äußerungen zur Flüchtlingspolitik schon auf Plakaten am Epplehaus kritisiert wurden, missbrauche die Fachschaftsstellungnahme für politische und rassistische Zwecke, hieß es. Das eigentliche Problem des Sexismus werde dadurch in den Hintergrund gedrängt.

Lesen Sie jetzt