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Ägypten Am längsten dauert die Krise im Kopf

Lisa Welzhofer, vom 16.01.2012 06:45 Uhr
Blick vom Dach des österreichischen Hospizes in der Jerusalemer Altstadt. Foto: Welzhofer
Blick vom Dach des österreichischen Hospizes in der Jerusalemer Altstadt. Foto: Welzhofer

Herr Röwekamp, im Oktober 2010 standen wir mit anderen Journalisten auf dem Tahrir-Platz in Kairo. Das war nur wenige Wochen, bevor die Revolution begann...
Ich erinnere mich gut. Ich war nach dieser Reise im Januar 2011 noch einmal dort, weil unser ägyptischer Mitarbeiter Geburtstag hatte. Neben aller Freude über die Veränderungen fragt man sich als Geschäftsführer eines Reiseveranstalters natürlich sofort, welche Auswirkungen das auf den Tourismus haben wird.

Und welche Folgen hatte der Arabische Frühling für Biblische Reisen?
Tunesien- und Ägypten-Reisen haben wir kurzzeitig aus dem Programm genommen. Diese Länder kommen langsam zurück. Ganz anders ist die Lage in Syrien, für das es eine Reisewarnung gibt. Wann Reisen dorthin wieder möglich sein werden, ist unklar. Vor allem, wann das Bild des Landes wieder so sein wird, dass die Leute dorthin reisen wollen.

Ist dieses Bild in den Köpfen oft schlechter als die tatsächliche Situation?
Ja, je weiter entfernt und je fremder ein Land ist, desto länger braucht es, um sich touristisch zu erholen. Terroranschläge in Madrid und London können so schrecklich sein, wie sie wollen, den Tourismus dort beeinflusst das nur begrenzt. Wenn so etwas im Nahen Osten passiert, kann das den Tourismus für Jahre zum Erliegen bringen.

Woran liegt das?
Aus europäischen Ländern erreichen uns viele andere, positive Bilder. Aus weit entfernten Regionen haben wir oft nur die negativen. Das ist mir vor vielen Jahren klargeworden, als ich einmal einen unserer ägyptischen Mitarbeiter fragte, wann er wieder seinen jährlichen Deutschland-Besuch machen würde. Er sagte mir: „Dieses Jahr komme ich nicht. In Deutschland werden Ausländer jetzt verbrannt.“ Das war in den 90er Jahren, als Anschläge auf Asylbewerberheime verübt wurden. Das war das Einzige, was ägyptische Medien aus Deutschland berichteten. Genauso geht es uns mit dem Nahen Osten.

Ein Hauptreiseziel von Biblische Reisen war von Anfang an Israel. Wie hat der Konflikt mit den Palästinensern und mit den Nachbarstaaten die Arbeit geprägt?
Ob es der Sechs-Tage-Krieg 1967 war, der Konflikt mit der Hisbollah oder der Einmarsch der Israelis im Gazastreifen – solche Ereignisse haben sofort eine große Wirkung. Reisen werden abgesagt. Fast gänzlich zum Erliegen kam der Israel-Tourismus während der beiden Intifada ab 1987 und ab 2000 sowie durch den Golfkrieg 1991. Das war für uns fast existenzbedrohend.

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