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ACTA-Abkommen Deutschland legt Unterzeichnung vorerst auf Eis

dpa, vom 10.02.2012 17:21 Uhr
 Foto: dpa
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Berlin - Deutschland wird das umstrittene ACTA-Abkommen zum internationalen Urheberrecht vorerst nicht unterzeichnen. Die zuständige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) habe Bedenken angemeldet, sagte am Freitag ein Sprecher des Auswärtigen Amts. Eine Entscheidung in der Sache sei damit aber nicht verbunden.

Die Gegner des umstrittenen Vertrags, unter ihnen die Grünen, die Linke und die Piratenpartei, begrüßten die Entscheidung als einen ersten Erfolg. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) kritisierte sie hingegen. „Es ist notwendig und geboten, dass alle Fakten auf dem Tisch liegen“, forderte Leutheusser-Schnarrenberger. Jetzt müsse sich das Europaparlament mit dem Abkommen befassen und „entscheiden, ob es ACTA will oder nicht will“.

Deutschland wolle den Vertrag "in Kürze" unterzeichnen

Der auf Initiative der USA und Japans ausgehandelte Vertrag regelt unter anderem die „Durchsetzung von Rechten des geistigen Eigentums im digitalen Umfeld“. Kritiker sehen darin hingegen eine Einschränkung von Freiheitsrechten im Internet. Das Anti-Counterfeiting Trade Agreement (Handelsabkommen zur Abwehr von Fälschungen) wurde am 26. Januar von der EU sowie von 22 der 27 Mitgliedsstaaten unterzeichnet. Deutschland habe den Vertrag nur „aus formalen Gründen“ noch nicht mit unterzeichnet, die fehlende Unterschrift werde „in Kürze“ nachgeholt, hieß es daraufhin im Auswärtigen Amt.

Eine bereits erteilte Weisung für die Unterschrift unter das Vertragswerk wurde nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa wieder zurückgezogen. „Wir begrüßen es, dass die Bundesregierung zurückrudert und ACTA vorerst nicht unterzeichnen wird“, hieß es in einer schriftlichen Erklärung der Grünen. Jetzt müsse das Europaparlament die Ratifizierung verhindern und ACTA endgültig zu Fall bringen, forderten Parteichefin Claudia Roth und der netzpolitische Sprecher Malte Spitz. Die Grünen hielten daher an ihrem Aufruf zu europaweiten Protesten am Samstag fest.

Auch innerhalb der FDP wurden Bedenken laut

Bedenken wurden auch innerhalb der FDP laut. Deren Abgeordneter Manuel Höferlin erklärte: „Die Verhandlungspartner des Abkommens, unter anderem die EU-Kommission, müssen sich vorwerfen lassen, dass sie die aktuellen Proteste durch ihre sehr intransparente Verhandlungsweise selbst ausgelöst haben.“ Hingegen sprach der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Markus Kerber, von einer „Rolle rückwärts“, die dem Innovationsstandort Deutschland schade und ein fatales Signal nach Brüssel sende.

Weltweit wird mit bis zu 200.000 Demonstranten gerechnet

Die Veranstalter der Anti-ACTA-Demonstrationen am Samstag, zu denen auch die Piratenpartei gehört, erwarten mehrere zehntausend Teilnehmer in insgesamt 60 deutschen Städten. Weltweit rechne man mit 150.000 bis 200.000 Teilnehmern, teilte der internationale Koordinator der Kampagne „Stopp ACTA“, Sebastian Radtke, am Freitag der Nachrichtenagentur dpa mit. Der ACTA-Vertrag sieht unter anderem vor, dass Internet-Provider Daten wie die IP-Adresse herausrücken sollen, um bei Verstößen gegen das Urheberrecht eine Identifizierung von Personen zu ermöglichen. Inhaber von Urheberrechten können dann ihre Ansprüche juristisch durchsetzen.

Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger erklärte hingegen: „Internetprovider sind keine Hilfssheriffs.“ Auch in anderen EU-Ländern nahmen in den vergangenen Tagen die Bedenken zu. In Polen, Tschechien und Lettland wurde die Ratifizierung des Vertrags nach heftigen Protesten vorerst ausgesetzt. „Wir dürfen auf keinen Fall zulassen, dass die bürgerlichen Freiheiten und der freie Zugang zu Informationen in irgendeiner Weise bedroht sind“, erklärte der tschechische Ministerpräsident Petr Necas.

Brüssel hielt sich am Freitag mit Reaktionen zurück. „Die EU-Kommission kann die Entscheidungen der Mitgliedsstaaten, wie sie mit Acta umgehen, nur zur Kenntnis nehmen“, sagte eine Kommissionssprecherin auf Anfrage. Der Sprecher von EU-Digitalkommissarin Neelie Kroes betonte: „ACTA wird nicht verändern, wie wir das Internet täglich erleben.“ Ziel des Vertrages sei es, ein ausgeglichenes Spielfeld für EU-Exporteure zu schaffen.

Kommentare (2)
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FEB
14
11:40 Uhr, geschrieben von Albert Seitzer
Nein, ich bin nicht gegen Demonstrationen!
Aber ich hätte gern Parlamente, Parlamentarier bei denen ich davon ausgehen kann, dass sie zum Wohl der Bürger und Menschen entscheiden. Stattdessen hab ich den Eindruck, wenn die Lobby nur finanzkräftig genug ist, kann sie alles durchsetzen. Es muss da also Einflussmöglichkeiten geben, die weitaus wirksamer sind als die Demonstrationen. Bei ACTA fällt dann auf, dass sehr viele Länder zustimmen, ich vermute, dass die USA da Druck macht. Unter dem Vorwand geistiges Eigentum zu schützen wird der Austausch von Ideen, Gedanken und Erfahrungen kontrolliert und mit Gebühren und Strafen belegt. Wenn man bedenkt, wie schwer sich die Regierungen dagegen tun, gegen Kindesmisshandlungen vor zu gehen mit denen im Internet Geschäfte gemacht werden, da wäre so eine internationale Vereinbarung überfällig.
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FEB
13
16:48 Uhr, geschrieben von Albert Seitzer
Muss denn jedesmal erst groß demonstriert werden?
Stimmen die Parlamentarier Europas denn jedem Scheiß zu, was bekommen sie dafür von der Lobby? Bei ACTA geht es nur nebenbei um Nachahmerprodukte. In der Hauptsache geht es um Eigentum an Texten, Bildern, Filmen, Musik. Vor allem die Film- und Musikindustrie will leichter auch ungerechtfertigt Geld eintreiben. Schon jetzt, ohne ACTA, stellen Betrüger Bilder, Texte u. a. ins Netz oder schicken es unerwünscht zu um dann Geld wegen Urheberrechtsverletzungen einzutreiben. Manche Gerichte gehen diesen Betrügern dabei immer noch auf den Leim und unterstützen sie sogar. Nun wollen die großen ganz legal diese Betrügereien auch durchführen ohne Rücksicht auf Menschenrechte. Massenweise werden in Europa bereits jetzt vor ACTA sogar Kinder kriminalisiert und bestraft, wenn sie einen Download mit einem Freund teilen. Man stelle sich vor, versucht wurde es schon, jemand erhält das Urheberrecht auf den Buchstaben "E". Mit ACTA kann er dann alle Teilnehmer des Internets beliebig abkassieren. Hier wird der Verbraucherschutz umgedreht, in einen Betrügerschutz und -förderung. Mit der GEMA haben wir schon so was in Deutschland, das rechtlich völlig aus dem Ruder gelaufen ist. ACTA macht das international! Gerade die USA ist daran weltweit Strafgelder einzutreiben, für Verbrechen ist das gut, aber Gedankenaustausch darf nicht strafbar gemacht werden! ACTA macht das! Dieser Text darf vervielfältigt, veröffentlicht und kostenlos für menschenfreundliche Angelegenheiten benutzt werden!
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