Ablaufende Police Neues Gesetz bringt Abstriche bei Lebensversicherung

Sabine Klotzbücher, 30.11.2012 11:43 Uhr
Ein 60-Jähriger erfährt, dass seine Kapitallebensversicherung, die er im Januar ausbezahlt bekommt, bis zu zehn Prozent niedriger ausfällt als bisher berechnet. Grund ist eine Gesetzesänderung, die zehn Tage zuvor in Kraft tritt.

Stuttgart - Besitzer einer Kapitallebensversicherung, die in den kommenden Monaten abläuft, sollten ihren Versicherungsberater aufsuchen. Grund ist ein neues Gesetz, nach dem die Versicherungen ihre Kunden nicht mehr so stark wie bisher an den Bewertungsreserven auf festverzinsliche Wertpapiere beteiligen müssen. Das Gesetz wurde Anfang des Monats vom Bundestag verabschiedet und soll am 21. Dezember 2012 in Kraft treten.

Unserer Zeitung liegt der Fall eines Allianz-Kunden vor, dessen Kapitallebensversicherung zum 1. Januar 2013 fällig wird. Inklusive Überschussbeteiligung sollte die Schlusszahlung nach der bisherigen Rechnung 92.000 Euro betragen. Durch das neue Gesetz könnten es nach Schätzungen seines Beraters 6000 bis 8000 Euro weniger sein.

An diesem Freitag kündigen

Nach Angaben des Bundesverbands der Ruhestandsplaner Deutschland (BDRD) dürften vor allem 55-bis 65-Jährige betroffen sein, weil in diesem Alter besonders häufig Lebensversicherungen ausbezahlt werden. Ihnen werden die bisher hohen Bewertungsreserven durch die Neuregelung entzogen, so dass die Schlusssummen deutlich niedriger sind als die bisherigen Pro­gnosen. Verbraucher, deren Policen erst in einigen Jahren fällig sind, werden hingegen profitieren, denn die Versicherer gleichen mit den Bewertungsreserven Differenzen zum Garantiezins aus.

In bestimmten Fällen kann eine vorgezogene Kündigung von Policen, die bald auslaufen, den Kunden mehr Geld bescheren als nach Inkrafttreten der Neuregelung. Versicherte, deren Vertag im nächsten Jahr abläuft, müssten dann allerdings an diesem Freitag kündigen.

Offenbar war sich der Gesetzgeber nicht über die Auswüchse der Neuregelung im Klaren. Nach zahlreichen Beschwerdebriefen denkt man nun über Änderungen nach. „Sollten sich die Einschnitte bestätigen, ist es durchaus denkbar, dass das Gesetz noch angehalten wird“, bestätigte ein Unionsabgeordneter unserer Zeitung.

 
 
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Politikverdrossener Ist schon länger als 1 Jahr her
Unsere Politiker haben vor 12 Jahren die private Vorsorge fürs Alter beschlossen. Jeder Beschäftigte sollte bis zu 4% seines Einkommens in ein Riesterprodukt stecken. Nutznießer waren und sind vor allem Besserverdienende, da die unteren Einkommensbezieher kaum in der Lage sind, die Beiträge abzuzweigen. Inzwischen ist auch dem letzten Rentenanwärter klar, dass diese politische Entscheidung ausschließlich der Versicherungsmafia von Nutzen war und ist. Blickt man auf die Entwicklung der Ablaufleistungen von Kapitallebensversicherungen, muss man feststellen, dass die ursprüngliche Zusage der Versicherer um 10-20% höher war. Die Versicherten können froh sein, wenn die über die Jahre ausbezahlten Beträge - besonders bei Riesterverträgen - den einbezahlten entsprechen. Nichts desto Trotz hält unsere Regierung weiter an diesem Volksverdummungskonzept fest. Nachdem seit 2004 nach einer Gesetzesänderung von Direktversicherungsvertägen nach deren Auszahlung 10 Jahre lang KV- und PV-Beiträge aus der Ablaufsumme bezahlt werden muss, und diese Anlageart damit faktisch abgewickelt wurde, gibt es jetzt erneut eine Vorlage für die Finanzindustrie. Damit sinkt die Auszahlsumme einer Lebensversicherung nochmal um bis zu 10%. Bei den 'normalen' Bürgern gibt es offensichtlich keinen Bestandsschutz mehr, ganz im Gegensatz zu der Ehrensolddebatte für unseren letzten Bundespräsidenten. Da war sich die Koalition ganz schnell einig, dass hier Bestandsschutz gelten muss.
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