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Abriss des Olgahospitals Ein Kran zerlegt das Olgäle

Von bec 

Patrick Hartl ist Kranfahrer und hilft mit ruhiger Hand beim Abriss des Olgahospitals. Als Kind lag der 32-Jährige selbst in dem Kinderhospital. Ein Besuch in seiner Fahrerkabine.

Stuttgart - Über den Dächern Stuttgarts ragen Krane in den Himmel. Da sind die 50 Meter hohe Turmdrehkrane beim Boschareal, dort wo das neue Wohnviertel das Rosenberg entsteht. Weiter in der Ferne, vor dem Hintergrund dunkelgrüner Hügel, steht ein scheinbar miniaturhafter Kran, der in Fellbach den Gewa-Tower errichtet.

„Der Kran müsste 130 Meter hoch sein“, sagt Patrick Hartl und zeigt aus seinem Fenster. Er selbst sitzt in der Fahrerkabine seines mobilen Krans in 30 Meter Höhe direkt neben dem Olgahospital. In der Ferne, wo die längeren Krane ihre Hälse strecken, entstehen neue Gebäude. Hier, im Hinterhof des ehemaligen Kinderhospitals von Stuttgart, steuert Hartl mit ruhiger Hand den 45 Meter langen Arm des MK 88, und hilft den Baggern dabei, die traditionsreiche Einrichtung dem Erdboden gleich zu machen.

Im Jahre 1842 von den beiden Ärzten Georg von Cleß und Otto Elben gegründet, wurde das Krankenhaus nach der russischen Zarentochter Olga benannt, die den Kronprinzen Karl von Württemberg heiratete. Sie nahm die Anstalt in ihren persönlichen Schutz und ließ 40 Jahre später nach der Gründung die Räumlichkeiten an der Bismarckstraße im Stuttgarter Westen errichten. Dort konnten ärmere Bürger ihre Kinder kostenlos behandeln lassen, während die reicheren ein angemessene “Kostgeld“ bezahlen mussten. Nachdem die Fliegerbomben des Zweiten Weltkriegs nicht spurlos an dem Krankenhaus vorübergingen, nahm das von Stuttgartern sogenannte Olgäle erst 1974 wieder den Betrieb an der Bismarckstraße 8 auf. Im Mai 2014 zog es auf das Gelände des Katharinenhospital um. Im sogenannten Olga-Areal sollen nun bald – nach dem Abriss des Gebäudes – 220 neue Wohnungen entstehen.

Hochgiftiges Asbest im Dämmmaterial

Für Hartl, der seit vier Jahren bei Stuttgarter Schlopp GmbH tätig ist und alle mögliche Arbeiten vom Gebäudeabriss bis zum Transport von Swimming-Pools für die „etwas reicheren Bewohner Stuttgarts“ gemacht hat, ist es dieses Mal etwas besonderes: „Als ich als Kind krank war, lag ich selbst im Olgahospital“, sagt der 32-Jährige. Etwas wehmütig werde er schon, wenn die alten Gemäuer nun Stück für Stück abgetragen werden.

An der Laufkatze seines roten Krans hängt ein Personenwagen, in dem ein Kollege in Schutzkleidung wild gestikuliert. Ein bisschen nach rechts, etwas höher, näher und dann stößt der Wagen butterweich gegen das Beton des Olgäle. „Als Kranführer braucht man schon eine ruhige Hand“, sagt Hartl. Dann startet der Kollege die Säge und entfernt die Asbest-Dämmungen, die hochgiftig sind und später in großen weißen Nylonsäcken verstaut werden. Direkt unter Hartls Füßen sieht man durch die Unterbodenscheibe auf ein bereits teilweise abgetragenes Dach, wo die Säcke mit dem gefährlichen Inhalt gelagert werden. Aus dieser Höhe sehen sie aus wie kleine Wattebällchen.

Ein Bagger schneidet sich durch das Beton

Hartl arbeitet gerne über den Dächern der Stadt. „Auf die längeren Krane muss man noch Treppen steigen“, sagt er, „Das kann schon 20 Minuten dauern, bis man oben ist.“ Der Mannheimer, inzwischen sesshaft in Ludwigsburg, hat es hingegen gemütlicher. Seine Fahrerkabine, die gerade Platz genug für zwei Personen bietet, funktioniert wie ein Aufzug – in weniger als einer Minute ist er oben. Im Winter hat er eine Heizung, im Sommer eine Klimaanlage, zur Unterhaltung ein Radio und manchmal nimmt er ein Buch mit, weil man als Kranführer auch mal warten muss, bis der Kollege seine Arbeit erledigt hat. Als dieser die Dämmungen an der Außenwand abgesägt hat, winkt er zu Hartl, der ihn geschmeidig an die nächste Betonplatte manövriert. „Es ist ein toller Job“, sagt Hartl, während die Sonne in den frühen Morgenstunden durch die Wolken bricht und Stuttgarts Dächer in Orange tüncht.

Unter ihm haben die Bodentruppen in Form der Bagger inzwischen vom Tieflöffel zur hydraulischen Schere gewechselt. Sie schneiden sich durch das Beton wie durch Papier, Wände mit bunter Wandfarbe krachen auf die Erde und wirbeln dichten Staub auf. Heute verlässt Hartl mit seinem Kran die Baustelle im Olga-Areal. In ungefähr zwei Monaten kommt er wieder, um das Olgäle von der Ostseite her langsam, aber sicher abzutragen, bis es ganz verschwunden ist.

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