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Kehrwoche in Stuttgart Was Sie über die Kehrwoche wissen müssen

Von Andrea Jenewein 

 Foto: Michael Steinert
Foto: Michael Steinert

Der Herbst ist die Zeit, in der die Kehrwoche wieder besonders beschwerlich wird: Was hat es mit dieser Tradition auf sich? Wie sehen die Regeln heute aus? Ein Überblick über ein schwäbisches Kulturgut. 

Stuttgart - Der Herbst ist da, die ersten Blätter fallen: Jetzt beginnt die Zeit, in der die Kehrwoche wieder besonders beschwerlich wird. Das Laub muss beiseite gefegt, im nahenden Winter der Schnee vom Gehweg geräumt werden. 

Wir geben einen Überblick, was es mit der Kehrwoche auf sich hat:

Die Kehrwoche laut Duden

Kehrwoche, die Wortart: Substantiv, feminin; Gebrauch: süddeutsch, besonders schwäbisch; Bedeutung: Woche, in der eine Mietpartei verpflichtet ist, die Treppe (den Bürgersteig oder Ähnliches) zu reinigen.

Die Geschichte der Kehrwoche

Wer hat sie erfunden? Und wann? Darum wird nicht nur beim schweizer Kräuterbonbon, sondern auch bei der schwäbischen Kehrwoche redlich gestritten.

Böse Zungen behaupten gar, dass der Putzfimmel der Schwaben seinen Ursprung in Frankreich hat. Als Napoleon regierte, erließ er viele Bestimmungen zur Reinhaltung der Straßen und Häuser. In diese Zeit der Vereinheitlichung des französischen Rechts, das auch in den von Napoleon an Frankreich angegliederten Gebieten seine Geltung hatte – also auch in Baden – , ließe sich die Einführung der Kehrwoche einordnen. Ob man da beim Nachbarn gespickelt hat? Aber diese Vermutung kehren Schwaben freilich gern unter den Teppich.

Die gängigere und beliebtere Meinung ist die, dass die schwäbische oder württembergische Kehrwoche auf einer Vielzahl von Erlassen beruht, die seit Ende des 15. Jahrhunderts in Württemberg herausgekommen sind, um die Menschen zu Ordnung und Sauberkeit im häuslichen Umfeld anzuhalten. So stand bereits im Stuttgarter Stadtrecht von 1492, das Graf Eberhard im Barte aufgesetzt hatte: „Damit die Stadt rein erhalten wird, soll jeder seinen Mist alle Wochen hinausführen, (...) jeder seinen Winkel alle vierzehn Tage, doch nur bei Nacht, sauber ausräumen lassen und an der Straße nie einen anlegen. Wer kein eigenes Sprechhaus (WC) hat, muss den Unrath jede Nacht an den Bach tragen“.

Doch was hat es dann mit dem Jahr 1714 auf sich? Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg erließ damals das erste eigenständige Gesetz zur Sauberkeit, nämlich die erste Stuttgarter Gassensäuberungsordnung, die sieben Seiten umfasst und im Hauptstaatsarchiv Stuttgart einzusehen ist. Der Herzog hatte feststellt, dass „gar solch nützliche Verordnungen nun bei geraumen Jahren her aus den Augen gesetzt“ waren. Das heißt: Niemand hielt sich mehr an die Vorgaben zur Ordnung und Sauberkeit in der Stadt. Das galt es zu ändern – und das gelang nachhaltig: Heute ist in Stuttgart ­ die Kehrwoche im Mietvertrag geregelt.

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