Obama reist nach Newtown Schock und Trauer nach Amoklauf

dapd, 16.12.2012 19:40 Uhr
Verzweifelt suchen Angehörige, Ermittler und Politiker nach dem Amoklauf von Newtown Antworten auf die Frage nach dem Warum. Immer mehr Details zeigen, wie grausam der 20-jährige Täter vorging.

Newtown - Trauer, Entsetzen und Rufe nach einem schärferen Waffenrecht: Nach dem Schulmassaker von Newtown mit 27 Toten steht Amerika unter Schock und sucht verzweifelt nach Erklärungen. Eltern der erschossenen Kinder und der Vater des Täters wandten sich in ihrem Schmerz an die Öffentlichkeit. Gerichtsmediziner zeigten sich erschüttert, wie grausam die 20 Schulkinder und sechs Erwachsenen erschossen wurden. US-Präsident Barack Obama wollte den Trauernden persönlich beistehen und am Sonntagabend (Ortszeit) in Newtown auf einer Gedenkfeier sprechen. Die Polizei kündigte noch für Sonntag weitere Details zur Tat an.

Bis zu elf Mal schoss der Täter auf die zwölf Mädchen und acht Jungen im Alter von sechs und sieben Jahren, auf fünf Lehrerinnen und die Schulpsychologin, bevor er sich selbst tötete. Vor dem Massaker an der Sandy-Hook-Grundschule soll er seine Mutter erschossen haben. Die Toten in der Schule hätten „verheerende Verletzungen“ aufgewiesen, sagte der leitende Gerichtsmediziner H. Wayne Carver am Samstagabend sichtlich erschüttert: „Es ist das schrecklichste, das ich in mehr als 30 Berufsjahren gesehen habe. Und für meine Kollegen gilt das gleiche.“

Forderungen nach strengeren Waffengesetzen werden lauter

Angesichts des Schocks über das Massaker wurden die Forderungen nach strengeren Waffengesetzen immer lauter. Der demokratische Politiker Jerry Nadler meinte: „Wenn der Präsident jetzt handelt und einen Kreuzzug anführt, wäre das wunderbar.“ Obama hatte zwar bereits zu „bedeutsamem Handeln, um weitere Tragödien wie diese zu verhindern“ aufgerufen. Doch die Waffenlobby ist extrem mächtig, in über 40 Prozent der US-Haushalte existieren Schusswaffen. In Newtown seien die Menschen „wie gelähmt“, berichtete die Psychologin Jeannie Pasacreta. „Viele fühlen sich schuldig, weil sie schon den Weihnachtsschmuck an ihren Häusern hatten, der fröhlich blinkte, während ein paar Straßen weiter die Kinder starben.“

Die Mutter des Amokläufers war nach einem Bericht der „New York Times“ eine Waffennärrin, die ihren Sohn zu Schießständen mitnahm. Die 52-jährige Frau besaß nach Informationen von Ermittlern fünf Waffen, die auf ihren Namen registriert gewesen seien. Darunter waren das halbautomatische Sturmgewehr und zwei Pistolen, mit denen ihr 20-jähriger Sohn das Massaker anrichtete. Die Frau sei seit 2008 geschieden gewesen und habe mit ihrem Sohn zurückgezogen in einem großen Haus in Newtown gelebt. Sie habe Schwierigkeiten gehabt, mit den psychischen Problemen ihres Sohnes fertig zuwerden, schrieb das Blatt.

Der Vater eines erschossenen sechsjährigen Mädchens äußerte sich in einer bewegenden Rede vor Journalisten über seine Tochter. Emilie sei „klug, kreativ und sehr liebevoll“ gewesen, erzählte der 30 Jahre alte Robbie Parker. „Es ist eine schreckliche Tragödie, und ich möchte, dass alle wissen, dass wir in unseren Herzen und Gebeten bei ihnen sind. Das gilt auch für die Familie des Schützen.“

Vater des Amokläufers spricht tiefes Bedauern aus

Der Vater des Amokläufers drückte den Angehörigen der Opfer sein tiefes Bedauern über die „enorme Tragödie“ aus. In einer vom Sender CNN veröffentlichten Mitteilung erklärte er, dass seine Familie mit den Ermittlern eng zusammenarbeite. Sie seien schockiert und hätten keine Erklärung für die Tat. Obama wollte nicht nur auf der Gedenkfeier sprechen, sondern auch Familien der Opfer treffen. Er hatte sich kurz nach der Bluttat vom Freitag in einer Ansprache auch als Vater von zwei Mädchen bestürzt gezeigt.

An allen öffentlichen Gebäuden in den USA wurden die Flaggen auf halbmast gesetzt. In das Entsetzen über das Verbrechen drängt sich vor allem auch die Frage, warum der Täter in die Schule stürmte und Dutzende Male um sich feuerte. Welche Verbindung hatte er zur Sandy-Hook-Grundschule? Am Samstag wurde bekannt, dass entgegen ersten Berichten seine Mutter dort nicht als Lehrerin arbeitete. Unklar ist auch, ob der Täter selbst dort zur Schule gegangen war. Der Täter wird als klug, sehr scheu und introvertiert beschrieben. Laut Polizei verschaffte sich der Todesschütze gewaltsam Zutritt zur Schule. Erst vor kurzem wurde dort ein neues Sicherheitssystem installiert.

Die Kinder, die die Bluttat miterlebten, werden vermutlich ihr ganzes Leben darunter leiden, sagte der Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Charité Berlin, Andreas Heinz, der Nachrichtenagentur dpa. „Traumatisierungen sind besonders schwer, wenn man hilflos ist und die Gewalt gezielt ist. Ein Erdbeben, das alle gleichermaßen trifft und für das niemand etwas kann, verursacht viel weniger Traumatisierung als gezielte Gewalt.“

Auch Angela Merkel äußert ihr Mitgefühl

Weltweit bekundeten Politiker ihr Beileid. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte Mitgefühl. „Wieder einmal stehen wir voller Entsetzen vor einer Tat, die wir nicht begreifen können“, erklärte Merkel in einer am Samstag verbreiteten Mitteilung. Bundespräsident Joachim Gauck sprach in einem Brief an Präsident Obama seine Anteilnahme aus. Papst Benedikt XVI. bezeichnete den Amoklauf als „sinnlose Tragödie“.

 

 
 
Kommentare (10)
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Leser Ist schon länger als 1 Jahr her
Wer hat gefordert, daß Lehrer bis an die Ohren bewaffnet sein sollen? Ich habe ein Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit erwähnt, wo es zu einem Amoklauf an einer amerikanischen Universität kam. Niemand konnte sich wehren, da die Uni Waffen verboten hatte. Dies wußte auch der Amokschütze und konnte unbehelligt morden. Aus dieser Tragödie haben einige Unis gelernt und lassen jetzt wieder Waffen auf dem Campus zu. Zu einer Tragödie solchen Ausmaßes wird es an solchen Unis nun kaum mehr kommen können. In vielen Ländern der Welt - der großen Mehrzahl aller Länder - auch in Österreich oder der Schweiz, ist privater Waffenbesitz ohne größere Einschränkungen möglich. In Deutschland ist das nicht der Fall. Sie und ich können nicht einfach in einen Laden gehen und eine Waffe kaufen und diese daheim aufbewahren oder gar mit sich tragen. Übrigens, daß von ihnen erwähnte Wettrüsten hat im Kalten Krieg Europa und der ganzen Welt vor dem Dritten Weltkrieg bewahrt. Aber ich schweife ab. Jeder Mensch hat das recht sich angemessen vor Verbrechern zu schützen. Dazu gehört auch der Waffenbesitz. In den USA und vielen anderen Ländern muß jeder damit rehcnen, daß auch sein 'Kontrahent' sich zu schützen weiß. Entsprechend steigt die Gefahr für den Einzelnen, wenn er austickt. Vor Bürgern mit Waffen habe ich keine Angst. Angst habe ich allerdings davor, wnn nur noch Verbrecher Waffen haben. Nur mal am Rande. Eine der ersten Amtshandlungen Hitlers und der Nazis war es übrigens, die Bürger zu entwaffnen. Wenn ein Staat keine Gegenwehr zu befürchten hat, regiert es sich doch gleich viel leichter.
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WeißundBlau Ist schon länger als 1 Jahr her
Lieber Leser. Ihren verquasten Kommentar habe ich heute morgen gelesen. Leider habe ich ihn gestern Abend noch nicht lesen können, da war er noch nicht veröffentlicht. Denn dann hätte ich Ihnen schon damals meine Meinung gegeigt. Aber was noch nicht war, kann ja noch kommen. Ihre Behauptung bei einem Waffenverbot, für das sie Deutschland heranziehen, was natürlich blanker Unsinn ist gemessen daran dass in Deutschland Privatpersonen durchaus Waffen besitzen dürfen - ihr Kommentar erweckt den Eindruck des Gegenteils - hätten nur noch die Verbrecher Waffen und die Opfer könnten sich nicht wehren, ist blanker Unsinn- Privater Waffenbesitz ist in Deutschland durchaus erlaubt. Vielleicht sollten Sie sich mal in Erinnerung rufen, dass der Täter immer schneller als das Opfer ist. Zudem habe ich die Gefahren eines, bis an die Zähne bewaffneten, Lehrers bereits erläutert. Ich verzichte auf eine neuerliche Beschreibung dieser, absehbaren, Horrorvorstellung für alle Anwesenden. Ein Wettrüsten bringt nichts, es wird keine Amokläufe verhindern. Einen, sich den Weg freischießenden, Attentäter werden auch die besten Sicherheitsvorkehrungen und bis an die Zähne bewaffnete Lehrer nicht aufhalten können. Und außerdem. Was passiert, wenn jeder über Waffen verfügt und sein Temperament nicht zügeln kann, wenn das Wettrüsten nicht mehr zu stoppen ist, sehen wir am Beispiel Russland. Wenn Sie mal gesehen hätten, wie es da zugeht... Gäbe es so etwas auch in Deutschland, ich weiß nicht was dann los wäre. Beispiel: Ein Autofahrer versucht rückwärts fahrend in eine Straße zu wenden, ein anderer Autofahrer kommt, der Erste bemerkt diesen nicht, der Ankommende hupt, der Erste merkt immer noch nichts, der Ankommende hupt erneut - was macht der Rückwärtsfahrer? Er zeigt den Scheibenwischer, springt aus dem Wagen... Ein Glück für den anderen Fahrer, dass der Angreifer keine Waffe hatte, dass es kein Wettrüsten gab. Wer weiß was sonst noch losgewesen wäre. Wenn die USA wollten, dann wäre auch ein strengeres Waffenrecht möglich. Dazu müssten aber alle Parteien wollen. Wer sagt es geht nicht, sagt doch eigentlich, dass er nicht will.
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Georg Schmidt Ist schon länger als 1 Jahr her
Immer der gleiche Schmand. Immer die gleichen Scheinargumente und Schuldzuweisungen. Immer dieselben Forderungen nach mehr Gesetzen und Verboten. Niemand stellt die Frage warum wird sowas immer so ausgeschlachtet? Warum wollen uns unsere Diktatoren entwaffnen? Hier gab’s sogar eine 'Amnesty' wenn Oma oder Opa die Pistole die sie seit 60 Jahren im Schrank haben abgeben. Warum konnte man in der Vergangenheit ganze Bevölkerungsgruppen verhaften? Konnten sich die wehren? Wie sieht es wo anders aus? Wird der Wehrhafte verfolgt und unterdrückt? Was passiert in Europa? Wissen wir das? Was wird vorbereitet wenn im Artikel2 der Grundrechtscharta des „Lissabonner Vertrages“ vorsorglich schon mal aufgenommen ist: 'Eine Tötung wird nicht als Verletzung des Artikels betrachtet,' wenn es erforderlich ist,'einen Aufruhr oder Aufstand rechtmäßig niederzuschlagen'? Trauen sie unserer Politik? Brauchen wir nicht für sonst alles 'Sicherheit'? Denken sie mal so darüber nach?
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Detlev Siggenthaler Ist schon länger als 1 Jahr her
Aber unter uns rückständigen Menschen hat sich das noch nicht rumgesprochen, wir sind mit der dämlichen Aufrüstung geistig noch hinter der Steinzeit zurück. Das Raubtier unter unserer cremegepflegten Haut wird immer wieder ausbrechen. Mit 100 Schuss Munition sind Unheil und Verderben programmiert. Die Opfer und ihre Angehörigen bezahlen für die Gier und Großkotzigkeit der Waffenindustrie und ihrer Anhänger.
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Leser Ist schon länger als 1 Jahr her
Schade, daß sie nicht auf die Entwicklung an amerikanischen Unis und meinen Ausführungen dazu eingehen. Vielleicht war mein Kommentar noch nicht veröffentlicht, als sie ihren schrieben. Dann können sie das ja jetzt noch nachholen. Noch einmal: Wenn niemand legal Waffen besitzen darf, haben nur noch die Verbrecher Waffen und brauchen keine Gegenwehr fürchten. Dieser und insbesondere der letzte Amoklauf an einer amerikanischen uni zeigen genau das.
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