Entschärft

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Sprengstoff in Degerloch gefunden

Von Michael Deufel, aktualisiert am 19.06.2010 um 12:32
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Sprengstoff in Degerloch
Foto: Kern

Stuttagrt - Ein großer, ein mittlerer und ein kleiner Wumms, das war's: Sprengstoffexperten des Landeskriminalamts haben am Freitag die gefährlichen Körner auf einem Feld nahe der B27 entschärft. Ein 29-jähriger Mann, der das Material in dem Keller gelagert haben soll, wurde verhaftet.

In der Gomaringer Straße herrscht am Freitag kurz vor der Mittagszeit Ausnahmezustand. Ein Großaufgebot an Einsatzfahrzeugen von Polizei, Feuerwehr und Sanitätern parken entlang der Häuserzeilen. Sicherheitskräfte räumen drei Gebäude. Betroffen sind rund zehn Personen. Ein Absperrband signalisiert: Bis hierher und nicht weiter. Allzu neugierige Passanten, die sich nicht daran halten wollen, weisen die Polizeibeamten bestimmt in die Schranken. Da hilft auch das Jammern einer Hausfrau nicht, ihr brenne das Mittagessen an. Die Strenge der Polizei ist angebracht, denn im Keller eines Fachwerkgebäudes an der Gomaringer Straße lagern hochexplosive Chemikalien.

Ein Anwohner hat mit dem gefährlichen Material schon am Donnerstagnachmittag schmerzliche Bekannschaft machen müssen: In einem Hof ist er versehentlich auf bohnengroße Körner getreten, die unter seinen Sohlen explodiert sind. Zu dem Zeitpunkt kann sich keiner erklären, woher das Granulat stammt. Nachfragen unter Anliegern führt die Beamten schließlich in jenes Fachwerkgebäude, genauer in den Keller einer älteren Frau, die in dem Haus wohnt. Der 29 Jahre alte Enkel der Frau hat dort offenbar eine Art Hobbyraum eingerichtet, wo er seiner gefährlichen Freizeitbeschäftigung nachging.

Die Sprengstoffexperten des Landeskriminalamts finden dort jedenfalls mehrere Hundert Gramm hochexplosiver Chemikalien. "Um das zur Explosion zu bringen, bräuchte es kein Streichholz", sagt Polizeisprecher Olef Petersen. Angeblich hat der Mann ausreichend Material gelagert, um damit mindestens ein Einfamilienhaus einstürzen zu lassen.

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MRZ
01

00:32 Uhr, geschrieben von Versuchschemie.de

Zum Deufel mit solchen Artikeln!

Herr Deufel, als Inhaber eines großen Chemieportals kann ich ein Lied davon singen, wie sehr Chemiker und Chemie-kundige sich regelmäßig über solch reißerische Artikel ärgern, deren Informationsgehalt auch noch gegen Null tendiert. Natürlich muß ein Journalist nicht erst Sachkunde nachweisen, bevor er über "Sprengstoffe" schreiben darf. Er sollte aber wenigstens wissen, wie gern die Polizei solche Funde nutzt, um eine kinotaugliche Show abzuziehen. Auch mit unverhältnismßig großen Absperrungen, die den Steuerzahler nur eine Menge Geld kosten. In früheren Jahrzehnten kamen in so einem Fall zwei Dorfpolizisten in einem VW-Käfer angefahren und das hat Jahrzehntelang wunderbar ausgereicht. Natürlich wollen wir alle Sicherheit. Aber niemand will solch theatralische Opern-Inszenierungen geltungssüchtiger Polizeibeamter, deren Verhältnismäßigkeit außer vom Bund der Steuerzahler von niemandem überprüft wird. Den D(T)eufelskreis schließen dann Medien, denen es fern läge, so etwas etwa kritisch zu hinterfragen, weil sie davon profitieren. Profitieren auf dem Nährboden fehlender allgemeiner Sachkunde zum Thema, um das es im Artikel geht. Herr Deufel, es ist zum Beispiel kein Wunder, daß "Erdklumpen umherschleudern" und "Stichflammen zischen", wenn die Polizei ihren eigenen, mitgebrachten Sprengstoff in die Luft jagt. Oder meinen Sie, die zünden eine ihnen unbekannte Substanz mit einem Streichholz an? Ich gehe davon aus, daß der Umgang der Polizei mit dem Fundgut in den meisten Fällen fachlich fundiert und nicht zu beanstanden ist. Es gibt aber auch genügend Fälle, wo die Polizei tausendfach größeren Schaden anrichtet, als die Gefahr, die sie beseitigen sollte, jemals hätte verursachen können. Ich finde es fast ein bischen schäbig, wenn aus einem Ereignis, das aus fachlicher Sicht sehr wahrscheinlich belangslos ist, eine Foto-Slideshow gezaubert wird, um dort die Produkte der Werbepartner zu platzieren. Und bei Worthülsen, wie "bis zu ...", muß ich Sie schon fragen, Herr Deufel, ob Sie ursprünglich aus der Werbebranche kommen. "Bis zu 6000 kbit/s" können, wie wir wissen, auch nur 500 sein, und ebenso sind "bis zu 20 Meter" offiziell auch keine Lüge, wenn man 10 Zentimeter so umschreibt. Es ist aber eine Formulierung, die einem Artikel per se schon die Glaubwürdigkeit herabsetzt. Ich weiß leider, daß man gegen reißerische und/oder unwahre Berichterstattung nicht wirklich etwas ausrichten kann, solange sie nicht durch einen direkt Geschädigten beklagbar ist. Und leider auch, daß nur um die ganz ganz großen Fehltritte sich der Presserat kümmert.

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