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Bücher für Jungs "Männer, lest den Kindern vor!"

Andrea Kachelrieß , vom 15.03.2010 18:35 Uhr
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Stuttgart - Planet Girl heißt ein neuer Verlag, der auf die wachsende Zielgruppe der Mädchen setzt. Für Jungs, so belegen viele Studien, bleibt Lesen trotz vieler Bemühungen oft feindliches Terrain. Auch Väter greifen nicht zum Buch. Nun will der Klett-Kinderbuch-Verlag Vorlesemuffel mit einem Geschenk bekehren.

Kein Mann, nirgends. Diesen Eindruck konnte man jüngst von einem Besuch der Kinder- und Jugendbuchwochen in Stuttgart mitnehmen. Da sind Mamas, die mit Zetteln in der Hand das Angebot für den Nachwuchs sichten; da sind Lehrerinnen, die Schulklassen führen. Eine subjektive Momentaufnahme, sicherlich. Doch empirisch betrachtet wird die Sache nicht besser. Die jüngste Vorlesestudie der Deutschen Bahn und der Stiftung Lesen hielt den Notstand in Zahlen fest: In 42 Prozent aller Haushalte mit Kindern im klassischen Vorlesealter unter zehn Jahren wird nur unregelmäßig oder gar nicht vorgelesen. Und: Nur acht Prozent der Kinder haben Väter, die diese Aufgabe übernehmen.

Acht Prozent? Sind es nicht vielleicht doch ein paar mehr? Im Klett-Kinderbuch-Verlag will man nicht glauben, dass Väter so große Vorlesemuffel sind. Würden sie gerne, finden aber nicht das passende Buch? Eines wie das Bilderbuch "Akkaratus"? Von einem Vater getextet und einem anderen illustriert, erzählt es von einem kleinen Roboter, der auf der Erde seltsame Dinge wie Bauklötze und einen Luftballon erkundet. Der in Leipzig beheimatete Klett-Ableger will damit Väter ans Buch locken: Wer anruft, bekommt ein Exemplar von "Akkaratus" geschenkt; als Gegenleistung wünscht sich der Verlag ein Foto, das den Beschenkten beim Vorlesen des Buchs zeigt. Ein Beweisstück sozusagen: Und sie lesen doch! Stoßen vorlesende Väter ihren Söhnen Türen zu einer Welt auf, die sie alleine oder mit Mamas Hilfe nur schwer aufkriegen? Seit der ersten Pisa-Studie sind alle alarmiert. "Die größten und konsistentesten Geschlechterunterschiede sind im Bereich Lesen zu beobachten", hielt die Studie im Jahr 2000 fest. "In allen Pisa-Teilnehmerstaaten erreichen die Mädchen im Lesen signifikant höhere Testwerte als die Jungen." In Deutschland, so aktuelle Zahlen, lesen 52 Prozent der Jungen nur, wenn sie müssen. 80 Prozent der Jugendlichen, die eine Lese- und Rechtschreibschwäche haben, sind männlich.

Darüber, warum das so ist, zerbrechen sich seither viele die Köpfe. Anreize wurden geschaffen, um den Jungs das Lesen zu erleichtern. Das übers Internet zugängliche Lesequiz Antolin setzt zum Beispiel auf die Verlockungen des Computers, die Jungs bekanntlich besonders ansprechen, und belohnt erfolgreiche Lektüre mit einem Punktesystem. Das Männer-Netzwerk MannDat hat eine spezielle Jungenleseliste erarbeitet. Doch Bruno Köhler, der sich um sie kümmert, weiß, dass es mit kleinen Schritten nicht getan ist: "Es fehlt an einer Jungenleseförderkultur", sagt er. "Es gibt in Bibliotheken, Schulen und bei Elterninitiativen verschiedene Jungenleseförderprojekte. Aber dieses sind einzelne Aktionen. Eine Jungenleseförderkultur wird daraus erst, wenn von politischer Seite diese Einzelaktionen zu einem Netzwerk verbunden werden. Doch der Wille dazu fehlt."

An den pädagogischen Hochschulen im Land, so die MannDat-Kritik, gebe es zwar diverse Mädchenprojekte. "Projekte zur Jungenbildungsförderung, zum Beispiel im Bereich Lesen, existieren nicht. Hier zeigt sich, dass eine Jungenleseförderung, wie sie die Pisa-Studie schon 2000 als ,große bildungspolitische Herausforderung' angemahnt hat, noch nicht in den pädagogischen Hochschulen in Baden-Württemberg angekommen ist." Dies sei besonders bedauerlich, weil die jungen Lehrer so kaum als Mediatoren für Jungenleseförderung an ihren zukünftigen Wirkungsstätten dienen könnten.

Kommentare (8)
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DEZ
08
10:32 Uhr, geschrieben von Frau Bock
Keine männlichen Helden mehr??
Der angebliche Mangel an männlichen Vorbildern und Helden in der heutigen Jugendliteratur, ist aus meiner Sicht, nicht nachvollziehbar. Man denke nur an "Harry Potter", "Herr der Ringe" oder "Eragon" - das alles sind Bestseller mit Weltruhm. Und sie alle leben von ihren charismatischen männlichen Protagonisten, oder hab ich da was verpasst?? Der Vorwurf, es gäbe zu wenig Kinder- und Jugendliteratur mit männlichen Helden, die auch Vorbildcharakter haben und Jungs demzufolge ansprechen ist... einfach eine Ausrede! Was allerdings (auch aus eigener Erfahrung) ein entscheidender Faktor ist, ob der eigene Vater liest. Ein Vorbild zu sein ist wichtig, aber auch kein Garant, dass die eigenen Kinder selbst zum Buch greifen. Das Buch hat bei Jungs einfach einen zu starken Konkurrenten- den PC. Die endlosen Welten von WoW und Co. bieten ihnen eine Weite, einen Handlungsspielraum und eine Möglichkeit sich zu profilieren und zu messen, die die Wirklichkeit nicht (mehr) bietet! Unsere Gesellschaft ist kinderfeindlich. Kinder können nicht einfach so raus und ein Baumhaus bauen oder überhaupt mal laut sein, raufen etc..(bis auf die richtigen "Landkinder") . Heute schreit doch sofort der Nachbar "Seid leise!" sobald jemand vor dem Haus zu laut lacht oder mal nen Ball gegen eine Wand bolzt. Und gerade Jungs treffen diese ganzen Einschränkungen besonders hart. Wenn man keinen Platz zum spielen findet, dann sucht man ihn sich eben woanders einen - und das ist dann häufig in der virtuellen Welt. Da kann man sich dann auch mit seinen Kumpels unterhalten und feixen- allerdings nur über Headset...
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MRZ
18
01:05 Uhr, geschrieben von Diego
Die Jungen einfach Jungen sein lassen!
Die Kritik, dass es nicht genug Kinderbuch schreibende Männer gäbe, kann ich nicht teilen. Viel eher wird zutreffen, dass es nicht genug Verlage gibt, die allgemeine oder explizite Jungenliteratur veröffentlichen. Es fehlt inzwischen der Markt, der zuvor durch die vielen pseudopädagogischen und feministisch-frauenzentrierten Bücher zerstört wurde, die man den Jungen in angeblich guter Absicht aufzwingen wollte. Diese Bücher sollten das (vulgär-)feministische Ideal in die Köpfe der kleinen Rambos portieren und aus ihnen Jungen machen, die sich wie Mädchen verhalten! Dementsprechend hatten diese Bücher nie etwas mit dem Selbstkonzept und der täglichen Selbsterfahrung der Jungen zu tun. Michael und Robert wollen raufen, aber nicht mit Melanie bei einem Schluck Himberblütentee über "Männergewalt" schwabulieren. Wettkampf, Selbstbehauptung, Abenteuer und Risiko - das ist, worüber Jungen lesen wollen und was mit ihrer echten Welt identisch ist. Heutzutage würde hingegen doch selbst schon die Rauferei der Schulklassen aus dem fliegenden Klassenzimmer als "gewaltverherrlichend " abgetan, und es müssten ! Mädchen sowie Kinder mit Migrationshintergrund und vielleicht noch ein Behinderter in der Geschichte vorkommen. Nur kommen genau diese Figuren nicht in der realen Welt der Jungen vor, oder sind nicht bedeutsam, so dass es kaum Identifikationsmöglichkeiten mit der Hauptfigur gibt. Wenn ich an mein absolutes Lieblingsbuch von früher zurückdenke (Alfred Weidenmann - "Die Fünfzig vom Abendblatt"), dann höre ich heute noch im Geiste die Fahrradketten sirren und den Schorf von den Knien rieseln. Und obwohl ihm immer wieder Steine, auch in unfairer Art und Weise in den Weg gelehnt wurden gewinnt am Ende trotzdem der Gute, weil er sich ehrlich angestrengt und fair gekämpft hat. Heutzutage würden die Jungen aus dieser Geschichte mit Ritalin ruhiggestellt und von Sozialpädagogen betreut werden. Dabei ist das alles nur eine Phase dieser Jungen und dieser (Lebens-)Geschichte, die am Ende des Ausprobierens - wenn der Knoten geplatzt ist - sich für alle Beteiligten in Wohlgefallen auflöst. So - auf die unbequeme Art - werden spätere, gesunde Männer gemacht - und nicht, indem man sie dominiert und von ihnen verlangt, sich wie Mädchen zu verhalten.
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MRZ
18
00:25 Uhr, geschrieben von Carl Becker
Nun ist es aus,...
Sie geben wohl nie auf, was? Hab' ich mir auch nicht anders gedacht. Von Lyrik keine Ahnung; die Metapher nicht erkannt? Ich lache zu Hause. Das war doch nur ein Test, um herauszufinden, wie Sie gestrickt sind, ob Sie auf meine Falle hereinfallen. Schön gelandet sind Sie. Von der Kinder- und Jugendliteratur zur schönen Literatur - das nenne ich mir mal einen Werdegang. Da haben Sie ja einen schönen Weg beschritten. Na, den beschreiten Sie mal ruhig weiter - aber bitte schön allein. Ich gehe nicht mit auf solche Irrwege der Literatur. Wenn Sie meinen, man solle nicht alles so ernst nehmen was manche Menschen im Internet schreiben, so lassen Sie sich einen guten Rat geben. Das Internet vergisst nichts. Ehe man also etwas Unüberlegtes schreibt, sollte man es tunlichst überdenken. Ach ja, noch eine Sache, ich vergaß es beinah'. Wenn Sie sich auf meinen nächsten Kommentar freuen, so muss ich Sie enttäuschen. Nach diesem Kommentar hier, werden Sie von mir zu diesem Thema nichts mehr hören. Man soll dann aussteigen, wenn es am Schönsten ist.
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